Allgemeinmediziner

Schon lange verliebt in die Wahlheimat

Dr. Elias Moussa ist gebürtiger Syrer, Hückeswagen ist aber längst zu seiner Heimat geworden. Und sein Garten seine Ruheoase.
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Dr. Elias Moussa ist gebürtiger Syrer, Hückeswagen ist aber längst zu seiner Heimat geworden. Und sein Garten seine Ruheoase.

Er gehörte zu den beliebtesten Ärzten in Hückeswagen: Am 23. Juni vollendet Dr. Elias Moussa sein 80. Lebensjahr.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Wenn Elias Moussa eine Entscheidung trifft, „dann stehe ich auch dazu“. Diese Konsequenz zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben, das ihn von der syrischen Hafenstadt Tartus (siehe unten) über Wien und Erlangen letztlich nach Hückeswagen geführt hat. Zwar hat er in seiner syrischen Heimatstadt ein Haus, zu dem es ihn mit seiner Frau immer wieder hinzieht. Aber seine Heimat ist Hückeswagen. Das macht er auch immer wieder klar, wenn ihn etwa ehemalige Patienten ansprechen und sich wundern, warum er nicht nach Syrien zurückgekehrt ist. Schließlich hat das Ehepaar in der Schloss-Stadt schon vor vielen Jahren ein Haus samt gemütlichen Garten und Wintergarten gefunden, und hier fühlen sich Elias und Najah Moussa wohl.

Konsequent war der Allgemeinmediziner, der zudem Facharzt für Innere Medizin ist, auch vor zehn Jahren. Eigentlich wollte er noch so lange weiter praktizieren, bis sich ein Nachfolger für seine Praxis am Etapler Platz finden würde. Doch als er nur Absagen bekam, beendete er seine medizinische Karriere. Was ihm nicht leicht gefallen war nach 36 Jahren als niedergelassener Arzt in Hückeswagen. Viele seiner Patienten hatten das traurig gestimmt, war doch Moussa über Jahrzehnte hinweg „ihr“ Hausarzt und damit ein Vertrauter in persönlich schweren Phasen gewesen.

Ich mag kleinere Städte lieber als große.

Dr. Elias Moussa

Es war eine Reihe von Zufällen und letztlich auch eine gewisse Konsequenz, die den Syrier ins Bergische geführt hatte. Als Schüler hatte er sich vorgenommen, später in Wien zu studieren. Dorthin verschlug es ihn tatsächlich, und er lernte in der österreichischen Hauptstadt zunächst intensiv Deutsch – um dann im Frühjahr festzustellen, dass er sein Studium dort nur im Wintersemester beginnen konnte. Nichts tun auf Kosten der Eltern wollte er nicht, und so entschied er sich konsequenterweise für das Studium in Erlangen, das er nach bestandener Aufnahmeprüfung sofort beginnen konnte. Im Juli 1970, als 27-Jähriger, legte er das Staatsexamen mit der Note „Sehr gut“ ab.

Nach zwei Jahren als Assistenzarzt entschied er sich für eine Stelle im Hückeswagener Marienhospital, eher er sich 1976 zunächst an der Peterstraße, wenig später in der damals ganz neuen Praxis am Etapler Platz als praktischer Arzt niederließ. Während für seine Frau die Schloss-Stadt zunächst so etwas wie ein „Kulturschock“ war – „hier war alles so klein“ –, hatte sich ihr Mann Hückeswagen bewusst ausgesucht: „Ich mag kleinere Städte lieber als große“, versichert er.

Während so mancher mit Beginn des Ruhestands in ein Loch fällt, war das bei Moussa nicht der Fall. Der Familienmensch – er selbst hat in seiner syrischen Heimat einen Bruder, seine Frau je zwei Brüder und Schwestern – kümmert sich seither liebevoll um seine Enkelkinder, fünf Mädchen und einen Jungen zwischen fünf und elf Jahren. „Sie sind jede Woche bei uns, oder wir fahren zu den Kindern“, erzählt Najah Moussa.

Seine Leidenschaft als Mediziner hat Moussa an seine drei Söhne „vererbt“. Der älteste Sohn Georg ist Dermatologe mit Praxis in Herne, der „mittlere“ Sohn Andre lebt in Köln, ist Gastroenterologe und wird demnächst Chefarzt an einer Klinik in Hürth, und Roland, der jüngste Sohn, ist Doktor der Bio-Wissenschaft, Geschäftsführer eines Pharmaunternehmens mit Hauptsitz in Heilbronn und lebt in Dortmund.

Der nächste Urlaub führt das Paar in die Niederlande

Zweimal in der Woche kann man Elias Moussa beim Nordic Walking an der Wupper-Vorsperre antreffen. Und gerne ist das Ehepaar auch kulturell unterwegs und auf Reisen. Wenn es nicht nach Syrien geht, dann etwa auf die kanarische Insel Gran Canaria.

Der nächste Urlaub führt Elias und Najah Moussa allerdings in die Niederlande, und das kurzum: „Wir fahren mit unseren Enkeln und ihren Eltern nach Seeland, wo wir den 80. Geburtstag meines Mannes feiern wollen“, erzählt Najah Moussa. Nach der Rückkehr soll es dann ein großes Fest mit Freunden und Bekannten geben.

Dass er seit zehn Jahren bereits nicht mehr als Arzt praktiziert, obwohl er das leidenschaftlich gern gemacht hatte, stört ihn nicht: „Ich habe noch keinen Tag bereut, dass ich damals aufgehört habe“, versichert Elias Moussa. Da ist sie wieder – die für ihn typische Konsequenz.

Heimatstadt

Lage: Tartus liegt an der Mittelmeerküste Syriens, etwa 65 Kilometer von Tripolis (Libanon) und 80 Kilometer westlich von Homs entfernt.

Hafenstadt: Nach Latakia ist Tartus die zweitgrößte Hafenstadt des Landes. Die russische Kriegsmarine unterhält hier ihren einzigen Stützpunkt im Mittelmeer.

Geschichte: In der Umgebung finden sich Spuren von Siedlungen der Phönizier. Für die Gründung der Stadt Tartus selbst sind voraussichtlich die Kreuzfahrer verantwortlich – etwa im elften Jahrhundert.

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