Streifzug durch die Nachkriegsgeschichte

Lutz Aldermann zeigte Fotos seines Vater Hans, die dieser als erster Zeitungsreporter in Rade nach dem 2. Weltkrieg gemacht hatte. Es war die erste Präsenzveranstaltung des BGV seit langem. Foto: Claudia Radzwill
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Lutz Aldermann zeigte Fotos seines Vater Hans, die dieser als erster Zeitungsreporter in Rade nach dem 2. Weltkrieg gemacht hatte. Es war die erste Präsenzveranstaltung des BGV seit langem.

BGV-Vortrag mit Fotos von Hans Aldermann

Von Claudia Radzwill

RADEVORMWALD Im Mai hatte die Radevormwalder Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins per Zoom-Vortrag Lutz Aldermanns Bilderschau „Radevormwald: Zerstörung - Wiederaufbau - Zeit des Wirtschaftswunders“ präsentiert. Jetzt gab es den Vortrag noch einmal - in Präsenz mit ganz neuen Bildern und der Gelegenheit zum Austausch. Gut 25 Besucher und Besucherinnen waren am Freitagabend in dem Mehrzweckraum ins Bürgerhaus am Schlossmacherplatz gekommen.

„Wir haben heute morgen überlegt, ob wir die Veranstaltungen angesichts der Coronalage absagen sollten“, sagte Hans Golombek, Vorsitzende der Abteilung. „Doch uns war klar, dass das zu kurzfristig war und die Gäste dann vor der Tür stehen würden.“ Für den Besuch galten Abstand bei der Bestuhlung und die 3G-Regel.

Hans Aldermann hielt viele historische Momente fest

Lutz Aldermanns Vater Hans war der erste Bildjournalist in Radevormwald nach dem Zweiten Weltkrieg. „In der Zeit des Nationalsozialismus blieb es ihm verwehrt, als Schriftführer, so die damalige Bezeichnung für Journalisten, zu arbeiten“, erzählte sein Sohn. Grund: Hans Aldermann trat nicht in die Partei ein. Festgehalten ist die Ablehnung in einem alten Dokument, das Lutz Aldermann im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf einsehen konnte. „Dieses Dokument lasen 1945 auch die Amerikaner. Sie wollten eine unabhängige Presse aufbauen - und so arbeitete mein Vater ab 1945 als Journalist.“

In der Bergstadt hielt Hans Aldermann ab Kriegsende viele historische Momente fest. 20.000 Aufnahmen hatte er archiviert. Lutz Aldermann hat 2000 davon eingescannt. Für den Vortrag kamen 450 in die engere Auswahl. Einige dieser Bilder waren bereits im Zoom-Vortag zu sehen. Jetzt, zur Präsenz-Veranstaltung, hatte Lutz Aldermann 120 weitere neue Fotos ausgewählt.

Es war ein Streifzug durch zehn Jahre Radevormwalder Nachkriegsgeschichte. Bilder, aufgenommen im Sommer 1945 in den Straßen der Stadt, erzählten von den massiven Zerstörungen der letzten Kriegstage. Besonders die Kaiserstraße hatte es dabei getroffen. Doch das Leben ging weiter: Auf einem Foto zog eine fröhliche Hochzeitsgesellschaft vorbei an dem Schutt abgebrannter Häuser. Die Lindenbaumschule, intakt geblieben, wurde wiedereröffnet. 1948 begann der Bau des neuen Krankenhauses, das in die Jahre gekommene Kaiser-Wilhelm-Stift ersetzte.

Mit der Einführung der D-Mark kam der Aufschwung. Hans Aldermann fotografierte Menschen vor vollen Schaufenstern. Das Wirtschaftswunder erreichte die Bergstadt.

Viele Rader Ecken sind heute nur noch den älteren Radern und Raderinnen bekannt. Dazu gehört die „Finkenecke“ nahe der Schankwirtschaft Hasenburg an der Kaiserstraße, das Union-Theater an der Burgstraße oder das Café Köster in der Kaffekanne. „Bei manchen Fotos habe ich selber gestutzt und überlegt: Wo war das denn?“, sagte Lutz Aldermann.

Der nächste Präsenz-Vortrag des Radevormwalder BGV soll - Stand heute - bereits am Freitag, 26. November, 19.30 Uhr im Mehrzweckraum stattfinden. Im Fokus steht der Bau der Müngstener Brücke. Man werde die Pandemieentwicklung aber im Auge behalten, sagte Hans Golombek.

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