Städtepartnerschaft

Etaples: So fing die Freundschaft an

Künstler Bernhard Guski hat zwei Friedensstelen geschaffen – die Friedenstauben blicken symbolisch in Etaples Richtung Deutschland und in Hückeswagen (Foto) Richtung Frankreich. Die französische Stele war das Gastgeschenk der Hückeswagener zum Jubiläum bei der Bürgerfahrt im Mai.
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Künstler Bernhard Guski hat zwei Friedensstelen geschaffen – die Friedenstauben blicken symbolisch in Etaples Richtung Deutschland und in Hückeswagen (Foto) Richtung Frankreich. Die französische Stele war das Gastgeschenk der Hückeswagener zum Jubiläum bei der Bürgerfahrt im Mai.

Städtepartnerschaft zwischen Hückeswagen und Etaples besteht seit 50 Jahren

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Neun Jahre zuvor hatten der französische Präsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag unterschrieben. 27 Jahre war es her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen war, in denen sich beide Länder als Feinde gegenübergestanden hatten. Nun sollte an diesem 15. Mai 1972 im Hückeswagener Schloss die Städtepartnerschaftsurkunde zwischen Hückeswagen und Etaples-sur-Mer unterzeichnet werden. Just in dem Moment, als der damalige Bürgermeister Dr. Friedrich Weyer zu seiner Begrüßungsrede ansetzte, gab es Kanonendonner – auf dem Schlosshof hatten die Schützen, die zeitgleich ihr Bundesschützenfest feierten, Böllerschüsse abgegeben.

Die Irritation vor allem bei der französischen Delegation hielt nicht lange an, und so unterzeichneten Weyer und sein französischer Amtskollege Jean Bigot in Ruhe die Urkunde, die aus den Menschen beider Städten Freunde machen sollte. Bereits am 15. Mai 1972 war das Dokument in der Kleinstadt an der französischen Kanalküste von den gleichen Akteuren unterschrieben worden.

Diesem formalen Akt waren Monate der Suche und der Kontaktaufnahme vorausgegangen. 1970 entschied sich Hückeswagen dazu, eine Partnerschaft mit einer französischen Stadt einzugehen. Erste Kontakte wurden auf Betreiben des Stadtrats und unter Bürgermeister Weyer mit Châteaubriant geknüpft, seit 1981 Partnerstadt von Radevormwald. Allerdings schien den Kommunalpolitikern die Entfernung von 875 Kilometern zu weit. Für gegenseitige Besuche wurde das näher gelegene Elsass bevorzugt, doch da waren andere Städte den Hückeswagenern zuvorgekommen. Im Januar 1971 wurden dann erste Beziehungen ins 510 Kilometer entfernte Etaples am Ärmelkanal geknüpft. 16 Monate später startete die Städtepartnerschaft, die in diesem Jahr seit einem halben Jahrhundert besteht.

Vor allem Privatleute hielten die Freundschaft aufrecht

Es folgten Jahre der Euphorie, als es bei offiziellen Begegnungen von Rat und Verwaltung schon bald nicht mehr bleiben sollte. Feuerwehr, Vereine, Landwirte, Realschule suchten den Austausch und fanden Freunde in Etaples. Mancher fand in der Partnerstadt die Liebe fürs Leben. Wurden doch in den zurückliegenden Jahrzehnten einige „deutsch-französische Hochzeiten“ geschlossen – wie die der Hückeswagenerin Claudia Thiel, die 1993 den Feuerwehrchef von Etaples, Robert Poprawa, heiratete. Kennengelernt hatte sich das Paar an Weihnachten 1988 in Hückeswagen auf einem Polterabend.

Irgendwann aber verebbte die Anfangseuphorie, die Kontakte wurden weniger, der Austausch kam fast zum Erliegen. Das änderte sich wieder ab 1995, als sich das Partnerschaftskomitee Hückeswagen-Etaples bildete und den Ausschuss für Städtepartnerschaft ablöste. In der Partnerstadt entstand ein Pendant. Der Austausch nahm wieder zu, vor allem die Realschule und die Vereine waren aktiv, aber in den vergangenen Jahren ist auch das wieder teilweise eingeschlafen – und das bereits vor dem Beginn der Corona-Pandemie. Den Partnerschaftsgedanken hoch halten in erster Linie die Partnerschaftskomitees und einige Privatleute, die auch auf eigene Initiative in die befreundete Stadt reisen: Hückeswagener verbringen ihren Urlaub an der Kanalküste, Etapler Familien kommen nach Hückeswagen, wo sie kostenfrei im städtischen Gästehaus an der Bever wohnen können.

Auch wenn es seit nun fünf Jahrzehnten ein ständiges Auf und Ab in der Beziehung zwischen Hückeswagen und Etaples war, so lebt die Freundschaft der Menschen in beiden Städten jenseits der großen Politik auf lokaler Ebene – das ist fast 60 Jahre nach dem Élysée-Vertrag letztlich ein Ziel der Arbeit im Partnerschaftskomitee. So heißt es in dessen Satzung: „Durch aktives Miteinander der Bürgerinnen und Bürger der Partnerstädte soll das gegenseitige Vertrauen gestärkt und der Bau des europäischen Hauses mitgestaltet werden.“

Nachdem eine Hückeswagener Delegation vom 26. bis 29. Mai auf Bürgerfahrt in Etaples war, werden die Franzosen am letzten August-Wochenende zum Gegenbesuch in der Schloss-Stadt erwartet. Am 27. August steht ein Gala-Abend im Casino der Firma Pflitsch an.

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