Vor 100 Jahren war ihr Großvater zu Besuch

Prinzessin Anne aus Großbritannien besucht Militärfriedhof in Etaples-sur-Mer

Prinzessin Anne weilte am Wochenende kurz in Etaples.
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Prinzessin Anne weilte am Wochenende kurz in Etaples.

Gedenkstätte in Hückeswagens Partnerstadt Etaples ist die größte ihrer Art auf dem Kontinent

Von Axel Bornkessel

Etaples-sur-Mer. Die Verwaltung von Hückeswagens Partnerstadt Etaples-sur-Mer hatte sich schon mehrfach im Buckingham-Palast darum bemüht, jetzt hatte sie Glück: Am Wochenende reiste Prinzessin Anne an, um dem größten britischen Militärfriedhof auf dem Kontinent einen Besuch abzustatten. Anlass: Vor 100 Jahren hatte ihr Urgroßvater, König George V., die Stätte besucht und sie zum Besuch für die trauernden Hinterbliebenen freigegeben.

Nun kam Prinzessin Anne, hörte sich die Ansprachen an und vernahm, wie Schüler der Etapler Schulen aus Dokumenten vorlasen. Dann ging sie mit Angehörigen durch die Gräberreihen und hielt dort im Gedenken inne. Es war nicht nur eine schnelle Stippvisite, über zwei Stunden verharrte sie auf dem Gräberfeld.

Es gibt auch einen Abschnitt mit 658 deutschen Soldaten

Dieser Friedhof ist wie kein anderer in Frankreich. Unter den knapp 3000 Gräberfeldern des britischen Commonwealth, die es in Frankreich gibt, nimmt die Nekropole an der Departementalstraße Nr. 940, die nördlich von Etaples nach Boulogne führt, eine Sonderstellung ein.

Hier liegen nicht nur Militärangehörige bestattet, sondern auch Zivilisten oder deutsche Soldaten, die als Kriegsgefangene in den Lazaretten ihren Verwundungen und Krankheiten erlagen, insgesamt 11.500. Im unteren Teil gibt es einen Abschnitt mit den Gräbern von 658 deutschen Soldaten. Darunter befindet sich, wie ein am Eingang ausliegendes Auskunftsbuch vermerkt, das Grab des in Hannover geborenen Arbeiterdichters Gerrit Engelke.

Anders als bei deutschen oder französischen Kriegsgräberstätten, wo die Gefallenen in zentralen Friedhöfen zur letzten Ruhe gebettet sind, begraben die Engländer ihre Toten an der Stelle, wo sie starben. Man empfand das als angebracht gegenüber all jenen Kameraden, die nach den Kämpfen als vermisst galten. Nach dem Ersten Weltkrieg befinden sich daher heute auf den Schlachtfeldern in Nordfrankreich oder an der Somme zumeist kleine und kleinste Friedhöfe.

Alle sind mit einer Mauer aus hellem Sandstein umfriedet, in der Mitte erhebt sich ein Cross of Sacrifice, an ein in die Erde gestecktes Schwert erinnernd. Darum herum gruppieren sich auf gepflegtem Rasengrün die Reihen der Steine. Es sind bisweilen nur bis zu ein, zwei Dutzend. Jeder Gefallene ist mit Namen, Dienstgrad und Truppenteil verzeichnet, ergänzt von Geburts- und Todesdaten. Einige Blumen davor bilden einfachen Schmuck. Manche Steine tragen die Inschrift „Their Name liveth for Evermore“ (Ihr Name lebt für immer) – eine Zeile, die der Dichter Rudyard Kipling, der auch einen Sohn im Krieg verloren hatte, im Alten Testament fand.

Eine Zentrale der Commonwealth War Graves Commission in Arras sorgt dafür, dass französische Vertragsgärtner diese Gräberfelder pflegen. Die anfallenden Restaurier- und Gartenarbeiten werden penibel ausgeführt, und dies seit 1917, als Fabian Ware, ein Angestellter des Roten Kreuzes in London, sich dafür engagierte, dass jedem britischen Soldaten ein Grabstein gesetzt werden müsse.

Ware tat sich mit der Gartengestalterin Gertrude Jekyll und dem Architekten Edwin Lutyens zusammen, der für alle Friedhöfe und Denkmale einen einheitlichen, neoklassizistischen Baustil entwarf. Der französische Staat hat den einst verbündeten Briten für alle Zeiten den Boden für die Anlagen überlassen. Und so entstand auch oberhalb der Dünen an der Canche, die unweit von Etaples in den Ärmelkanal mündet, eine riesige Nekropole. Sie wurde inzwischen in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Hintergrund

Tote: Soldaten In Frankreich ruhen 575 000 Gefallene aus den Ländern des Commonwealth aus beiden Weltkriegen. 110 000 davon sind unbekannte Soldaten.

Gräber: Bestattet sind sie in Einzelgräbern auf 2945 Friedhöfen.

Denkmäler: Die 219 000 Namen von Vermissten hat man auf besonderen Denkmälern festgehalten, etwa in Thiepval an der Somme mit mehr als 72 000 Opfern.

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