Bildung

Schulhündin Yuma hilft den Realschülern im Unterricht

Nicht nur die Klasse 6d von Saskia Linzer hat Schulhündin Yuma bereits in ihr Herz geschlossen.
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Nicht nur die Klasse 6d von Saskia Linzer hat Schulhündin Yuma bereits in ihr Herz geschlossen.

Vierjährige Berner-Sennen-Mischlingshündin kommt bei den Kindern toll an – und sorgt für mehr Ruhe im Klassenzimmer.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Die Klasse 6d hat eine besondere Mitschülerin zu Gast. Yuma ist erst vier Jahre alt, was in Menschenjahren etwa dem Alter von 32 entspricht. Die Hündin gehört Lehrerin Saskia Linzer, die sie seit ihrem Studium bei sich hat. „Yuma hat ein tolles Wesen und ist super entspannt“, versichert sie. Dass das Tier mit in den Unterricht darf, liegt an ihrer persönlichen Ausbildung im vorigen Jahr: „Wir haben die Ausbildung zum Schulbegleithund bei einer tiergestützten Therapeutin in Aachen gemacht. Jetzt kann Yuma zweimal in der Woche mit in den Unterricht kommen.“

Die Ausbildung hatte sich über acht Block-Tage hingezogen, an denen die Hundedame in der Praxis gelernt hatte, wie sie sich in der Begleitung zu verhalten habe. „Für mich war dann die Theorie gedacht“, erzählt Saskia Linzer. „Die Therapeutin macht solche Ausbildungen regelmäßig – und Yuma hat sehr gut darauf angesprochen. Sie scheint dafür prima geeignet zu sein.“

800 Euro kostete die Ausbildung, dafür wird jetzt Kuchen verkauft

An der Wand im Klassenzimmer hängt das Zertifikat, das bescheinigt, dass die Hündin im Unterricht dabei sein darf. „Yuma ist auch in anderen Klassen. Nur wenn ein Kind eine Allergie hat, ist sie in der Schulstunde eben im Sekretariat. Das kann sie auch wunderbar“, versichert ihre Halterin. An zwei Tagen in der Woche ist die Hündin mit ihrer Besitzerin im Unterricht.

Saskia Linzer hatte bei einer Freundin mitbekommen, dass die an einer Förderschule arbeite und ihren Hund für den Unterricht ausbilden ließ. „Es ist gar nicht mal so selten, dass es Hunde an Schulen gibt“, sagt die Lehrerin. „Die Ausbildung hat bei Yuma 800 Euro gekostet. Der Förderverein ist für die Finanzierung in Vorleistung getreten.“ Um das Geld zurückzuzahlen, werde derzeit in den Pausen immer wieder mittwochs von Eltern gespendeter Kuchen verkauft. „Das kommt natürlich bei den Kindern gut an“, sagt sie.

Der große Vorteil der Schulhündin habe sich schnell bemerkbar gemacht. „Die Kinder kommen viel freudiger in den Unterricht, da ist die Stimmung gleich viel besser.“ Zu sehr abgelenkt würden sie nicht. „Ich komme mit dem Stoff genauso gut durch, wie sonst auch“, betont Saskia Linzer. „Aber die Kinder sind sehr viel ruhiger, weil sie wissen, dass Hunde empfindlicher auf Lärm reagieren als Menschen.“ Daher sei es in den Klassen immer deutlich stiller, wenn Yuma mit dabei sei.

Die Lehrerin unterrichtet mehrere Klassen: „Ich möchte künftig eine AG anbieten, in der die Kinder so eine Art Hunde-Führerschein machen können.“ Auch ein Pausenangebot soll es geben, so dass die Kinder die Hündin außerhalb des Unterrichts erleben. „Yuma ist auch dabei, wenn ich Pausenaufsicht habe“, sagt Saskia Linzer. Im Oktober ist die Hündin mit ihrer Ausbildung fertig geworden, die Lehrerin selbst ist seit November 2021 an der Realschule tätig.

Die Kinder der 6d zeigen, was sie mit Yuma schon alles gemacht haben. Die Hündin zeigt auf Kommando Tricks, bellt einmal, stellt sich tot oder dreht sich im Kreis. Dann erschnüffelt sie Leckerchen, die die Kinder in der Hand versteckt haben. Die sind begeistert von der kurzen Unterbrechung. „Ich freu‘ mich sehr viel mehr auf den Unterricht“, sagt Erik (11). „Wir hatten in Mathe Bruchrechnen, Yuma hat uns das mit Leckerchen leichter gemacht – etwa indem sie die Hälfte oder ein Drittel bekommen hat“, ergänz Mats (12). „Es ist einfach schön, wenn sie da ist. Manchmal schreibe ich mit der einen Hand und streichle Yuma mit der anderen“, sagt Jocelyn (11).

Und Yuma? Die weiß genau, wann ihre Zeit vorbei ist und rollt sich auf einem bequemen Kissen unter dem Lehrertisch zusammen.

Hintergrund

Schulrecht: In Schulklassen kann ein Hund mit dabei sein, dann gilt er nach NRW-Schulgesetz als Lernmittel. Die Schulleitung kann die Teilnahme des Tieres zulassen.

Eignung: Der Hund muss eine Eignung nachweisen, etwa als Therapiebegleithund, um in Schulklassen mit dabei sein zu dürfen.

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