Watvögel

Seltene Gäste finden sich am Beverteich ein

Der Flussregenläufer wurde schon beim Brüten am Beverteich gesichtet.
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Der Flussregenläufer wurde schon beim Brüten am Beverteich gesichtet.

Durch das Absenken des Wasserspiegels fühlen sich Flussregenpfeifer wohl – Küken sind geschlüpft.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Was des einen Freud ist, ist des anderen Leid. Dieses Sprichwort passt derzeit gut auf die Flora und Fauna am Beverteich. Nachdem der Damm beim Hochwasser im Juli 2021 zu brechen drohte und das Wehr abgesenkt wurde, hat sich der schilfbewachsene Beverteich in eine Schlammlandschaft verwandelt. Statt zahlreich brütender Stockenten und Blässhühner sieht man hier nur noch ein Schwanenpaar und eine Entenfamilie auf dem verbliebenen Wasser schwimmen. Vereinzelt sind auch Nilgänse zu sehen. „Die sind zwar da, brüten aber nicht am Teich“, sagt der Ornithologe Karl-Heinz Salewski vom Bergischen Naturschutzverein (RBN).

Zwei geschlüpfte Küken des Flussregenpfeifers.

Doch jetzt sind neue Gäste am Beverteich zu Gast. Der Hückeswagener hat Limikolen, genauer gesagt Flussregenpfeifer, gesichtet. Der Watvogel hat seinen Lebensraum am oder in unmittelbarer Nähe des Wassers. Das Kiesbett am Einlauf des Beverbachs hat das Flussregenpfeifer-Paar als Brutplatz auserkoren. Das Nest besteht aus einer Mulde im Boden, die mit kleinen Steinchen ausgekleidet ist.

Hier hinein hat das Weibchen vier steingraue Eier gelegt, die durch ihr Farbmuster gut getarnt sind. Vor wenigen Tagen sind die Küken geschlüpft. Manfred van Wahden, Ornithologe aus Wipperfürth, hat die vier Pulli, wie die Jungvögel im ersten Federkleid heißen, bereits beobachten können. Die Jungvögel sind Nestflüchter und schon mit den Eltern auf Futtersuche am Beverteich unterwegs. Der Flussregenpfeifer ernährt sich von Würmern, Spinnen, Insekten und Larven. Er sucht seine Nahrung gewöhnlich im seichten, schlammigen Uferbereich. Manfred van Wahden und Karl-Heinz Salewski haben diese Vögel in Hückeswagen auch schon im Gewerbegebiet Winterhagen/Scheideweg und im neuen Gewerbegebiet West 3 in Heidt brüten sehen. „Das war allerdings vor den Bauarbeiten dort“, sagt Karl-Heinz Salewski.

Graureiher mussten sich neuen Brutplatz suchen

Der Beverteich war vor dem Absenken des Wehrs die ideale Brutfläche für Entenvögel. Jetzt finden dort neben dem Flussregenpfeifer auch Schnepfenvögel wie Kampfläufer, Dunkler Wasserläufer, Grünschenkel, Bekassinen, Waldwasser- und Bruchwasserläufer ideale Lebensbedingungen für einen Zwischenstopp auf dem Weg zu ihren Brutgebieten. Einen neuen Brutplatz mussten sich auch die Graureiher suchen, die größtenteils vom Beverteich zur Wuppervorsperre umgezogen sind. 24 Nester hat Karl-Heinz Salewski in diesem Jahr an der Vorsperre gezählt. Der Standortwechsel war nötig, da die BEW Bäume, in denen die Reiher ihre Nester hatten, gefällt hatte. Bevor jedoch der Fichtenwald am benachbarten Wasserwerk in Kleineichen abgeholzt wurde, konnte Karl-Heinz Salewski dort bis zu 60 Nester zählen. Sollte das Wasser im Beverteich nicht wieder angestaut werden können, so könnte auch der Schilfgürtel am Rand des Beverteichs Schaden nehmen, da die Pflanzen nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden. „Wenn nichts getan wird, werden in diesem Gebiet in einigen Jahren Bäume wachsen“, ist der Naturschützer überzeugt.

Die Veränderung des Biotops innerhalb der vergangenen zehn Monate nach der Absenkung des Wasserspiegels ist enorm. Die Mitarbeiter des Umweltamts der Kreisverwaltung in Gummersbach kennen das Biotop in Kleineichen und auch die jüngsten Veränderungen in diesem Naturreservoir. Wie es zukünftig weitergehen soll, darauf haben die Experten vom Kreis jedoch noch keine konkrete Antwort. „Es finden aktuell Gespräche mit den Eigentümern zur Zukunft des Beverteichs statt“, berichtet Pressesprecherin Iris Trespe vom Kreis auf Nachfrage unserer Redaktion. Es würde ebenfalls über Maßnahmen zum Naturschutz beraten. Detaillierte Auskünfte könnten derzeit aber noch nicht mitgeteilt werden. Karl-Heinz Salewski und Manfred van Wahden werden die Veränderungen weiterhin im Auge behalten. Und vielleicht entdecken noch weitere Zug- und Watvögel das Naturschutzgebiet für sich als Brut- oder Rastplatz auf ihrer Durchreise.

Familie der Regenpfeifer

Lebensraum: Der Flussregenpfeifer lebt auf Schlamm-, Sand- und Kiesflächen in fast ganz Europa. Baggerseen und Kiesgruben sind meisten aber nur Ausweichmöglichkeiten, seitdem es nur noch sehr wenige natürliche Flussläufe mit Kiesbänken gibt.

Fortpflanzung: Die Brutzeit erstreckt sich von April bis Juli. Die Brutdauer der meist vier Eier beträgt 24 bis 25 Tage, wobei beide Elternvögel brüten.

Verleiten: Bei drohender Gefahr locken die Eltern den Angreifer in eine andere Richtung, um ihre Jungen zu schützen. Dieses Verhalten nennt man Verleiten.

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