Werbegemeinschaft

Seit 50 Jahren gibt es die Weihnachtsverlosung

Klaus Albus (l.) und Günter Brunzel zählen zu Mitgliedern der Werbegemeinschaft seit der ersten Stunde. Jedes Jahr wird ein Auto verlost, so wie in diesem Jahr ein Mitsubishi.
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Klaus Albus (l.) und Günter Brunzel zählen zu Mitgliedern der Werbegemeinschaft seit der ersten Stunde. Jedes Jahr wird ein Auto verlost, so wie in diesem Jahr ein Mitsubishi.

Klaus Albus (77) und Günter Brunzel (80) erinnern sich an die Anfänge.

Von Heike Karsten

Ohne das Engagement der Werbegemeinschaft gäbe es definitiv viel weniger Erlebnisse in Hückeswagen. Die Einzelhändler, Freiberufler und Handwerker sind auch Mitbegründer des Altstadtfestes und haben unter anderem das Maifest, den Martinsmarkt, die Weihnachtsbeleuchtung und die Weihnachtsverlosung initiiert. Letztere feiert in diesem Jahr ein Jubiläum: Sie gibt es seit 50 Jahren.

Nachdem die Werbegemeinschaft 1971 vom örtlichen Einzelhandel gegründet wurde, gab es bereits ein Jahr später die erste Weihnachtsverlosung. „Wir kannten ja schon die Zählscheinaktion aus Wermelskirchen – so etwas wollten wir auch aus der Taufe heben“, erinnert sich Klaus Albus, seinerzeit Einzelhandelsvorsitzender. Im ersten Jahr war ein Farbfernseher der Hauptgewinn, doch schon 1973 gab es ein Auto zu gewinnen. Daran hat sich seither nichts geändert. Für die damals noch mehr als 100 Mitglieder der Werbegemeinschaft war die große Investition nicht ohne Risiko. „Wäre es schiefgegangen, hätte der Arbeitskreis Geld zuschießen müssen. Aber die Aktion konnte die Gewinne decken“, sagt Albus.

Das erste Auto, das verlost wurde, war ein Renault 4, der während der Vorweihnachtszeit auf einem Podest am Wilhelmplatz aufgebockt stand. Und der Hauptgewinn zog. „Wir waren überrascht, wie gut das ankam“, sagt Albus. Viermal meldete sich der Gewinner des Hauptpreises allerdings nicht 2005, 2009, 2011 und 2019 –, so dass das Auto im Sommer des folgenden Jahres bei einer Aktion der Werbegemeinschaft erneut verlost werden musste. Die Kleinwagen wurden, wenn möglich, immer bei Autohändlern vor Ort gekauft. „Wir haben Angebote eingeholt und das günstigste angenommen, denn wir mussten damals jede Mark dreimal umdrehen“, schildert Günter Brunzel.

Einmal klemmte dieLostrommel

Die Ziehung der Lose war jedes Mal ein Erlebnis für sich und verlief nicht immer reibungslos, erzählt er: „Wir hatten uns eine Lostrommel aus Düsseldorf geliehen, die aber klemmte“, sagt der ehemalige Inhaber der Firma Luhn und langjährige Vorsitzender der Werbegemeinschaft. Die Ziehung fand damals im Hofgarten statt. Ein weiterer Nachteil der Trommel war, dass die Lose an den Scheiben klebten und sich nicht mischen ließen. Außerdem dauerte die Ziehung bis nach Mitternacht. „Die Kinder aus dem Kinderheim der Gotteshütte, die die Lose ziehen durften, mussten aber um 22 Uhr nach Hause“, berichtet Brunzel weiter.

Der 80-Jährige hat Aktenordner voll Unterlagen der Werbegemeinschaft aufbewahrt, darin auch eine handgeschriebene Mitgliederliste. Daraus ersichtlich ist auch, dass der Zusammenschluss in den ersten 25 Jahren Preise im Wert von mehr als einer Million Mark ausgegeben hatte.

Schon bei der Gründung 1971 wurde auch beschlossen, die Innenstadt in der Vorweihnachtszeit festlich zu schmücken. 1975 wurden die Lichterketten von den Mitgliedern im Bauhof mit Tannengrün gebunden, die damit viele Stunden beschäftigt waren. „Anschließend waren alle erkältet, und der Uhrmacher Werner Lammert konnte eine Woche keine Kleinuhren reparieren, weil alle Finger zerstochen waren“, heißt es im Jubiläumsheft zum 25-jährigen Bestehen.

Mit viel Einsatz beteiligte sich die Werbegemeinschaft auch an der Altstadtfest-Premiere 1976. Viele Stände mussten gebaut werden. Als das Baumaterial zu Ende ging, wurde Günter Hartmann von der Kegelbahn geholt und musste losfahren, um weitere Dachlatten, Schrauben und Planen zu holen. 1977 kamen dann zur Weihnachtsverlosung die drei Zwischenziehungen an den verkaufsoffenen Samstagen hinzu.

Und immer wieder beteiligten sich die Geschäftsinhaber an städtischen und politischen Themen. So wurden 1982 zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Etaples die Schaufenster in den französischen Nationalfarben geschmückt. Gegen die Gestaltungssatzung der Stadt im selben Jahr, die nur eine gewisse Schaufenstergröße zulassen sollte, protestierten die Händler mit zugeklebten Scheiben.

Das Auto als Hauptgewinn halten Albus und Brunzel auch heute noch für zeitgemäß, auch wenn die meisten Gewinner motorisiert sind. „Einmal hat eine Frau das Auto ihrer Enkelin geschenkt“, berichtet Albus.

Die Austritte aus der Hückeswagener Werbegemeinschaft in den vergangenen Jahren schmerzt die Mitbegründer sehr. „Heute sind nicht mehr viele bereit, Zeit zu opfern oder Arbeit zu übernehmen“, bedauert Albus. Man müsse auch nicht immer einer Meinung sein, denn jedes Mitglied habe andere Interessen. Damit sich Hückeswagen aber auch in Zukunft gegen die Großstädte und das Internet behaupten könne, müssten die Händler als Gemeinschaft an einem Strang ziehen und Aufgaben gemeinsam schultern. „Nur im Zusammenschluss kann man etwas bewirken“, sagen Albus und Brunzel.

Werbegemeinschaft

Gründung: Auf einer Einzelhandelssitzung Anfang der 1970er Jahre kam die Idee auf, die Hückeswagener Kräfte einer Werbegemeinschaft zu bündeln, so dass Freiberufler, Handwerker und Händler gemeinsam agieren konnten. In kürzester Zeit entwickelte sich die Werbegemeinschaft zu einem erfolgreichen Marketinginstrument.

Logo: Ein stilisiertes „H“ ist seit 1973 das Logo der Werbegemeinschaft. 20 Jahre später wurde das Logo zeitgemäß umgestaltet.

Ideen: Viele Ideen und Gewinnspiele wurden seit der Gründung organisiert, darunter ein Gewinnspiel zur Fußball-WM 1974, ein Malwettbewerb zum Thema „Ferien in Hückeswagen“ 1981, bunte Ostereier als „Dankeschön“ für Kunden 1985. Die erste Autoschau gab es 1988, drei Jahre später konnten die Kunden das schönste Schaufenster prämieren, und 1992 gab es ein Fest der Begegnung gegen Ausländerfeindlichkeit.

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