Prof. Neuneck sprach vor Besuchern in der Friedenskapelle

In der Friedenskapelle Vosshagen hielt der Physiker Dr. rer. nat. Götz Neuneck, Referent am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, einen Vortrag zum Thema "Ist das Jahrzehnt der Abrüstung zu Ende?- Die Weltpolitik am Scheideweg nach dem 11. September 2001".

Kleiner Kreis von interessierten Menschen äDr. Peter Schmedding, 2. Vorsitzender des Freundeskreises Friedenskapelle Voßhagen, betonte während seiner Begrüßung, dass der Referent auch in diesem kleineren Kreise zur Verfügung stehe. Herr Götz Neuneck: "Es ist sehr wichtig, vor einem kleinen Kreis von Leuten zu reden, die wirklich interessiert sind". Der Referent reflektierte weltpolitische Veränderungen seit dem Mauerfall 1989. In diesem Zusammenhang wurden auch Konflikte für die Zuhörer wieder präsent, die inzwischen in den Hintergrund getreten sind, deren Zusammenhänge mit der aktuellen Situation jedoch wichtig und bedenkenswert sind. Es gelang dem Referenten sehr gut und umfassend, die Situation und die Hintergründe in den verschiedensten Erdteilen und Staaten zu beleuchten. In einer klaren und unmissverständlichen Sprache informierte er die etwa. 50 Zuhörer, die gut in der Kapelle Platz gefunden hatten, über die Geschehnisse. Er nannte Zahlen, die erschreckend belegen, dass Abrüstung zwar stattgefunden hat, bezogen auf das Gesamtpotenzial der Waffen jedoch in nur geringem Umfang. Von 70 000 Nuklearsprengköpfen zurzeit des Kalten Krieges wurden zum Beispiel 6 000 vernichtet. "Man kann nicht wirklich von Abrüstung sprechen, es geschieht zwar, aber zu wenig und zu langsam. Der Abbau von Nuklearwaffen ist bis zum Jahr 2012 für die USA auf 2 200 Spengköpfe und für Rußland auf 1.500 Sprengköpfe festgelegt." Der Referent führte den defizitären Abbau der Waffensysteme darauf zurück, dass insgesamt zu wenig Vertrauen herrsche und der Abschreckungscharakter der Nuklearwaffen zwar sachlich ohne Grundlage sei, jedoch noch immer von den betreffenden Staaten so stark bewertet wird. So erklären z.B. Frankreich, China und Großbritannien sowie neuerdings auch Indien und Pakistan, dass ihnen "Nuklearwaffen Sicherheit bringen", denn Staaten, die Nuklearwaffen haben, seien nicht angreifbar. Seit dem 11. September 2001 steht die Bekämpfung des Terrorismus im Mittelpunkt des Interesses. Die amerikanische Bevölkerung sei zutiefst verunsichert. Aus dieser Situation heraus wird nun die Hochrüstung in den USA legitimiert. Das Problem des Terrorismus sei jedoch kein Problem von Afghanistan, sondern ein Problem der arabischen Welt. Die Bekämpfung könne nicht mit hergebrachten Systemen erfolgen, jedoch stehen andere nicht zur Verfügung.

USA wollen Wechsel, Briten die Kontrolle äZur Situation im Irak wurde klar, dass die USA den Regimewechsel wollen, im Unterschied zur Bevölkerung Großbritanniens, der es lediglich um die Kontrolle und Vernichtung der Massenvernichtungsmittel gehe. Die Positionierung Deutschlands sei hier couragiert, denn schon alleine aus dem Grundgesetz ergibt sich, dass Deutschland kein Angriffsstaat sein kann. Saddam Husein sei gefährlich und ein Verbrecher, jedoch sei er 1989 erheblich stärker gewesen als es heute objektiv der Fall sei. Daher sei es falsch, hier Ängste aufzubauen. Die USA argumentiert mit dem Besitz von chemischen und biologischen Massenvernichtungsmitteln des Irak, ist jedoch selbst auch in deren Besitz. Die Inspektionen im Irak, die bis 1998 durchgeführt wurden, hatten demnach einen sehr großen Erfolg, somit sei das neue Abkommen zwischen Hans Blix und dem Irak begrüßenswert. Die USA forderten jedoch auch diese Inspektionen militärisch zu unterlegen und einen Regimewechsel herbeizuführen. Der Referent erläuterte, man könne das Verhalten der Bush-Regierung als neo-imperialistisch bezeichnen. So wurden Abrüstungsverträge gekündigt, unter anderem der Kerntest-Stop Vertrag, der ohne Parlamentsbeschluss gelöst wurde. Damit sei offensichtlich, dass die USA planten, wieder Kerntests durchzuführen. Konflikte werden vorrangig mit Gewalt zu "lösen" versucht. Die Stärke, sprich die Bewaffnung der Staaten ist hierbei entscheidend. Politische und diplomatische Lösungen sind nicht en vogue. Gerade durch die aktuelle Haltung der USA wird deutlich, dass das Recht des Stärkeren eine Rolle spielt. Hierbei werden demokratische Grundsätze und solche des Völkerrechts nicht beachtet. Der Referent: "In unserem Institut wurde der Ausspruch geprägt, es gelte nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts": Er will deutlich machen, dass es die Aufgabe demokratischer Staaten und gerade auch eine Aufgabe Europas darstelle, Völkerrecht zu schützen und auf seine Einhaltung hinzuweisen. Zur Rolle Europas belegte er deutlich, dass hier kein einheitliches Handeln möglich sei und das Europa und auch Deutschland daher nicht das Gewicht haben, welches notwendig wäre als Gegengewicht zur derzeitigen amerikanischen Haltung. Europa sei nicht vorbereitet auf den "Cowboystil", mit dem es jetzt konfrontiert sei. Es gebe keine ausreichende gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Es habe sich auch bei vorherigen Konflikten gezeigt (Balkan, Afghanistan), dass die USA die Kriege führten und Europa anschließend die "Sozialarbeit" machen dürfte. Europa muß stärker und einheitlicher werden, um Konflikte auch alleine lösen zu können. Im Anschluß an den Vortrag fand eine angeregte Diskussion in der kleinen Kapelle statt. Dr. Götz Neuneck ist Diplom-Physiker, als wissenschaftlicher Referent am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg liegt sein Schwerpunkt auf neuen Rüstungastechnologien, der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie der Rüstungskontrolle und Abrüstung. Er ist Leiter von Forschungsprojekten für präventive Rüstungskontrolle oder neue konventionelle Rüstungstechnologien sowie auch zu Themen wie Terrorismuis oder Raketenabwehr. Zu diesen Themen hat er zahlreiche Schriften veröffentlicht.

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