Mein Leben als Papa

Abstiegsangst! Aber Hannes ist bereit für die Zweite Liga

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Werder hat den Klassenerhalt bald in der Tasche. Hoffen zumindest Papa und Hannes.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Das wird heute ein ruhiger Samstag. Ganz ohne Wutausbrüche und Schockstarre vor dem Fernseher. Denn Werder spielt heute nicht. Das Spiel meines Herzensvereins gegen Frankfurt wurde verschoben. Werder kann an diesem Wochenende also nicht weiter daran arbeiten, nächste Saison in der Zweiten Liga zu spielen.

Irgendwie ist es tragisch: Kaum habe ich es im Sommer geschafft, bei Hannes das Fußballfieber zu entfachen und aus ihm einen echten Werder-Bremen-Fan zu formen, da spielen die Grün-Weißen die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte. Der Abstieg rückt bedrohlich näher.

Das macht mir alleine schon ziemlich zu schaffen, aber jetzt muss ich die schlechten Leistungen auch noch gegenüber Hannes moderieren. Lange Zeit war ich ein Meister der Durchhalteparolen und Kampfansagen. „Wenn die Verletzten wieder fit sind, überholen wir eine Mannschaft nach der anderen.“ Hannes glaubte es und ballte die Faust zum Angriff. Dann wurde ich zum Meister des Schönredens. „Die erste Hälfte gegen Augsburg haben wir gewonnen.“ Hannes genügte das. Inzwischen bin ich ein Meister des Vertuschens geworden. „Lass uns im Garten spielen“, schlage ich vor, damit Hannes und ich uns das zu erwartende 0:3 gegen Leipzig nicht live im Fernsehen antun müssen.

Den einzigen Höhepunkt aus Werder-Sicht in den vergangenen Wochen, der überraschende und berauschende Sieg im Pokal-Achtelfinale gegen Mamas Lieblingsverein Dortmund, musste ich still genießen. Für Hannes lief das Spiel viel zu spät und die Mama konnte ihre Augen mit dem schlafenden Michel auf dem Arm nicht mehr offenhalten. Leise Freudentänze machen keinen Spaß! Genauso wenig übrigens, wie es Spaß macht, vom sechsjährigen Bayern-Fan Theo im Kindergarten mit „Absteiger, Absteiger!“-Gesängen begrüßt zu werden.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Das Bundesliga-Spiel gegen den BVB konnten letzte Woche alle wieder im wachen Zustand verfolgen. „Ich halte für die Mannschaft, die das erste Tor schießt“, kündigte Hannes überraschend an. „Tu es bitte nicht!“, warnte ich ihn konsterniert, kurz bevor der BVB in Führung ging. „Dotum“, freute sich sogar Michel, der sonst doch eigentlich immer so schön „Werder“ sagt, wenn es um Fußball geht. Ein bitterer Moment. Wenn jetzt auch noch Hannes’ Bremer Lieblingsspieler Rashica zu Dortmund wechselt . . .

Genug gejammert. Ich muss wieder auf Kampfmodus schalten und Hannes mit ins Boot holen. Lebenslang grün-weiß! Elf Spieltage haben wir noch Zeit, die Klasse zu halten. Relegation gegen den Hamburger SV gewinnen und dann Pokalsieger werden. Man wird doch wohl träumen dürfen.

Und wenn wir doch absteigen sollten, gewinnen wir nächstes Jahr eben wieder öfter. Ob gegen Sandhausen oder Schalke – das ist Hannes doch egal. Er verfolgt die Zweite Liga jetzt schon genauso intensiv wie die Erste Liga. Fahr ich mit ihm nächste Saison eben nach Bochum, um Werder spielen zu sehen. Oder doch zum Eishockey. Bei der Düsseldorfer EG hat es ihm neulich auch ziemlich gut gefallen. Man muss ja vorbereitet sein, falls das Fußballfieber irgendwann mal nachlässt.

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