Bildung

Schülerlabor simuliert Industrie-Abläufe

Landrat ließ sich Industrie 4.0 im Bergischen Berufskolleg Wipperfürth und Wermelskirchen zeigen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wipperfürth. In einem Labor werden die großen Abläufe im Kleinen simuliert. Um sie besser verstehen zu können, um daran zu lernen, um damit zu unterrichten. Am Bergischen Berufskolleg mit den beiden Standorten Wipperfürth und Wermelskirchen gibt es nun ein sogenanntes Schülerlabor Industrie 4.0.

Betritt man den Unterrichtsraum, eher eine kleine Halle, sieht man neben einem riesigen Bildschirm eine Miniatur-Produktionsstraße – wie man sie auch aus der „echten“ Industrie kennt. „Wir mussten, auch wegen Corona, ein wenig länger als geplant auf die Anlage warten. Aber jetzt ist sie da – und es ist gut zu sehen, wie uns der Oberbergische Kreis unterstützt und ausstattet“, sagt Thilo Mücher, Leiter des Berufskollegs. Die Kreis-Bildungsdezernentin Birgit Hähn betont: „Das Schülerlabor wurde aus Fördermitteln des Digitalpakts und des Projekts Gute Schule 2020 finanziert.“

Er sei zwar schon länger nicht mehr am Berufskolleg in Wipperfürth gewesen, sagt Landrat Jochen Hagt. „Umso mehr freut es mich, dass der Anlass ein so schöner ist.“ Ihm sei es ein wichtiges Anliegen, an so vielen Standorten wie möglich, solche Berufskollegs einzurichten. „Das sind gute und weiterbringende Einrichtungen“, betont der Landrat. Dabei habe er selbst auch dazugelernt. „Als ich zum ersten Mal von einem Schülerlabor gehört habe, dachte ich, dass es sich dabei um irgendwas mit Reagenzgläsern handelte. Ich habe dann aber das Pilotprojekt in den Bayer-Werken gesehen“, sagt Hagt. Und das habe ihm gezeigt, wie wichtig für die angehenden Fachkräfte das Lernen am simulierten Industrie-Ablauf sei. „Wir sind im Oberbergischen Kreis ein industrienaher Standort, über 40 Prozent der Arbeitsplätze sind in der Industrie. Da ist es extrem wichtig, für Nachwuchs zu sorgen“, sagt der Landrat.

Mirco Jabs ist Abteilungsleiter Metalltechnik am Berufskolleg – und eine von drei Lehrkräften, die sich in Sachen Schülerlabor fortgebildet haben. Jabs ist ganz offensichtlich sehr begeistert von dem neuen Lehrangebot. Das wird deutlich, als er dem Landrat die Funktionsweise des Schülerlabors erklärt. „Es ist im Grunde genommen die Simulation von der Bestellung bis zur Einlagerung zur Auslieferung. Simuliert wird das an Bonbondosen mit Drops in drei unterschiedlichen Farben“, sagt Jabs.

Und damit sei auch schon der ganz große Vorteil des Labors angesprochen worden. „Das Schülerlabor richtet sich nicht nur an die Industriemechaniker oder -techniker, sondern auch an die Abteilungen Informatik sowie Wirtschaft und Verwaltung“, sagt Jabs. Ein sprichwörtlich interdisziplinäres Labor, also.

Und weil praktisches Ausprobieren immer anschaulicher als alle Theorie ist, zeigt Jabs dann direkt, wie das Labor funktioniert. Er bestellt per iPad eine Dose mit jeweils vier roten, grünen und blauen Drops, legt sie im Warenkorb ab – und startet dann die Produktion. „Es ist ein Warenwirtschaftssystem, wie es in der Industrie gang und gäbe ist – wir haben hier Industrie 4.0, von der Bestellung bis ins Lager“, sagt Jabs. Ein kleiner Schlitten mit einer Palette fährt in der Produktionsstraße los. „Nach jeder einzelnen Station gibt es Sensoren, die überprüfen, ob noch alles in Ordnung ist“, sagt Jabs. Und tatsächlich wird zunächst ein Dosenboden auf die Palette gesetzt, dann die Dose befüllt und gewogen, ehe ein Deckel in der richtigen Farbe aufgesetzt wird und die fertig befüllte Dose in ein Lager mit zehn Plätzen befördert wird. „Alles ist hier kleiner, klar, aber vom Prinzip lernen die Schülerinnen und Schüler verstehen, wie solche Produktionsstraßen funktionieren, wie sie programmiert werden – und wie sie Fehler beheben können“, sagt Jabs.

Die Schülerinnen und Schüler – übrigens auch jene aus dem zweiten Standort in Wermelskirchen, die dafür tageweise nach Wipperfürth kommen sollen – würden im ersten Jahr im Labor die Sensorik ebenso kennenlernen wie die Messsysteme, die Elektronik und die Grundlagen der Anlage. „Im zweiten Jahr geht es dann an die Programmierung. Wir bauen auch Fehler ein, die die Auszubildenden dann finden müssen – allerdings zunächst virtuell mit dem iPad und erst dann mit dem Schraubendreher in der Maschine“, sagt Jabs. Und die Schüler, die das Schülerlabor derzeit schon nutzen, sind ebenfalls begeistert davon. „Man hat hier etwas, was man definitiv nicht überall hat“, sagt einer. Und ergänzt: „Man kann hier auch mit einer solchen Anlage in einer sicheren Umgebung experimentieren – wenn etwas nicht richtig war, ist nicht gleich eine ganze, echte Produktion gefährdet.“ Ein Mitschüler sagt: „Wenn man die praktische, unmittelbare Auswirkung einer Programmierung sehen kann, versteht man viel besser, was man da gemacht hat – gerade auch, wenn man einen Fehler gemacht hat.“

„Wir sind im Oberbergischen Kreis
ein industrienaher Standort.“

Jochen Hagt, Landrat

Hintergrund

Kosten: Finanziert wurde das Schülerlabor am Wipperfürther Standort des Bergischen Berufskollegs durch Fördermittel aus dem Digitalpakt und dem Programm „Gute Schule 2020“. Die Investitionssumme liegt bei etwa 470.000 Euro.

Berufskolleg: Zwei große Standorte in Wermelskirchen und Wipperfürth mit 1000 und 1600 Schülerinnen und Schülern ergeben ein Berufskolleg über die Kreisgrenzen hinweg. In fünf Abteilungen werden 22 Ausbildungsberufe und elf vollzeitschulische Bildungsgänge unterrichtet.

www.bbk.schule

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