Gastronomie passt Preise an

Speiseöl-Mangel frustriert die Wirte

Ohne Speiseöl keine Pommes Frites – der Mangel an Sonnenblumenöl erfasst daher nun vor allem die Gastronomie.
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Ohne Speiseöl keine Pommes Frites – der Mangel an Sonnenblumenöl erfasst daher nun vor allem die Gastronomie.

In Folge des Krieges in Osteuropa explodieren die Preise für Sonnenblumenöl.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Anders als beim Klopapier-Hamstern zu Beginn der Pandemie hat die aktuelle Speiseöl-Krise einen konkreten Hintergrund: Die Kriegsparteien Russland und Ukraine sind mit 27 bzw. 51 Prozent die wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl. Und da es gerade in der Ukraine derzeit kaum möglich ist, Sonnenblumen zu säen und zu ernten ist das Öl Mangelware. Das merken Verbraucher im Supermarkt, wenn sie vor leeren Regalen stehen, oder die Preise in die Höhe schießen. Das merken zudem die Imbisse und Restaurants, die ganz andere Mengen benötigen.

So sagt Jasim Mohammed, Inhaber des „Buon Appetito“ am Schwarzen Weg: „Ich zahle im Moment 37 statt 16 Euro für zehn Kilo Fritteusenfett.“ Einmal in der Woche muss er das Fett tauschen. Er geht er sparsamer mit dem Rohstoff um. Das Fett und das Speiseöl kauft er im Großhandel. „Es ist alles teurer geworden, das merken natürlich auch die Kunden“, sagt Mohammed. Neben Öl seien auch andere Lebensmittel deutlich teurer geworden – das Fleisch für die Dönerspieße etwa.

Auch im Island Kebap von Murat Arkadas merkt der Kunde die höheren Preise. „Wir kriegen noch genug Öl für die Pommes oder auch den Pizzateig. Aber das kostet dann eben das Drei- oder Vierfache des üblichen Preises“, sagt Arkadas. Ein wenig habe er die Preise bereits anpassen müssen, etwa für die Portion Pommes, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können. „Natürlich spricht man auch mit den Kunden darüber.“

Iris Hager, die das Mittagsrestaurant „Lunchtime“ an der Bahnhofstraße seit knapp einem Jahr führt, berichtet: „Ich hatte mich zur Eröffnung gut eingedeckt, davon profitiere ich jetzt – auch wenn das in zwei Wochen vorbei sein wird, weil die Vorräte dann aufgebraucht sein werden.“ Dann müsse sie sich etwas anderes überlegen. „Ich habe zum ersten Donnerstag im Monat Reibekuchen auf die Karte gesetzt – dafür braucht man viel Öl“, sagt sie. Die Idee dazu habe sie lange vor der Speiseöl-Krise gehabt. „Mal sehen, ob das dann noch sinnvoll ist“, sagt Iris Hager. Sie würde auch anderes Öl als das gewohnte kaufen – nur gebe es im Großhandel eben kaum etwas. „Die großen Zehn-Liter-Behälter habe ich schon seit Wochen nicht mehr beim Einkauf gesehen.“

Die Preise erhöht hat auch Miko Jovic von Miko’s Bistro & Restaurant am Bahnhofsplatz. Pommes gehörten schließlich zu seinen Balkan-Spezialitäten dazu. „Am Nachschub merke ich es nicht, der ist vorhanden. Aber die Preise. . . Zwischen 50 und 70 Prozent teurer ist das Pflanzenfett – aber es ändert sich jede Woche“, hat Jovic festgestellt. Der Gastronom nimmt das gelassen hin. „Ich brauche in der Woche zehn bis zwölf Kilo Speiseöl und 20 Kilo Fett für die Fritteuse. Wir mussten die Preise etwas erhöhen, hier einen Euro, dort vielleicht auch drei Euro. Die Kunden beschweren sich aber nicht. Sie merken es ja selber beim Einkaufen, dass alles immer teurer wird“, sagt Jovic.

Bei „90ies Delivery“ im Goethetal von Ali Kara steht immer noch der Pizzaofen, der früher in der Pizzeria von Mimmo & Toni stand, als die beiden noch im Glaspalast Pizzen backten. „Wir brauchen viel Öl für den Pizzateig. Die Preise sind so erhöht, dass es keinen Spaß mehr macht“, sagt der Kölner, der den Imbiss seit fünf Jahren führt. Und Öl sei beileibe nicht das einzige Problem. „Nehmen Sie Mehl. Das gibt es kaum noch. Der Strom für den Ofen ist auch nicht billiger geworden.“ Irgendwann werde auch er die Preise anpassen müssen. Gerade, als man denkt, die Corona-Krise sei vorbei, komme die nächste Krise um die Ecke. „Das frustriert. Ich habe keine große Lust mehr.“

Hintergrund

Archäologen haben herausgefunden, dass Sonnenblumenöl bereits vor 3000 bis 4000 Jahren in Nordamerika genutzt wurde. Die spanischen Entdecker des 17. Jahrhunderts brachten es nach Europa. Heute kommt Sonnenblumenöl vor allem aus der Ukraineund Russland.

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