26. September

Theaterstück will kindlichen Teil des Herzens erreichen

Martin Kurtz schlüpft auf der Bühne in die Rolle des Pastors Ted Ruland im Theaterstück „Des Himmels General“, der nach einem Unfall den geistigen Stand eines Kindes hat.
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Martin Kurtz schlüpft auf der Bühne in die Rolle des Pastors Ted Ruland im Theaterstück „Des Himmels General“, der nach einem Unfall den geistigen Stand eines Kindes hat.

„Des Himmels General“ wird in Scheideweg aufgeführt. Der Hückeswagener Martin Kurtz übernimmt eine Hauptrolle.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Mit zerzausten Haaren, Indianerfeder auf dem Kopf und schiefgeknöpftem Hemd sitzt Martin Kurtz auf dem Kuhfellhocker, starrt in den Himmel und beobachtet die Adler. Der Hückeswagener spielt derzeit eine der beiden Hauptrollen in dem Theaterstück „Des Himmels General“ von Ewald Landgraf.

Dabei versetzt er sich in die Rolle des Pastors Ted Ruland, dessen Markenzeichen klare und direkte Worte sind. Doch nach einem schweren Unfall mit Kopfverletzungen und Gedächtnisverlust ist er geistig auf dem Stand eines Kindes. Der „neue“ Ted denkt gar nicht daran, wieder zum „General“ zu werden, wie man den Pastor vor seinem Unfall nannte. Er liest lieber begeistert die Bibel oder Indianer-Comics und beobachtet mit Vorliebe Adler. Aufgeführt wird das Stück in verschiedenen Evangelischen Gemeinden und Landeskirchen, aus denen auch die Laien-Schauspieler stammen.

Am Montag, 26. September, hat Martin Kurtz ein Heimspiel. Denn dann steht er bei der Evangelischen Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG) Scheideweg auf der Bühne. In die Rolle ist der 53-Jährige schon mehrfach geschlüpft, und auch die Dialoge sitzen. „Den Text für die Rolle hatte ich schon 2020 auswendig gelernt, doch aufgrund der Corona-Pandemie war es nicht mehr zur Aufführung des Stücks gekommen“, berichtet Martin Kurtz. Stattdessen hatte Autor und Projektleiter Ewald Landgraf das Stück „Im Nebel so nah“ pandemiegerecht mit viel Abstand auf der Bühne und wenigen Rollen umgeschrieben, welches dann in sehr kurzer Zeit gelernt und alternativ aufgeführt wurde.

Martin Kurtz machte seine erste Bühnenerfahrung bereits als Sechsjähriger, als er zum Jubiläum seiner Grundschule vor den Gästen in der brechend vollen Mehrzweckhalle einen Satz sagen musste, den er bis heute nicht vergessen hat: „Was uns die Chronik berichtet.“ Martin Kurtz lacht: „Das war als Kind damals echt schwierig.“ Die Karriere als Sprecher und Schauspieler setzte sich auf Familienfeiern und bei Festen und gemütlichen Abenden in der Gemeinde fort. Seit 2017 wirkt er beim „Theater zum Einsteigen“ (TZE-Theater) mit und hat schon in Stücken wie „Luther“, „47 Tage Paradies“ und „Im Nebel so nah“ mitgewirkt.

Die Arbeit des TZE-Theaters basiert auf den Grundsätzen der Evangelischen Allianz - die aufgeführten Stücke haben somit immer auch eine religiöse Botschaft. So auch das aktuelle Stück: „Das Theaterstück will den kindlichen Teil unseres Herzens mobilisieren, der allzu leicht dem Ernst des Lebens zum Opfer fallen kann. Es will verschüttete Sehnsüchte ans Licht bringen und die Möglichkeit geben, Frieden zu finden,“, heißt es in der Ankündigung. Das Drama enthalte sowohl ergreifende Passagen als auch komödiantische Momente. Der christliche Gedanke hinter den abendfüllenden Aufführungen ist Martin Kurtz besonders wichtig. „Ich spiele Theater, um die gute Nachricht in die Welt zu tragen“, nennt der 53-Jährige seine Hauptintension.

Ein wenig Lampenfieber gehöre bei jeder Aufführung dazu, um wirklich voll dabei und konzentriert zu sein. Kleine Texthänger kann eine gute Laienspielgruppe meistens geschickt überspielen. „Man hilft sich dann gegenseitig“, sagt Martin Kurtz und fügt hinzu: „Theaterspielen ist wie eine Achterbahnfahrt: Man kann nicht unterwegs aussteigen.“ Am zeitaufwendigsten ist die Lernphase nach der Rollenverteilung.

Die Texte lernen die Schauspieler zu Hause anhand von Tonaufnahmen und Lückentexten. „Acht Wochen vor der ersten Aufführung treffen wir uns zu den Proben, dann sollte der Text sitzen“, berichtet Martin Kurtz. Bei den Proben vor Ort geht es darum, die Sprechtexte mit den Regieanweisungen wie Gestik, Mimik und die Wege auf der Bühne, als auch die Licht- und Tontechnik in Einklang zu bringen. Dem Hückeswagener macht das Bühnenspiel viel Spaß.

„Ich war 20 Jahre im Außendienst tätig, da fehlte mir die Zeit“, sagt der Service-Techniker eines Maschinenbauunternehmens, der in seiner Freizeit auch gerne Laufen geht und Fahrrad fährt. Seit sieben Jahren hat er dank einer internen Stelle wieder die Zeit für abendliche Proben und Aufführungen. „Ich finde es erstrebenswert, mitzumachen. Einmal im Jahr muss so ein Projekt sein.“

Das Textlernen lohnt sich für den Hauptdarsteller diesmal besonders, da er die Rolle des „Generals“ gleich in zwei verschiedenen Ensembles übernimmt. In der vorigen Woche stand er fünf Mal in der Region Wuppertal/Remscheid auf der Bühne, unter anderem in der Freien evangelischen Gemeinde Remscheid-Lennep (Hasenberg). Die Tournee mit dem achtköpfigen Siegburg-Bonn-Ensemble, das auch Station in Hückeswagen macht, begann am gestrigen Donnerstag mit den Generalproben, bei denen auch Projektleiter Ewald Landgraf mit dabei sein wird.

Der Eintritt zu den Aufführungen des TZE-Theaters ist frei, Spenden sind erwünscht. „Jeder Besucher kann im Anschluss selbst bemessen, wie es ihm gefallen hat und was ihm der Abend wert war“, sagt Martin Kurtz.

Aufführungstermine in der Region

Siegburg: Samstag, 24. September, Familienkirche Siegburg, Bonner Straße 33, 19.30 Uhr

Troisdorf: Sonntag, 25. September, Christus Centrum, Fröbelstraße 3, 19.30 Uhr

Hückeswagen: Montag, 26. September, LGK Scheideweg, Scheideweg 28, 19.30 Uhr

Bonn: Dienstag, 27. September, Kirche für Bonn, Christian-Lassen-Straße 9, 19.30 Uhr

Wermelskirchen: Mittwoch, 28. September, EFG Dabringhausen (GZD), Auf der Hufuhr, 19.30 Uhr; www.dietheaterbar.de

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