Drohne half auch bei der Hochwasserkatastrophe

Zwei Profi-Drohnen für die Rettungsdienste

Drohne über der Bever-Talsperre: Zur Ausstattung zählt eine Wärmebildkamera, mit der Personen und Glutnester gefunden werden können.
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Drohne über der Bever-Talsperre: Zur Ausstattung zählt eine Wärmebildkamera, mit der Personen und Glutnester gefunden werden können.

Freiwilligen Feuerwehr und Ortsgruppe der DLRG sind dank Firma Pflitsch technisch besser ausgestattet.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Es dauert nur wenige Minuten, bis die Drohne einsatzfähig ist, vom Boden abhebt und über der Bever-Talsperre schwebt. Auf dem Monitor der Fernbedienung erscheint ein gestochen scharfes Bild der DLRG-Wachstation aus der Vogelperspektive. Yong-Hun Kim ist eines von vier Mitgliedern der DLRG, die bereits eine theoretische Schulung und praktische Flugstunden durchlaufen haben und die Drohne so gut steuern können, ohne sie gegen den nächsten Baum oder Fahnenmast zu lenken. Das ist auch wichtig, denn das Fluggerät ist teuer und kostet etwa 7000 Euro.

Die Firma Pflitsch hat gleich zwei Profi-Drohnen des Typs DJI Mavic 2 Enterprise Advanced gesponsert. Eine hat der Ortsverein der DLRG, die zweite die Freiwillige Feuerwehr Hückeswagen erhalten. „Wir möchten damit die wichtige Arbeit der DLRG an der Bever-Talsperre – und damit auch den Schutz von uns allen – sowie die Leistungsfähigkeit unserer ortsansässigen Feuerwehr unterstützen und weiter verbessern“, sagen die geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Pflitsch, Roland Lenzing und Mathias Stendtke.

Genau ein Jahr nach der verheerenden Hochwasser-Katastrophe, die auch Hückeswagen schwer getroffen hatte, treffen sich die Sponsoren und Vertreter der DLRG und Feuerwehr an der Wachstation in Großberghausen, um die Drohnen in Aktion zu erleben. „Wir haben gleich nach dem Hochwasser das Gespräch mit der Feuerwehr und der DLRG gesucht und überlegt, was man machen kann und womit man die Rettungsorganisationen technisch noch besser ausstatten kann“, sagt Lenzing. Dabei sei die Idee mit der Drohne aufgekommen.

Roland Lenzing (l.) und Mathias Stendtke (r.) lassen sich die Profi-Drohnen von Adrian Borner, Enno Bohmfald, Mario Moritz, Yong-Hun Kim und Karsten Binder (v.l.) an der Wachstation demonstrieren.

Im Gegensatz zu privat genutzten Drohnen ist die Mavic 2 speziell für den professionellen Rettungsdienst ausgestattet. Zur Ausstattung zählt vor allem eine hochauflösende Wärmebildkamera, mit der vermisste Personen, aber auch Glutnester gefunden und erkannt werden können. Darüber hinaus gibt es Spotlights, mit denen Objekte in einer Reichweite bis zu 30 Meter angestrahlt werden können. Das integrierte Leuchtfeuer ist bei erschwerter Sicht bis zu 5000 Meter weit zu erkennen – und über die eingebauten Lautsprecher können Einsatzkräfte wichtige Mitteilungen und Anweisungen an Personen geben, die mit normalen Mitteln nicht zu erreichen sind.

Feuerwehr und DLRG sind seit Ende 2021 im Besitz der Hochleistungsfluggeräte. „Wir haben die entsprechenden A1-EU-Drohnenführerscheine absolviert und die benötigten Lizenzen beantragt, so dass wir jetzt in der Lage sind, die Drohne einsetzen zu können“, sagt Mario Moritz von der Freiwilligen Feuerwehr. Der Löschzug Stadt hat Drohnen bereits eingesetzt, beispielsweise vor eineinhalb Jahren, als eine vermisste Person aus dem Altenzentrum Johannesstift gefunden werden musste – mit Erfolg, wie Feuerwehrchef Karsten Binder berichtet.

Tagelang kreiste auch nach der Hochwasser-Katastrophe im Juli 2021 eine Drohne über dem Damm des Beverteichs, der zu brechen drohte. „Der Boden war so aufgeweicht, dass wir das Gebiet anfangs nicht betreten konnten“, erklärt Binder. Beide Male sei eine Drohne aus Gummersbach im Einsatz gewesen. Mit den beiden von der Firma Pflitsch gesponserten Drohnen hat die DLRG nun ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis. Und auch bei den Feuerwehreinheiten im Oberbergischen gebe es vergleichbares Equipment nur in Radevormwald. Mit den Drohnen, die bereits mit Feuerwehr- und DLRG-Aufkleber als Rettungsdrohnen kenntlich gemacht sind, können nun auch Bereiche erkundet werden, die für Menschen unerreichbar oder für Einsatzkräfte zu gefährlich sind. Durch die Kamera lassen sich Einsatzorte besser einschätzen und Gefahren frühzeitig erkennen. Denn mitunter zählt jede Minute, wenn Menschenleben in Gefahr sind.

In Zukunft wollen sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der DLRG zu gemeinsamen Übungen treffen, um sich im Ernstfall gegenseitig unterstützen zu können. „Das stärkt die Verbindung der örtlichen Hilfsorganisationen zusätzlich“, freut sich der DLRG-Vorsitzende Adrian Borner. Ein Zukunftsthema der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft sei auch der Einsatz von Unterwasserdrohnen. „Das ist auch für uns ein wichtiges Thema, da es immer weniger Rettungstaucher gibt“, sagt Borner.

Mathias Stendtke und Adrian Borner freuen sich, dass die Drohnen ab sofort im Ernstfall eingesetzt werden können. Gezieltes regionales Engagement sei der Firma Pflitsch nämlich weit mehr wert, als reine finanzielle Unterstützung.

Hintergrund

Flugzeit: Die DJI Mavic 2 Enterprise Advanced kann laut Hersteller eine Geschwindigkeit von bis zu 72 Kilometer pro Stunde erreichen und bietet eine maximale Flugzeit von 31 Minuten pro Akku an.

Blickwinkel: Um immer den richtigen Blickwinkel garantieren zu können, kann die Kamera in drei Achsen gedreht werden. Innerhalb einer Sekunde kann die Kamera um 120 Grad bewegt werden, in einem Winkel von bis zu 135 Grad.

Zoom: Die RGB-Kamera ist mit einem vierfachen verlustfreien Zoom und einem 32-fachen Ultra-Digitalzoom ausgestattet.

Sicherheit: Das innovative Assistenz-System unterstützt den Piloten und vermeidet Kollisionen mit Objekten. Möglich machen das acht optische und zwei Infrarot-Sensoren.

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