Mehrzweckhalle

Probleme beim Brandschutz bestehen weiter

In der Mehrzweckhalle wurden Mängel beim Brandschutz festgestellt. Zwar kann sie weiterhin zum Sport genutzt werden, Zuschauer sind aber immer noch nicht zugelassen.
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In der Mehrzweckhalle wurden Mängel beim Brandschutz festgestellt. Zwar kann sie weiterhin zum Sport genutzt werden, Zuschauer sind aber immer noch nicht zugelassen.

Mehrzweckhalle: Stadtverwaltung erbringt Nachweis mit veralteten Unterlagen.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Schlechte Nachrichten für alle Hückeswagener Vereine, die gehofft hatten, ab Oktober wieder Zuschauer zu ihren Meisterschaftsspielen begrüßen zu dürfen. Denn daraus wird nichts: Bis mindestens Ende dieses Monats werden weiterhin keine Zuschauer zugelassen sein, weil die sogenannte F30-Heißbemessung noch einmal vorgenommen werden muss.

Dabei muss ein Statiker überprüfen, ob das Stahldach-Tragwerk der Mehrzweckhalle einem Feuer mindestens 30 Minuten standhalten kann. So lange hätten Zuschauer und Sportler im Notfall Zeit, aus der Halle zu flüchten. Auch sind weiterhin keine Veranstaltungen zugelassen – wenn doch, dann nur mit einer Brandwache. So geschehen etwa Anfang September bei der Betriebsversammlung der Firma Pflitsch, die ihren eigenen Brandschutz-Beauftragten dafür abgestellt hatte.

Stadt hat Pläne aus 1970ern, Kreis solche aus 90ern

Nach einer Routinekontrolle im Sommer waren einige Mängel im und am Gebäude aufgefallen. Bis zum 30. September hatte die Kreisverwaltung der Stadt eine Frist gesetzt, in der sie den Nachweis erbringen musste, dass das Dach der Mehrzweckhalle einem Brand die Mindestzeitspanne widerstehen kann.

In der Hinsicht kann Dieter Klewinghaus, Leiter des Gebäudemanagements bei der Stadtverwaltung, einen Erfolg vermelden: Die Berechnungen des Prüfstatikers hätten ergeben, dass dieser Richtwert eingehalten werden kann. Der Prüfbericht wurde dem Kreis so auch mitgeteilt. Warum jetzt doch nicht die Halle wieder für Zuschauer und Veranstaltungen ohne Brandwachen geöffnet werden kann, liegt in Versäumnissen der Vergangenheit begründet. Als die Stadt im vorigen Monat den Prüfbericht an den Kreis weitergeleitet hatte, wurde in Gummersbach festgestellt, dass Kreis und Stadt unterschiedliche Unterlagen haben. Während die Kreisverwaltung über jüngere verfügt, arbeitete die Stadt mit denen aus den 1970er Jahren, als die Halle errichtet worden war – am 17. Dezember 1978 war sie eingeweiht worden.

Das bedeutet, dass die Statiker bei ihren Berechnungen im September von falschen, nicht mehr aktuellen Lasten ausgegangen waren, wie Klewinghaus erläutert. Die Unterlagen, über die der Kreis verfügt, sind aus einer Zeit, als das Gebäude saniert und der Dachaufbau offenbar geändert worden war. Wahrscheinlich stammen sie aus den Endneunzigern, denn in dieser Zeit hat es eine Sanierung gegeben, wie der Leiter des Gebäudemanagements sagt.

Warum die Stadt aus dieser Zeit keine Unterlagen hat, weiß er nicht. Klewinghaus ist erst seit Juli 2014 Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

So geht das Spiel von vorne los: Ein Statiker muss die sogenannte F30-Heißbemessung anhand der jüngeren Unterlagen des Kreises vornehmen, ein Prüfstatiker seinen Bericht anschließend noch einmal gegenchecken, ehe die Unterlagen an den Kreis versandt werden können. Klewinghaus geht davon aus, dass der Bericht bis spätestens Ende des Monats nach Gummersbach geschickt werden kann. So lange wird sich auch nichts an der Behebung der übrigen Mängel tun, sind doch noch keine Handwerker gesucht oder gar beauftragt worden: „Wir fangen damit erst an, wenn klar ist, wie es mit dem Dach weitergeht“, betont Klewinghaus. Sollte nämlich die neuerliche Heißbemessung negativ ausfallen, hat die Stadt die nächste Großbaustelle am Hals. Dann nämlich müsste das komplette Dach der Mehrzweckhalle saniert werden. „Da hat es keinen Sinn, vorher etwa die Notbeleuchtung zu erneuern und dann wieder zu demontieren.“

Halle war 1978 gar nicht abgenommen worden

Und dann gibt es da noch eine pikante Sache: Die Halle war 1978 vom Kreis nicht abgenommen worden, weil der Brandschutz damals nicht zertifiziert worden war. Auch das ist jetzt bei der Durchsicht der Unterlagen festgestellt worden. Zu dieser Zeit hatte der Fokus noch nicht so sehr auf dem Brandschutz gelegen wie heutzutage. Daher konnte die Mehrzweckhalle trotz fehlender Abnahme genutzt werden. Was Klewinghaus jedoch ein wenig wundert, ist, dass bei der Sanierung Ende der 1990er Jahre kein richtiges Brandschutzkonzept erstellt worden war. Das sei auch zu dieser Zeit nicht unbedingt notwendig gewesen und wahrscheinlich aus Kostengründen vermieden worden. „Aber jetzt fällt uns das alles auf die Füße.“ Letztlich sei das keine Schlamperei gewesen, betont der Leiter des Gebäudemanagements. „Es war einfach den fehlenden Finanzmitteln der Stadt geschuldet.“

Hintergrund

Vorgeschichte: Bei einer regelmäßigen Brandschutzbegehung der Mehrzweckhalle Anfang Juli mit Vertretern der Kreisverwaltung wurden einige Mängel festgestellt, darunter drei größere Posten.

Notbeleuchtung: Die Notbeleuchtung im Gebäude ist nach dem heutigen technischen Stand nicht mehr ausreichend und muss grundlegend erneuert werden. Das betrifft letztlich die komplette Anlage.

Löschwasser: Die Löschwasserversorgung in der Mehrzweckhalle im Brunsbachtal muss aus hygienischen Gründen geändert werden, wozu Wandhydranten neu eingerichtet werden müssen.

Heißbemessung: Zudem ist der Nachweis erforderlich, dass das Stahldach-Tragwerk einem Brand mindestens 30 Minuten widerstehen kann (die sogenannte F30-Heißbemessung).

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