Partnerstadt

Von Étaples in die Nationalversammlung

Viele Hückeswagener kennen Philippe Fait als Bürgermeister der Partnerstadt Étaples. Seit Anfang der Woche ist der 53-Jährige Mitglied der französischen Nationalversammlung.
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Viele Hückeswagener kennen Philippe Fait als Bürgermeister der Partnerstadt Étaples. Seit Anfang der Woche ist der 53-Jährige Mitglied der französischen Nationalversammlung.

Hückeswagens Partnerstadt braucht einen neuen Bürgermeister

Von Axel Bornkessel

Etaples/ Hückeswagen. m vergangenen Montag bezog Philippe Fait, bis dato Bürgermeister von Hückeswagens Partnerstadt Étaples-sur-Mer, sein neues Büro in Paris. Er ist nun fünf Jahre lang Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und vertritt einen Wahlkreis im Departement Nord/Pas-de-Calais. Auch in einem zweiten Wahldurchgang ging er, der Kandidat der Macron-Partei „Ensemble!“, als Sieger hervor. Für den 53-Jährigen, seit 2008 Ratsmitglied und ab 2014 Bürgermeister der nordfranzösischen Stadt am Ärmelkanal, ist das ein beachtlicher Karrieresprung.

Der vierte Wahlkreis im nördlichen Frankreich, bislang unter Führung der konservativen Republikaner, wurde nun von der Präsidentenpartei übernommen, und sein Eroberer ist Philippe Fait. Bei der Stichwahl am 19. Juni vereinte er 56,4 Prozent der Stimmen auf sich, über 5000 Stimmen mehr als seine Konkurrentin Françoise Vanpeene der rechten Partei Rassemblement National, die es auf 43,6 Prozent brachte. Regional gesehen ist das ein schöner Erfolg für Fait und die Macronisten. Und erleichternd ist diese Nachricht wegen einer moderaten Einhegung des Rassemblement National von Marine le Pen.

Anzahl der Nichtwähler ist weiter gestiegen

Ein bitteres Ergebnis aber stellt die Wahl zur Nationalversammlung in Sachen Demokratie dar: Von zwei Wahlberechtigten hat in Frankreichs Norden nur einer seine Stimme abgegeben. Das gilt auch für den neuen Abgeordneten Philippe Fait: Nur etwas über die Hälfte der Wahlgänger in seiner Region ging zur Urne. Seit langem wird diese Abstinenz landesweit als Alarmzeichen betrachtet, denn die Anzahl der Nichtwähler ist nach dem Schock von 2017, als sich diese Entwicklung massiv bemerkbar machte, jetzt noch gestiegen.

Schon im ersten Durchgang am 12. Juni hatte Philippe Fait die Mehrheit der Stimmen auf seine Person vereinen können. Die engagierten Wähler im Pas-de-Calais kürten ihn, der sich erst vor kurzem als Parteigänger Macrons dem Präsidenten-Bündnis „Ensemble!“ angeschlossen hatte, mit 29,8 Prozent.

Während Konservative und die linke Liste in beiden Wahlgängen unter der 20-Prozent-Marke blieben, erwuchs dem Polit-Profi Fait schon beim ersten Wahlgang mit 23,42 Prozent eine bis dato unbekannte Konkurrentin: Françoise Vanpeene, im Tourismus tätig als Reiseführerin, die, wie sie sagt, sich bislang noch nicht allzu viel mit Politik beschäftigt hat.

Der alerte, sympathische Wahlsieger gab sich Mitte Juni zufrieden, hatte er vor allem im mondänen Seebad Le Touquet-Paris-Plage, dem Wohnort von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, viel Unterstützung gefunden.

Fait zeigte sich aber auch etwas irritiert, dass eine Françoise Vanpeene ohne allzu viele Unterstützer und Wahlkampf es auf eine so hohe Zustimmung gebracht hatte. Das war vor allem im landwirtschaftlich geprägten Hinterland der Fall, wo man sie ganz vorbehaltlos als jemand aus den eigenen Kreisen unterstützt hatte. Vanpeene hatte sich für Naturschutz, etwa gegen die Einrichtung von Windparks, und weniger für ein schärferes Vorgehen gegen Migranten erklärt, was den Rechten in der Region üblicherweise viel Beifall einbringt.

Fait hat nun seinen Sitz im schönen Rathaus von Étaples-sur-Mer gegen ein schlichtes Abgeordnetenbüro in Paris getauscht. Zur Stunde ist unklar, wer Ende August an der Spitze einer Delegation zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach Hückeswagen reisen wird. Der Rat der Partnerstadt muss nun beschließen, wer künftig Chef jener Mannschaft sein wird, mit der ihr Bürgermeister in den vergangenen sieben Jahren die Stadt an der Canche vorangebracht hat.

Hintergrund

Schwerpunkte: Mit einer Abgeordneten-Entschädigung von monatlich 5700 Euro und einem Budget von 11 000 Euro für die Assistenz von Mitarbeitern will Philippe Fait in Paris eigene Marken setzen. „Meine Wähler sind hier, nicht in Paris“, bekundete der gebürtige Etapler und setzt damit Prioritäten in seiner künftigen Ausschusstätigkeit – dazu gehören in erster Linie die Themen Fischerei und Landwirtschaft.

Soziales: Der ehemalige Bürgermeister von Etaples möchte sich dafür einsetzen, dass Menschen in hohem Alter noch selbstständig sind und möglichst gemeinsam mit jungen Menschen einen Haushalt teilen.

Nationalversammlung: 577 Abgeordnete bilden die französische Nationalversammlung. Sie sind für fünf Jahre gewählt und beraten und verabschieden Gesetze, kontrollieren und evaluieren die Politik der Regierung. Daneben gibt es noch eine zweite Kammer, den Senat. Wenn beide sich über ein Gesetz nicht einigen können, hat die Nationalversammlung das letzte Wort. Sie allein besitzt das Recht, der Regierung das Misstrauen auszusprechen und ihren Rücktritt zu fordern. Gleichzeitig kann der Staatspräsident das Parlament auflösen.

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