Internet

Telekom nutzt das Breitband-Netz der BEW

Durch diese Leerrohre werden später die Glasfaserkabel geblasen.
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Ziehen beim schnellen Internet für Hückeswagen und Wipperfürth an einem Strang: Thilo Höllen (l.), Senior Vice President Breitbandkooperationen bei der Telekom, und BEW-Geschäftsführer Jens Langner.

Telekommunikationsunternehmen und Energieversorger arbeiten beim schnellen Internet eng zusammen

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Gut 180 Haushalte in den Außenortschaften der Schloss- und der Hansestadt sind bereits an das schnelle Internet angeschlossen, etwa das Doppelte befindet sich noch in der „Warteschleife“: Sie haben zwar schon einen Vertrag für die Breitbandnutzung mit der BEW unterschrieben, müssen aber noch die Wartefristen mit ihren aktuellen Anbietern einhalten, ehe sie wechseln können. Sollten sie Kunden der Telekom oder deren sogenannten Wholesale-Partnern wie Telefonica (O2) oder Vodafone sein, wären sie zum neuen Jahr fein heraus, können sie doch einfach ihren bisherigen Vertrag auf Breitband-Konditionen umändern. Denn Telekom und BEW kooperieren, wie Thilo Höllen, Senior Vice President Breitbandkooperationen bei der Telekom, und BEW-Geschäftsführer Jens Langner am Donnerstag mitteilten. Daneben gibt es weiterhin den ursprünglichen Kooperationspartner der BEW: die Westenergie (vormals Innogy).

„Das ist eine sehr gute Nachricht für die Region“, meinte Langner. Hätten die Kunden künftig doch deutlich mehr Wahlmöglichkeiten und eine höhere Produktvielfalt. „Wir freuen uns, dass möglichst viele Partner unsere Glasfaser-Infrastruktur nutzen werden“, fuhr er fort. Das Prozedere ist einfach: Mit der BEW teilt sich die Telekom das Netz, wie Höllen erläuterte, mit ihren Partnern das Licht. Das bedeutet, dass sie die Daten über die Glasfaserkabel schicken und dafür das Netz vom Energieversorger mieten. Die Telekom wird damit sozusagen zum zweiten Netzbetreiber. Langner: „Dies ist ein in der Branche neuartiger Kooperationsansatz, der den Kerngedanken des sogenannten Open Access Prinzips erfüllt: freier Netzzugang zu fairen, marktüblichen Konditionen.“

Dass BEW und Telekom kooperieren, ist allerdings nichts Neues. So arbeiteten sie bereits vor einigen Jahren in der Wipperfürther Außenortschaft Schnipperinger Mühle nahe der Stadtgrenze zu Marienheide zusammen, die als Pilotgebiet für den Breitband-Ausbau in den Außenbezirken auserkoren worden war. Dabei seien einige wichtige Erfahrungen für den späteren Ausbau in Hückeswagen und Wipperfürth gemacht worden, ließ Langner durchblicken. Auch in einigen Neubaugebieten fungierten BEW und Telekom bereits als Partner.

„Die Breitband- Nutzung ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen.“

Thilo Höllen, Senior Vice President Breitbandkooperationen bei der Telekom

Kerngeschäft des Energieversorgers, an dem die Stadt Hückeswagen mit 25,5 Prozent beteiligt ist, sind Gas, Wasser und Strom. 2016 kam mit dem Breitband ein viertes Standbein hinzu. Denn die Geschäftsführung hatte festgestellt, dass der Bedarf an schnellem Internet beständig steigt. „Vor allem im ländlichen Bereich“, betonte Langner. Die Städte Hückeswagen und Wipperfürth hätten dann eine gute Entscheidung getroffen, sich um Fördermittel zu bewerben.

Durch diese Leerrohre werden später die Glasfaserkabel geblasen.

Bei der Telekom hat dagegen innerhalb weniger Jahre ein Umdenken eingesetzt: War ihr 2017 der Breitband-Ausbau auf dem Land noch zu teuer, hat sie inzwischen auch dort ein lohnendes Geschäftsfeld für sich entdeckt. Nicht zuletzt, weil die Corona-Lockdowns für eine massive Zunahme der Internetnutzung gesorgt hatte – beim Homeoffice, beim Homeschooling, bei den Videokonferenzen und beim Streamen von Serien und Filmen. „Die Breitband-Nutzung ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen“, hat Höllen erkannt. Auch und gerade im ländlichen Bereich ist der Bedarf nach höheren Geschwindigkeiten beim Surfen offensichtlich geworden.

Die Telekom fährt beim Breitband-Ausbau dreigleisig, wie der Senior Vice President erläuterte: „Wir bauen die Trassen selbst, wir nutzen vorhandene Fördermittel – und wir kooperieren.“ Daher nutzt sie nun in Hückeswagen und Wipperfürth das neue Netz der BEW. „Wir brauchen hier nicht noch eine zweite Infrastruktur“, stellte Höllen klar. Allerdings muss die Telekom in den nächsten Wochen noch die notwendige, aktive Technik in beiden Städten aufbauen, damit ihre Breitband-Angebote und die ihrer Partner dann ab Anfang 2022 auch tatsächlich von den Kunden abgerufen werden können.

Die Arbeiten am Glasfasernetz in Hückeswagen sind derweil weit fortgeschritten, so ist der Tiefbau je nach Abschnitt zu 80 und 100 Prozent abgeschlossen. Beim Einblasen der Glasfaserkabel liegt die Schloss-Stadt aber noch hinter der Hansestadt (von dort wurde mit dem Ausbau der Trassen begonnen). Sind diese Arbeiten im Bereich Altenholte/Niederburghof / Vogelsholl bereits komplett abgeschlossen, hat sich im Westen und Norden Hückeswagens dahingehend noch gar nichts getan. Jens Langner ist sich allerdings sicher, dass bis zum Frühjahr jeder, der das schnelle Internet haben will, auch ans Glasfasernetz angeschlossen sein wird.

Förderung von Bund und Land

Untersuchung: Bei einer Markterkundung für Hückeswagen und Wipperfürth wurde festgestellt, dass zahlreiche Haushalte über eine Breitband-Verfügbarkeit von weniger als 30 Megabit pro Sekunde verfügen.

Förderung: Beide Kommunen beantragten beim Bund und beim Land Fördermittel für den Breitband-Ausbau in den Außenbereichen, die sie in Höhe von 20,4 Millionen erhielten.

Zuschlag: Nach der europaweiten Ausschreibung erhielt der regionale Energieversorger BEW 2019 den Zuschlag für den Glasfaserausbau. Erster Spatenstich war am 21. November des gleichen Jahres in Altenholte, unter anderem mit Landeswirtschaftsminister Dr. Andreas Pinkwart.

Fertigstellung: Bis spätestens Mitte 2022 sollen alle Kunden in den Außenbereichen von Hückeswagen und Wipperfürth an das Glasfasernetz angeschlossen sein.

Statistik: Um die rund 3000 Haushalte zu versorgen, werden 270 Kilometer Leitungstrassen angelegt, 440 Kilometer Leerrohre und 1300 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt.

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