Seit 60 Jahren verheiratet

Winterhochzeit in Uniform

Irmgard und Otto Müller feiern am 28. Dezember ihre Diamantene Hochzeit.
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Irmgard und Otto Müller feiern am 28. Dezember ihre Diamantene Hochzeit.

Otto und Irmgard Müller sind heute 60 Jahre verheiratet.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Kurz nach den Weihnachtsfeiertagen 1962 standen Irmgard Scherkenbach und Otto Müller vor dem Standesbeamten im Hückeswagener Schloss. Für die Hochzeit bekam Otto Müller damals nur zwei Tage frei von der Bundeswehr. „Es war die Zeit der Kuba-Krise, und ich musste in Uniform heiraten, um überhaupt frei zu kriegen“, erinnert sich der 82-Jährige.

Wesentlich entspannter können die Hückeswagener nun ihre Diamantene Hochzeit nach 60 Jahren Ehe angehen. Eingeladen zu dieser Feier sind gut 40 Personen. „Wir sind eine große Familie“, sagt Irmgard Müller mit einem Lächeln auf den Lippen. Fünf Kinder, zehn Enkel und elf Urenkel sind aus der Verbindung zwischen der Hückeswagenerin und dem gelernten Maurer aus Greifenhagen in Pommern entstanden.

Kennengelernt hatten sich die Jubilare auf der Hochzeit von Irmgards älterer Schwester und dem Arbeitskollegen von Otto Müller, bei einem weiteren Treffen auf der Remscheider Kirmes funkte es schließlich. Schon bald kündigte sich Nachwuchs an, weshalb die Hückeswagenerin im Alter von 17 Jahren und mit dem Segen ihrer Mutter am 28. Dezember 1962 vor den Standesbeamten und am 11. April 1963 vor Pastor Gerhard Rottlaender in der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt trat.

„Nach der Hochzeit hat meine Schwiegermutter mir zuerst eine geknallt und mich anschließend in den Arm genommen“, berichtet Otto Müller lachend und fügt gleich hinzu: „Wir hatten ein gutes Verhältnis.“

Drei Söhne und zwei Töchter kamen zwischen 1963 und 1968 zur Welt. Während Irmgard Müller sich um den Haushalt und die Kinder kümmerte, verdiente ihr Ehemann den Lebensunterhalt als Kellner im Haus Kleineichen der Familie Schoppmann, wo er mehr als 35 Jahre bis zur Rente blieb. „Streit hatten wir nie, da wir uns so selten gesehen haben“, sagt der Jubilar mit einem Augenzwinkern. Durch die Arbeit an sechs Tagen die Woche, an Sonn- und Feiertagen und in den Abendstunden waren die Kinder meistens schon im Bett, wenn Otto Müller von der Arbeit nach Hause kam. Dennoch haben die Eheleute ihr Leben gemeistert. „Meine Frau hat immer alles im Griff gehabt“, versichert Otto Müller. „Und ich konnte mich immer auf ihn verlassen“, gibt die 77-Jährige das Kompliment zurück. Dass das Paar in Hückeswagen heimisch geworden ist, ist einem Zufall zu verdanken. Als Maurer hatte Otto Müller keine durchgehende Beschäftigung. „Wenn der Winter kam, wurde man entlassen. Dann bin ich mit meinem Arbeitskollegen, dessen Eltern in Marke wohnten, nach Hückeswagen gekommen und habe bei Sinter Metall, Giersiepen und Rafflenbeul gearbeitet“, erzählt der 82-Jährige. Mit dem Kellnern hatte er schon während der Bundeswehrzeit begonnen, unter anderem im Ausflugslokal „Zur Zornigen Ameise“ und im ehemaligen „Alt Hückeswagen“.

Nach der Hochzeit zog das junge Paar in den ausgebauten Speicher von Irmgard Müllers Elternhaus. Von 1963 bis 1967 lebte die Familie in Radevormwald, bevor sie zurück in die Schloss-Stadt an die August-Lüttgenau-Straße zog. 1978 kauften Irmgard und Otto Müller das Elternhaus an der Beethovenstraße, wo sie heute zusammen mit Irmgard Müllers pflegebedürftigem Bruder wohnen, um den sie sich kümmern.

Der große Garten war ein Glücksfall für die siebenköpfige Familie, die sich in jungen Jahren keine großen Urlaube leisten konnte. Noch heute wird der Garten gepflegt. Zeit für weitere Hobbys blieb kaum, bis auf die Kegelclubs, denen Otto Müller angehörte.

Für die Weihnachtszeit hat das Diamanthochzeitspaar das Haus aufwendig geschmückt. Auf den Treppenstufen stehen zahlreiche Weihnachtsfiguren, im Wohnzimmer sind ein großer Weihnachtsbaum und eine Krippe aufgebaut, die Kommode ist mit einem Weihnachtsdorf bedeckt, und auch die Fenster sind mit Bildern und Lichterketten geschmückt. „Der Baum ist dieses Mal eine Nummer kleiner, damit wir mehr Platz für die Gäste haben“, berichtet Otto Müller. Für die Zukunft wünscht sich das Hückeswagener Jubelpaar Frieden auf der Welt sowie gesund zu werden und zu bleiben. Und sehr gerne würden Irmgard und Otto Müller noch einmal in Urlaub fahren. „Am liebsten nach Griechenland, da hat es uns gut gefallen“, sagen sie übereinstimmend. Zunächst steht aber die Feier zum 60. Hochzeitstag an – natürlich im Haus Kleineichen, der langjährigen Arbeitsstätte des Jubilars.

Kubakrise 1962

Bedrohung: Ende Oktober 1962 stand die Welt am Rande der Vernichtung, als die Sowjetunion Atomraketen auf der Karibikinsel Kuba stationierten und damit unmittelbar vor der „Haustür“ der USA. Es war die gefährlichste Bedrohung des Weltfriedens seit 1945.

Ansprache: Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer bat das deutsche Volk, Ruhe zu bewahren.

Hamsterkäufe: Kunden kauften die Lebensmittelgeschäfte fast leer. Vor allem Zucker, Mehl und Öl sowie haltbare Nahrung fanden reißenden Absatz.

Kautabletten: In Drogerien und Apotheken nahm der Verkauf von Verbandskästen und Brandsalben zu. Gekauft wurden auch Kalktabletten, die laut eines Gerüchts vor der radioaktiven Strahlung schützen sollten.

Ausgang: Letztendlich gab der Westen der Drohung aus Moskau nicht nach: Die UdSSR zog die Atomraketen wieder ab, die USA verzichteten auf eine Invasion Kubas. 13 Tage dauerte die Kuba-Krise.

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