Werden Kirchen im Winter geheizt?

Blick in das Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Marien in Radevormwald. Den Empfehlungen des Erzbistums möchten die Verantwortlichen nicht folgen – im Bergischen ist das Klima zu kühl.
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Blick in das Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Marien in Radevormwald. Den Empfehlungen des Erzbistums möchten die Verantwortlichen nicht folgen – im Bergischen ist das Klima zu kühl.

Das Erzbistum Köln hat Pfarreien empfohlen, die Heizungen in den Gotteshäusern abzuschalten.

Von Stefan Gilsbach

Radevormwald. „Bleiben Hückeswagener Kirchen jetzt kalt?“ – so lautete vor zwei Jahren eine Schlagzeile. Damals allerdings war die jetzige Energiekrise noch nicht in Sicht. Der Grund war damals die Corona-Pandemie: Eine ausreichende Frischluftzufuhr ist auch in großen Räumen nötig, um die Verbreitung des Virus durch Aerosole zu verhindern. Auch die Luftfeuchtigkeit spielt dabei eine Rolle, sollte zwischen 50 und 60 Prozent liegen. Nun, zwei Jahre später, machen sich die Verantwortlichen der Seelsorgergemeinschaft Radevormwald-Hückeswagen erneut Gedanken über die Temperatur bei den Gottesdiensten, allerdings unter anderen Vorzeichen. Energiesparen ist das Gebot der Stunde, aus Gründen, die jeder täglich in den Nachrichten verfolgen kann. Und so hat das Erzbistum Köln Anfang September in einem Rundschreiben an die Pfarrgemeinden empfohlen, die Kirchengebäude im Winter nicht zu heizen.

„Es ist uns klar, dass Gottesdienste und Veranstaltungen in den Kirchen dadurch weniger komfortabel sein werden, manche Formate vielleicht nicht mehr möglich sind und es auch Nutzerkreise geben wird, die ggf. dadurch vom Besuch der Kirchen abgehalten werden“, heißt es in dem Schreiben. Dennoch leisteten die Pfarreien auf diese Weise einen Beitrag zum Sparen von Energie und zum Klimaschutz.

Mit einer eiskalten Heizung müssen die Besucher der Pfarrkirche St. Marien in Radevormwald aber nicht rechnen. „Wir werden den Empfehlungen des Erzbistums in diesem Punkt nicht folgen“, sagt Henry Wuttke, Verwaltungsleiter der Pfarreiengemeinschaft. „Wir haben hier im Oberbergischen Kreis nun einmal ein anderes Klima als in Köln. Nicht nur kühler, sondern auch feuchter.“ Und die Luftfeuchtigkeit könne für die Kirchengebäude zu einem Problem werden, wenn dadurch Schimmel entstehe. Daher haben sich die Verantwortlichen entschlossen, die Heizung auch im Winter moderat laufen zu lassen.

„Geplant ist es, die Temperatur bei fünf bis acht Grad zu halten“, berichtet Wuttke. Zu den Sonntagsgottesdiensten wird die Heizung nicht hochgefahren, denn solche Temperatursprünge schädigen die Orgel und andere Stücke der Einrichtung. Was die Werktagsmessen in der Kirche St. Marien angeht, so überlege man, sie in die Krypta des Gotteshauses zu verlegen. „Dort befindet sich eine Elektro-Heizung.“

Das Erzbistum hat zum Energiesparen einen Leitfaden veröffentlicht, in dem detailliert aufgeführt wird, welche Temperaturen und Grade an Luftfeuchtigkeit für die Bausubstanz der Kirchen gefährlich werden können. Auch ein rasches Aufheizen des Kirchenraums, so wohlig es für die Gläubigen sein mag, kann ärgerliche Folgen haben, weil beispielsweise die temperaturempfindlichen Orgeln darunter leiden könnten.

„Wir werden in der nächsten Presbyteriumssitzung Anfang Oktober über dieses Thema reden“, kündigt Manuela Melzer, Pfarrerin der Lutherischen Kirchengemeinde Radevormwald, an. Bislang war man davon ausgegangen, in Winter moderat zu heizen. Problematisch sei es erfahrungsgemäß, die Gotteshäuser abzukühlen und lassen und dann wieder hoch zu heizen, dies begünstige Gebäudeschäden.

Eine Sorge, die auch Pfarrer Dr. Dieter Jeschke von der reformierten Kirchengemeinde umtreibt. „Wir werden konstant eine Temperatur von 16 Grad in der Kirche am Markt halten“, erklärt er. „Wir haben eine historische Orgel mit Holzpfeifen, und wenn die Luftfeuchtigkeit nicht stimmt, dann können wir das Instrument nach dem Winter verschrotten.“ Energie sparen wird die reformierte Gemeinde in diesem Winter vor allem im Dietrich-Bonhoeffer-Haus: „Wir werden die obere Etage nicht heizen und regelmäßig Veranstaltungen in die Kirche verlegen“, kündigt der Pfarrer an.

Die evangelische Kirchengemeinde Remlingrade-Dahlerau ist bereits seit geraumer Zeit dazu übergegangen, in der kalten Jahreszeit die Gottesdienste in der Dorfkirche in Remlingrade zu veranstalten, wo dann moderat geheizt wird. „Die Kirche in Keilbeck hat eine Heizung, die nicht praktikabel ist, eine elektrische Fußbodenheizung“, sagt Thorsten Kleinschmidt, Vorsitzender des Presbyteriums. Wenn Ende des Jahres das Bürgerzentrum am Siedlungsweg fertig sei, könne auch dieses von der Gemeinde genutzt werden.

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