Stressige Zeiten

Weihnachtszeit: Viele Einzelhändler zeigen sich optimistisch

Bei Christoph Winkler brummt das Geschäft. Er muss ständig Ware nachbestellen, so gut frequentiert ist sein Geschäft.
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Bei Christoph Winkler brummt das Geschäft. Er muss ständig Ware nachbestellen, so gut frequentiert ist sein Geschäft.

Umsatzstarke Vorweihnachtszeit als Konjunktur- und Stimmungsbarometer.

Von Jakub Drogowski


Hückeswagen. Parfümerie Flohr In der Parfümerie Flohr ist man gewappnet. Mitarbeiterin Heike Ussia erinnert sich mit Ungemach an die vier Wochen Zwangsschließung, die in der Woche vor Weihnachten 2020 eingeleitet wurden. „Das war damals schon sehr stressig. Vor den Schließungen waren wir teilweise bis 21 Uhr hier. Bis Heiligabend haben wir Türverkauf gemacht.“ An eine gelassene Vorweihnachts- und Einkaufsatmosphäre sei damals nicht zu denken gewesen. „Letztes Jahr lief das Geschäft schon wieder ganz gut, und dieses Mal fallen ja auch die Einlasskontrollen und Beschränkungen weg“, sagt Ussia. Zwar seien die Leute sparsamer geworden, in der Hückeswagener Flohr-Filiale sei man jedoch optimistisch. „Wir sind gut aufgestellt für die Vorweihnachtswochen, und unser Geschäft ist prädestiniert für Geschenke auf den letzten Drücker.“ Die Parfümerie am Wilhelmplatz ist bereits vorweihnachtlich geschmückt und bietet geschmackvoll verpackte Geschenke an. „Da sind sehr schöne Präsente der Hersteller zu den Düften beigelegt“, sagt die Verkäuferin.

Spielzeug Heinhaus: „Kinderaugen möchte man glänzen sehen“, betont Uwe Heinhaus. Sein Spielwarenladen an der Bahnhofstraße bietet für die Adventszeit zahlreiche Aktionen und ein erweitertes Sortiment. Ein Weihnachtskatalog liegt wie jedes Jahr bereit. „Dort ist sehr viel drin. Spiele, Puzzle, Lego und alles Mögliche. Da bald die Zeit der Einschulungen für 2023 beginnt, haben wir auf der Rückseite zusätzlich Hinweise auf unsere neuen Tornister“, sagt Heinhaus. Auch auf dem Weihnachtsmarkt sei man wieder vertreten. Der Spielwarenhändler, der in auch in Hoch-Zeiten der Pandemie alle Mitarbeiter halten konnte, sei nicht bereit, „in den Chor derer einzustimmen, die nur jammern“. In seiner langen Zeit als Einzelhändler habe er schon viele gute und ebenso schlechte Jahre erlebt. Er sei zuversichtlich: „Wir haben uns gut mit Ware bevorratet und gehen von einem guten Weihnachtsgeschäft aus. Trotz aller Unkenrufe.“ Abstriche seien aufgrund der gestiegenen Energiekosten zwar zu machen, aber „gäbe es nicht den Krieg in der Ukraine, wäre es endlich wieder eine halbwegs normale Vorweihnachtszeit“. Generell seien die Kunden jedoch sparsamer als vor den Krisenzeiten. „Es wird auch gezielter eingekauft und viel öfter auf unsere preisgünstigeren Angebote zurückgegriffen als früher“, sagt Heinhaus.

Winklers Bekleidung: Christoph Winkler freut sich über regen Kundenandrang. „Das Geschäft läuft gut, es brummt geradezu. Wir haben viel zu tun und müssen ständig nachbestellen“, berichtet der Inhaber. Von Zurückhaltung aufgrund der anhaltenden Krisen habe Winkler bei seinen Kunden kaum etwas bemerkt. „Ich denke, die Leute haben ein Bedürfnis, vieles nachzuholen. Es werden Feste, Hochzeiten gefeiert. Unsere Kunden wollen sich gut anziehen, jetzt natürlich auch für Weihnachten. Da sind die hier richtig“, sagt er.

Mode Sessinghaus: Auch Dirk Sessinghaus hofft darauf, dass sich die Hückeswagener für den Einkauf qualitativer Kleidungsware bei ihrem lokalen Einzelhändler entscheiden, statt für Weihnachtsgeschenke „in die großen Städte zu fahren und Geld für Benzin und Parken auszugeben“. Die Treue seine Kunden will der Inhaber mit einer rabattreichen Weihnachtsaktion belohnen. Einen Nachteil für die Händler sieht Sessinghaus darin, dass der Weihnachtsmarkt vor dem Schloss stattfinden soll. „Die Atmosphäre ist schön, keine Frage. Aber generell gehört ein Weihnachtsmarkt in die Innenstadt. Nicht zuletzt, um den Handel zu stärken“, findet Sessinghaus.

Bernd Lammert: Mit einem Dreivierteljahr Vorlaufzeit plant Bernd Lammert die Vorweihnachtszeit. „Wir haben uns im Frühjahr dazu hinreißen lassen, groß für die Zeit jetzt einzukaufen. Da ahnten wir noch nichts von der Energiekrise“, sagt der Geschäftsführer. Die Ware liege nun bereit für die Kunden, die „jetzt langsam anfangen, bei uns gezielt Geschenke einzukaufen“. Zwar haben einige seiner Lieferanten empfindliche Preissteigerungen erhoben, diese wolle der Augenoptikermeister aber soweit es geht nicht an seine Kunden weitergeben. Sein seit 1933 bestehender, nun weihnachtlich geschmückter Laden habe sogar einige lohnende Angebote, die sich gut unterm Weihnachtsbaum machen würden. „Wir haben einige schöne Sets zusammengestellt, wie Ketten mit Ohrringen. Beim Kauf gibt es dann pauschal zehn Prozent Ermäßigung“, sagt Lammert. „Eine Umfrage unserer Verbände und Großhändler hat ergeben, dass unsere Branche mit Umsatzeinbußen von 25 bis 30 Prozent rechnen muss im Vergleich zum Vorjahr“, erklärt Lammert.

Ritas Weinlädchen: „Man merkt, dass die Leute verhalten einkaufen zurzeit. Gas, Strom, höhere Preise und so weiter. Das aktuelle Weltgeschehen geht an niemandem spurlos vorbei“, betont Rita Schuldner-Lapp. Dennoch will die Weinhändlerin mit gemütlicher Festdekoration und geschmackvoll verpackten Geschenkideen „für ein Stück weit Normalität zur Weihnachtszeit“ sorgen. Durch die Zeit der Corona-Schließungen sei man gut gekommen. „Wein und Spirituosen wurden zur Grundversorgung gezählt. Unsere Corona-Hilfen haben wir komplett zurücküberwiesen“, sagt Schuldner-Lapp. „Die Restaurants hatten geschlossen, und Leute haben sich zu Hause ein Glas Rotwein gegönnt. Damals sind wir gut durchgekommen, jetzt spüren wir die Krise.“ Dennoch behält sich auch Rita Schuldner-Lapp einen leisen Optimismus vor: „Wir werden die Hoffnung auf eine gute Zeit nicht aufgeben.“

Stilmix: Im Geschenkartikel-Laden ist man auf Optimismus nicht einmal angewiesen. „Mir kommen unsere Kunden gar nicht sparsam vor. Sie kaufen überhaupt nicht verhalten ein. Alle wären geschockt, dass schon Advent ist“, sagt Sabine Schlickowey. Angesichts des Hochbetriebes habe man bereits weitere Weihnachtsware aus dem Lager holen müssen. Seit diesem Samstag gebe es traditionell Weihnachtsmusik und Glühwein vor dem Laden. „Unter unseren Kunden herrscht weitestgehend gute Stimmung. Ich hoffe, dass es so bleibt“, sagt Schlickowey.

Bergische Buchhandlung: Filialleiterin Karla Stawicki kann sich über eine treue Kundschaft freuen. „Der Verkauf zieht langsam an. Besonders Eltern geben noch gerne etwas mehr aus für ihre Kinder“, sagt sie. Weihnachtsaktionen wie Adventskalender mit lokalen Motiven oder gemütliche Vorlesestunden für Kinder werden gerne angenommen. „Die Leute kommen gezielt zu uns, und wir freuen uns, wenn wir unseren Kunden etwas Gutes tun können.“ Auf eine dauerhafte Außenbeleuchtung werde aus Rücksicht auf die Krise jedoch weitestgehend verzichtet.

Blumenhandel Heinz Gerd Koch: „Das Geld sitzt nicht mehr so locker wie früher“, sagt Heinz Gerd Koch. Eine gute, umsatzstarke Weihnachtszeit erwarte er dennoch. Schließlich seien Gestecke und schöne Adventskränze immer nachgefragt. Sein Fachgeschäft hat der Florist bereits geschmückt und erwartet eine weitere Stoßzeit „in den drei, vier Tagen vor Weihnachten“.

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