Folge des Hochwassers

Positives an einer Naturkatastrophe

Karl-Heinz Vossenbrecher, Vorsitzender des 3-Städte-Depots, zeigt, wie hoch die Flut im Depot an der Peterstraße stand.
+
Karl-Heinz Vossenbrecher, Vorsitzender des 3-Städte-Depots, zeigt, wie hoch die Flut im Depot an der Peterstraße stand.

In der Folge des Hochwassers sind im 3-Städte-Depot Gemeinschaft und Kameradschaft gewachsen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Manchmal kann sich aus einer Katastrophe und den Schäden auch etwas Konstruktives entwickeln – ein Jetzt-erst-recht gegen die Zerstörungswut der Natur. In diesemFall jener des Wassers, das am 14./15. Juli des Vorjahres durch die Straßen der Schloss-Stadt rauschte. Betroffen war auch der Verein für Industriegeschichte 3-Städte-Depot, dessen Halle sich auf dem Gelände der ehemaligen Firma Bêché an der Peterstraße befindet – und vom Wasser, das über die Ufer der Wupper getreten war, stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Karl-Heinz Vossenbrecher, Vorstand des 3-Städte-Depots, erinnert sich noch gut an jenen Tag: „Der Schreck war immens, die Flut war für alle Betroffenen schrecklich. Unsere Mitglieder Ernst Köser und Artur Krzyzanowski waren am Morgen des 15. Juli in der Halle und haben gesehen, wie das Wasser hier auf 80 Zentimeter hoch stand.“ Die beiden hätten den Zustand mit dem Smartphone dokumentiert und in die Whatsapp-Gruppe der anderen Mitglieder geschickt. So schnell, wie das Wasser gekommen war, war es auch wieder weg. „Nach 24 Stunden war es auf nur noch zehn Zentimeter gesunken. Wir haben dann auch die Feuerwehr nicht mehr gerufen – und nach zwei Tagen war es komplett wieder abgeflossen“, sagt Vossenbrecher.

Zurückgelassen hatte es allerdings die Zerstörung. „Und jede Menge Schlamm und Unrat“, sagt Vossenbrecher. Ein großes Problem seien die Motoren der alten Maschinen gewesen. „Wenn die im Wasser gestanden haben, waren sie natürlich kaputt oder zumindest beschädigt. Und auch alles aus Holz auf 80 Zentimeter Höhe war nicht mehr zu gebrauchen – etwa unsere ganze Küche“, sagt Vossenbrecher.

Was ihn auch ein Jahr später noch beeindrucke, sei die Reaktion der Vereinsmitglieder. Angesichts der Wucht der Zerstörung sei es keineswegs verwunderlich gewesen, wenn man die Brocken hingeworfen hätte. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Nach dem ersten Schreckensmoment hat sich eine Jetzt-erst-recht-Stimmung bei uns breitgemacht. Wir haben die Montagsgruppe – jeden Montagvormittag sind wir hier in der Halle – mit 15 schon etwas älteren Semestern, die aber seit der Flut mit noch mehr Einsatz und Herzblut bei der Sache sind“, sagt Vossenbrecher. Die Kameradschaft, das Zusammenstehen sei als unmittelbare Folge der Hochwasserkatastrophe deutlich spürbar gewesen – und halte bis heute an.

„Wir haben etwa 60 Prozent der Motoren bereits wieder zum Laufen gebracht – und am Rest sind wir dran. Außerdem haben wir eine neue Küche eingebaut“, sagt der Vorsitzende. Für die meisten historischen Maschinen gebe es Paten. „Die hegen und pflegen ihre Schätzchen – und waren natürlich sehr bedrückt, als sie die Schäden durch das Wasser gesehen haben. Aber jetzt geht es wieder, und mit jeder reparierten Maschine wird es besser“, sagt Vossenbrecher.

Bis wieder regelmäßig Veranstaltungen stattfinden können, dürften wohl noch rund zwei Monate vergehen. Vereinzelte Angebote gebe es aber auch jetzt schon. „Der Schmiedekursus hat schon wieder stattgefunden oder aktuell ein Bandweberkursus – der erste nach der Flut“, sagt Vossenbrecher. Neben den Reparaturarbeiten habe der Verein die Zeit auch genutzt, um ein wenig aufzuräumen, umzubauen – und auszumisten. „Insgesamt kann man wohl sagen, dass wir im Depot mit einem blauen Auge davongekommen sind“, sagt Vossenbrecher, „es hätte noch sehr viel schlimmer kommen können.“

Ein Punkt, der dem Vorsitzenden des 3-Städte-Depots sehr am Herzen liegt, ist die Unterstützung, die auch sein Verein nach der Flut erfahren habe. „Wir haben in der direkten Folge der Katastrophe sehr viele Spenden bekommen – sowohl von der Stadt, aber auch über Privatpersonen oder Unternehmen. Dafür sind wir unendlich dankbar. Ohne diese Hilfe hätten wir beispielsweise jetzt noch immer keine neue Küche“, sagt Vossenbrecher.

Mit Blick in die Zukunft hoffe er sehr, dass sich eine derartige Hochwasserkatastrophe nicht wiederhole. „Wirklich schützen können wir uns hier im Depot nämlich nicht – und die Nähe zur Wupper ist einfach da.“

Termine

Neben den VHS-Kursen – Bandweberei oder Schmieden – sind auch weitere öffentliche Veranstaltungen geplant. Etwa ein Tag der Offenen Tür in Kooperation mit Rita‘s Weinlädchen aus der Islandstraße. Zudem wolle man künftig jeden zweiten Samstag eines Monats von 10 bis 14 Uhr das Depot für Besucher öffnen.

www.3-staedte-depot.com

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unfall zwischen Hückeswagen und Rade: Zwei Personen verletzt - Rettungshubschrauber im Einsatz
Unfall zwischen Hückeswagen und Rade: Zwei Personen verletzt - Rettungshubschrauber im Einsatz
Unfall zwischen Hückeswagen und Rade: Zwei Personen verletzt - Rettungshubschrauber im Einsatz
Dicke Raupe wird ein Weinschwärmer
Dicke Raupe wird ein Weinschwärmer
Dicke Raupe wird ein Weinschwärmer
Blumberg sorgt selbst für Fachkräfte
Blumberg sorgt selbst für Fachkräfte
Blumberg sorgt selbst für Fachkräfte
Eine Kneipe für Rader und Hückeswagener
Eine Kneipe für Rader und Hückeswagener
Eine Kneipe für Rader und Hückeswagener

Kommentare