Theater

„Tatort“ auf die Schippe genommen

Wenn die Leiche partout nicht liegenbleiben will – bei der „Tatort“-Parodie des THG wurden Krimi-Klischees durch den Kakao gezogen.
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Wenn die Leiche partout nicht liegenbleiben will – bei der „Tatort“-Parodie des THG wurden Krimi-Klischees durch den Kakao gezogen.

Der Literaturkursus des THG brachte ein humorvolles Theaterstück auf die Bühne der Aula.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald. Was darf am Sonntagabend um 20.15 Uhr in vielen deutschen Haushalten nicht fehlen? Natürlich, der „Tatort“. Die Serie ist ein wichtiger popkultureller Beitrag – der es auch gerne mal als Persiflage etwa auf die Theaterbühne schafft.

Wie im Theaterstück „Tatort: Lara will absolut nicht sterben! Die Folge, die nie gesendet wurde“ des Autoren Peter Haus. Des Stückes hatte sich der Literaturkursus am Radevormwalder Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) angenommen und rechtzeitig zum Schuljahresende auf die Bühne der Aula gebracht. Und es gab eine ganze Menge zu lachen für die rund 150 Besucherinnen und Besucher, die sich bei warmen Temperaturen in der Aula eingefunden hatten.

Zuschauer befanden sich mitten in den Dreharbeiten

Das junge Mädchen Lara, das mit 18 Jahren Alleinerbin eines durchaus ansehnlichen Vermögens werden sollte, wurde ermordet. Zumindest hatte es den Anschein, weshalb Kommissarin Hella Bock Tatmotiv, Tatwaffe und natürlich Täter finden musste. So weit, so normal. Was hier allerdings passierte, war, dass man sich als Zuschauer mitten in den Dreharbeiten zu besagter Tatort-Folge wiederfand.

Mit allen Schwierigkeiten und Hindernissen – etwa einer Leiche, die einfach nicht liegenbleiben wollte. „Jetzt bleib liegen oder ich helfe dir gleich sterben“, sagte der Aufnahmeleiter dann zur filmisch gemeuchelten Millionenerbin. Immer wieder hieß es „Cut!“ von der Regisseurin, weil wieder irgendetwas im Ablauf nicht passte.

Szene für Szene des Tatorts wurde abgedreht, mal in der Wohnung der alleinerziehenden Kommissarin samt pubertierender Tochter. Schließlich gehörten schwierige Familienverhältnisse quasi zur Jobbeschreibung der Tatort-Ermittler.

„Lass deinen Vater aus dem Spiel, dein Vater hat mich verlassen, als ich noch schwanger war“, sagte die Kommissarin folgerichtig zur Tochter. Die antwortete trocken: „Gut so.“

Auch sonst wurde jedes Klischee durch den Kakao gezogen, etwa wenn der Vater/Auftraggeber der jungen Lara verkündet: „Ich habe mich doch so gefreut, als meine Tochter Alleinerbin des Vermögens meiner Mutter wurde.“ Woraufhin die Kommissarin trocken sagte: „Sie ist tot, Herr Tod“ – denn wie könnte der Vater auch anders heißen?

Auch eine besserwisserische Pathologin durfte nicht fehlen. „In der Pathologie finden die Schlüsselszenen statt. Wir Pathologen lösen die Fälle doch ganz alleine“, erklärte die Expertin selbstbewusst. Allerdings zur nach wie vor renitenten Leiche. Denn die wollte sich weder ausziehen, noch wollte sie auf der Liege Platz nehmen und schon gar nicht wollte sie sich von der Pathologin „ein bisschen befummeln lassen“. Was den Hauptangeklagten kurz vor seiner Befragung zum Ausruf bewegte: „Entschuldigung, aber kennst du die Haupteigenschaft einer Toten?“

Und weil in einem guten Krimi immer irgendwann alle Beteiligten, Toten und Verdächtigen gemeinsam am Ort des Geschehens auftauchen, saßen die Kommissarin, Verdächtiger, Leiche, Staatsanwältin, Pathologin und weitere Ermittler wie zum „Letzten Abendmahl“ drapiert auf der Bühne.

Das Ensemble des THG-Literaturkurses war bestens drauf und hatte ganz offensichtlich großen Spaß auf der Bühne. Und, nicht unwichtig, sie schafften es, diesen Spaß und diese Spielfreude auch auf das Publikum überspringen zu lassen. Nicht umsonst waren durchgehend Kichern und Glucksen zu hören, und auch der Applaus, den es zur Pause und am Ende zu hören gab, war eindrucksvoll. Die Theateraufführung war definitiv ein schöner – und sehr witziger – Abschluss unter dieses Schuljahr.

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