Engagement

Zusammenlegung erfordert mehr Ehrenamt

Die Gemeinde in Hückeswagen macht sich Gedanken um die Zukunft der Kirche. Diakon Burkhard Wittwer eröffnete die Gemeindeversammlung mit einem gemeinsamen Lied.
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Die Gemeinde in Hückeswagen macht sich Gedanken um die Zukunft der Kirche. Diakon Burkhard Wittwer eröffnete die Gemeindeversammlung mit einem gemeinsamen Lied.

„Pastorale Einheit Oberberg Nord“: Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde machen sich Gedanken zur Zukunft.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Dass sich die katholische Kirche in Deutschland in der größten Krise ihrer Geschichte befindet, ist wohl auch dem treuesten Kirchgänger bewusst. Gerade das Erzbistum Köln ist durch die Skandale rund um den vertuschten Kindesmissbrauch und die oft unklug wirkende Aufarbeitung des Oberhirten, Erzbischof Rainer Maria Woelki, von so vielen Kirchenaustritten wie noch nie gebeutelt. Das mag zumindest auf den ersten Blick nicht viel mit den Gemeinden vor Ort zu tun haben – die Unterscheidung zwischen „Amtskirche“ und „Ortskirche“ liegt immer noch an den Menschen, die die Kirche mit Leben erfüllen. Aber auch im Oberbergischen werden die Kirchen leerer, muss man sich Gedanken über die Zukunft der Kirche machen.

Einer dieser Gedanken hat zu einem ganztägigen Workshop unter dem Motto „#ZusammenFinden: Wir vor Ort“ am Samstag im Gemeindehaus an der Weierbachstraße geführt. Die Stimmung wirkt produktiv und lebendig, beim gemeinsamen Mittagessen wird geredet und gelacht. Der Vormittag sei schon sehr intensiv gewesen, bestätigt Gemeindereferent Lukas Szczurek: „Die Idee ist, gemeinsam den eigenen Glauben zu reflektieren. Wo steht man in diesem großen Komplex der Kirche von heute? Und was macht das alles mit einem selbst.“ Damit bringt er die dringlichsten Fragen vieler Katholiken auf den Punkt. Dazu komme, dass die Kirchengemeinden im Norden des Oberbergischen Kreises in eine Zukunft mit vielen offenen Fragen blicken müssen. Das Stichwort lautet: Die Zusammenlegung der Kirchengemeinden Lindlar, Marienheide, Radevormwald, Hückeswagen und Wipperfürth zur „pastoralen Einheit Oberberg Nord“.

In diesem Zusammenhang werde mehr Ehrenamt erforderlich sein. „Das Ehrenamt in der Kirchengemeinde hat ohnehin schon sehr viele Aufgaben. Hier müssen wir hauptamtlichen Kräfte vermitteln, dass es nicht in erster Linie darum geht, was gemacht werden muss. Sondern vor allem um die Rückbesinnung auf den eigenen Glauben“, sagt Szczurek. Wenn das nämlich nicht mehr klar sei, wenn man nicht mehr auf dem Fundament dieses eigenen Glaubens stehe, werde alles schnell zu viel. „Und dann macht es keinen Spaß mehr und oft werden die Aufgaben dann abgegeben“, so der Gemeindereferent. Was durchaus verständlich sei – allerdings müsse man dem eben auch entgegenwirken. Unter anderem damit, dass man im Gespräch bleibe.

Das sieht auch Ruth Balling so. Die Hückeswagenerin ist sehr aktiv in der Gemeinde gewesen, etwa in der Betreuung der Messdiener. Aber seit einiger Zeit habe sie sich zurückgezogen. „Ich bin nicht mehr so aktiv, denn mich stören gewisse Strukturen in der Gemeinde“, sagt sie. Natürlich spielten auch die Ereignisse im Erzbistum eine Rolle, wobei sie die vor Ort nicht in diesem Maße beträfen, wie sie sagt. Zum Workshop sei sie in der Hoffnung gekommen, dass sich die Gemeinde vor Ort wieder auf den Weg begeben könne. „Wenn man im Gespräch miteinander ist, wenn man im Austausch ist, dann kann sich auch etwas bewegen“, sagt sie.

Mitglieder hoffen, dass sich endlich wieder was bewegt

Den Workshop finde sie aus daher auch gelungen. „Der Austausch ist sehr gut. Besonders schön fand ich den geistlichen Impuls zu Beginn. Das hat man in dieser Zusammensetzung auch nicht so oft“, sagt Balling. Natürlich gehe es auch darum, sich neu kennenzulernen. „Es sind auch einige Teilnehmer aus Radevormwald hier, die ich vorher gar nicht kannte“, sagt die Hückeswagenerin. Sie hoffe sehr, dass die Dinge auf Gemeindeebene wieder in Bewegung kommen. „Eine Sache sind etwa die Endlich-Gottesdienste, die neu und ökumenisch sind“, sagt sie. Das sei eine neue Herangehensweise, die sie sehr schätze.

Mit einem solchen Gottesdienst  geht am Nachmittag der Workshop „#ZusammenFinden“ zu Ende. Auch Diakon Burkhard Wittwer ist zufrieden. „Ich finde die Stimmung heute wirklich sehr gut und konstruktiv. Es sind die Menschen da, die ihren persönlichen Glauben mit einbringen – das ist gerade heutzutage ein wirklich gutes Zeichen.“ Der Gottesdienst selbst sei ohne große Hierarchien, lebe von der Beteiligung der Teilnehmer und der musikalischen Begleitung. „Wir haben mit dem Gebet gestartet und beenden den Tag damit auch wieder – schließlich ist das der Grund, warum wir überhaupt hier sind“, sagt Szczurek.

Wiederholung geplant

Workshop: Wenn es nach Diakon Burkhard Wittwer geht, sollen die Workshops künftig regelmäßig stattfinden. „Geplant ist noch nichts, das werden wir mit den Teilnehmern am Ende des Tags besprechen – aber ich wäre für eine regelmäßige Wiederholung, vielleicht viermal pro Jahr“, sagt Wittwer.

Zielgruppe: Die Workshops sind grundsätzlich offen für alle Interessierten aus den Kirchengemeinden St. Mariä Himmelfahrt und St. Marien in Radevormwald. Weitere Informationen gibt es bei Lukas Szczurek per E-Mail. lukas.szczurek@erzbistum-koeln.de

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