Engagement

Reparaturcafé ist im Einsatz für die Umwelt

Uwe Königsbuscher, Felix Albrecht und Horst Fink reparieren die Geräte der Bürger. Dieses Mal ein Plattenspieler, ein Lockenstab und ein Rasentrimmer.
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Uwe Königsbuscher, Felix Albrecht und Horst Fink reparieren die Geräte der Bürger. Dieses Mal ein Plattenspieler, ein Lockenstab und ein Rasentrimmer.

Ehrenamtler setzen fast alles wieder instand und leisten damit einen wertvollen Beitrag zu weniger Elektroschrott.

Von Heike Karsten

Eine Multischleifmaschine von Bosch, die ihren Geist aufgegeben hat, ist am Samstagmorgen der 900. Auftrag für das Team der Reparaturwerkstatt seit 2015. An dieser Zahl wird deutlich, wie häufig der Service des Reparaturcafés in der oberen Etage der Stadtbibliothek in Anspruch genommen wird. Und dass, obwohl das Reparaturcafé nur an jedem ersten Samstag eines Monats für je zwei Stunden geöffnet hat.

Da bleibt es nicht aus, dass sich die handwerklich und technisch begabten ehrenamtlichen Mitarbeiter oftmals Arbeit mit nach Hause nehmen. „Das kommt in 70 Prozent der Fälle vor“, sagt Joachim Kutzner, der sich am Samstagvormittag um einen Drucker und um den Spielecomputer eines Jungen aus der Ukraine kümmert.

Im Jahr kommen 1000 Euro an Spenden zusammen

Im Nebenraum baut Horst Fink neue Kugellager in einen Rasentrimmer ein, während Felix Albrecht sich einen defekten Lockenstab anschaut. Uwe Königsbüscher recherchiert derweil im Internet, ob es für den zur Reparatur gebrachten älteren Plattenspieler noch einen neuen Antriebsriemen zu kaufen gibt. „Kleben geht nicht, denn da ist schon einiges an Zug drauf“, erklärt der handwerklich begabte Pfarrer. Das Reparaturcafé ist seit knapp acht Jahren eine willkommene Anlaufstelle für Hückeswagener, wenn plötzlich der Staubsauger streikt oder der Drucker kein Papier mehr einzieht.

Das Team nennt die oft verzweifelten Gerätebesitzer Kunden, obwohl sie keine Rechnung für ihre Arbeit ausstellen. Stattdessen wird ehrenamtlich gegen eine Spende geholfen. Im Jahr kommen so um die 1000 Euro zusammen, die an die Stadtbibliothek, beziehungsweise an den Förderverein der Einrichtung fließen.

Dr. Rainer Hartmann, der das Reparaturcafé seit Beginn leitet, führt genauestens Buch darüber, wer wann, was zur Reparatur gebracht hat. Er notiert die Telefonnummer der Kunden für Rückfragen, wenn Ersatzteile besorgt werden müssen, und versorgt das Team mit den richtigen Werkzeugen oder auch mal nur mit einem Stück Schrumpfschlauch. Dabei ist nicht nur elektronisches Wissen gefragt, denn auch die abgebrochenen Kurbeln einer Kaffeemühle und einer Karten-Misch-Maschine erfordern kreative Reparatur-Lösungen.

Da ist es gut, dass sich wieder mehr freiwillige Helfer bereiterklärt haben, ihre Freizeit zu opfern und mitzuhelfen. Sieben Ehrenamtler sind des zurzeit.

Felix Albrecht, Maschinenbau-Ingenieur mit „Elektronik im Hobby-Aszendenten“, wie er scherzhaft äußert, hat Freude daran, den Menschen zu helfen. „Weil ich gerne Gutes tue, und weil ich damit vielleicht dazu beitragen kann, den Berg an Elektroschrott zu verkleinern“, sagt der Wermelskirchener. Manchmal seien nur Bedienfehler, wie ein falsch eingestecktes Kabel oder Verschmutzungen der Grund, warum das Gerät seinen Geist aufgegeben hat. In solchen Fällen ist die Lösung schnell gefunden. Es gibt aber auch Dinge, die die Helfer ablehnen müssen – dazu zählen Fernsehgeräte und Kaffeevollautomaten. „Der Aufwand ist einfach zu groß, das können wir nicht leisten“, erklärt Albrecht.

Es wird aber nicht nur repariert, sondern auch beraten. Joachim Kutzner bietet während der Öffnungszeit des Reparaturcafés seine Hilfe für den Umgang mit Smartphones an, was gerne von Senioren in Anspruch genommen wird. „Er macht das ganz fantastisch“, betont Rainer Hartmann, der weiterhin Werbung für die Mitarbeit im Reparaturcafé macht. „Wir sind froh über jeden, der kommt und ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringt.“ Am Ende des Tages läuft der Rasentrimmer wieder genauso rund wie die rotierende Lockenbürste. 80 Euro an Spenden hat die Arbeit der Ehrenamtler an diesem Tag eingebracht. Zur Belohnung gibt es einen von Veronika Hartmann gebackenen Kuchen und Kaffee für die treuen Helfer.

Hintergrund

Gründung: Das Reparaturcafé in der Stadtbibliothek, das am 1. Juni 2015 erstmals geöffnet hatte, ist eine Erfolgsgeschichte. Bis heute wurden mehr als 900 Geräte mit einer mehr als 80-prozentigen Erfolgsquote bearbeitet.

Öffnungszeiten: An jedem ersten Samstag eines Monats leisteten Elektriker, Elektroniker, Ingenieure und Fernsehtechniker zwei Stunden lang eine kostenfreie „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Mitarbeit: Wer Spaß am Basteln und Reparieren hat, ist eingeladen, im Reparaturcafé mitzuhelfen. Derzeit zählen sieben Mitarbeiter zum Team.

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