Corona-Lage

Personalausfälle führen zu Schließungen

Inhaber Karsten Schlickowey hat sein Deko- und Haushaltswarengeschäft „Stilmix“ an der Islandstraße nach der Corona-Schließung wieder geöffnet.
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Inhaber Karsten Schlickowey hat sein Deko- und Haushaltswarengeschäft „Stilmix“ an der Islandstraße nach der Corona-Schließung wieder geöffnet.

Die Zahl der Corona-Infizierten im Kreis steigt rasant; durch fehlende Mitarbeiter kommt es zu Engpässen.

Von Heike Karsten

Der Eintrag des Stilmix-Teams in den Sozialen Medien am 30. Juni war besorgniserregend – und bisher einmalig in Hückeswagen: „Aufgrund einiger Corona-Fälle in unseren Teams, haben wir zu Eurer Sicherheit beschlossen, das Geschäft für ein paar Tage zu schließen.“ Insgesamt vier Werktage hatte das Shop-in-Shop-Konzept Stilmix und Winkler’s an der Islandstraße zu. Und auch das Fotostudio von Jasmin Feike, die ebenfalls dort integriert ist, hatte dadurch kaum Kundschaft.

„Wir haben den Laden seit 19 Jahren. Es war das erste Mal, dass wir mehrere Tage krankheitsbedingt zumachen mussten“, berichtet Stilmix-Inhaber Karsten Schlickowey. Er ist inzwischen wieder genesen, so wie auch seine Kollegen und die Mitarbeiter. Zwar habe am 1. Juli eine neue Mitarbeiterin bei Stilmix begonnen, „die hätte aber nicht an ihrem ersten Tag den ganzen Laden alleine wuppen können“, betont der Geschäftsmann.

Mitbetroffen war auch Christoph Winkler vom gleichnamigen Modegeschäft. „Das Virus hat eine komplette Rundfahrt durchs Geschäft gemacht“, erzählt der Genesene, der die Quarantänezeit zu Hause ausgesessen hat.

„Normalerweise fällt es mir schwer, zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Aber körperliche Arbeit, wie beispielsweise im Garten, war eher kontraproduktiv und erschöpfend“, berichtet Winkler vom Krankheitsverlauf. Auch aus wirtschaftlicher Sicht seien mehrere Tage, an denen kein Kundenverkehr möglich ist, nicht förderlich. „Für uns ist es wichtig, im Fluss zu bleiben. Denn es kommt immer noch neue Sommerware, und die Leute lassen sich gerne beraten. Besonders der Samstag ist für uns sehr wichtig“, räumt Christoph Winkler ein.

Die erste Mitarbeiterin, die am vergangenen Dienstag wieder im Laden stand, hat erst einmal für frischen Wind und neue Farbe im Schaufenster gesorgt. Während der vier Tage, an denen das Modegeschäft geschlossen bleiben musste, hatte Christoph Winkler viel Zeit zum Nachdenken. „Dabei wird einem vieles bewusst – zum Beispiel wie abhängig man von äußeren Umständen ist.“

Natürlich kennen die Ladeninhaber Zugangsbeschränkungen schon aus dem Corona-Lockdown. Damals wurden Klingeln vor der Ladentür montiert, um den Kunden die Ware außerhalb des Geschäfts überreichen zu können. „Wir haben unsere Klingel für Rollstuhlfahrer während unserer Abwesenheit umgebaut, damit die Kunden in dringenden Fällen zum Fotostudio konnten“, berichtet Karsten Schlickowey.

Das sei aber so gut wie nicht vorgekommen, wie Fotografin Jasmin Feike sagt. „Selbst der Postbote hat sich nicht getraut zu klingeln und seine Post gegenüber abgegeben“, bemerkt sie. Schon Anfang Juni sei sie selbst an Corona erkrankt gewesen und hatte drei Wochen lang nicht arbeiten können. Die Halbjahrespraktikantin habe sich zu dieser Zeit um die Anfertigung der Passbilder gekümmert. Die Begleitung einer Hochzeitsfeier mit der Kamera musste Jasmin Feike komplett absagen. „Ich konnte nur dabei helfen, einen neuen Fotografen zu finden“, bedauert sie die Absage.

Doch nicht nur die inhabergeführten Geschäfte sind aktuell von der schnellen Ausbreitung der Corona-Sommerwelle betroffen. Auch bei der Stadtverwaltung kommt es zu Engpässen. „Wir sind derzeit durchaus etwas belastet, besonders durch die Kombination mit der Urlaubszeit“, informiert Stadtkämmerin Isabel Bever. In den vergangenen drei Wochen sei es zu einem ungewöhnlich hohen Aufkommen an Corona-Erkrankungen unter den Mitarbeitern gekommen, die jedoch zum Glück alle komplikationslos verlaufen seien. Bis jetzt hätten es die Mitarbeiter aber geschafft, alle Angebote für die Bürger aufrecht zu erhalten. „Die einzelnen Fachbereiche tun alles dafür, die Arbeit zu bewältigen. Es ist aber möglich, dass es derzeit etwas länger dauert“, fügt Isabel Bever hinzu.

Die angespannte Personalsituation kann aber auch die Gesundheit und Sicherheit gefährden, wenn beispielsweise zu wenig Mitarbeiter in den Krankenhäusern oder Einsatzkräfte bei den Rettungsdiensten zur Verfügung stehen. Die Hückeswagener Feuerwehr ist davon nicht betroffen. „Es gab vor einigen Wochen und Monaten eine höhere Anzahl an Quarantänefällen und Infizierten – im Moment sind die Zahlen aber rückläufig“, versichert Feuerwehrchef Karsten Binder. Im Südkreis sei es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass sich Einheiten für zwei oder drei Wochen komplett abmelden mussten, weil über die Hälfte der Feuerwehrleute einer Einheit ausgefallen waren. „In Hückeswagen ist das noch nicht vorgekommen“, betont Binder.

Natürlich bereiten sich die Rettungsdienste in Krisensitzungen auf solche Szenarien vor. Und das nicht nur bei krankheits- und urlaubsbedingt fehlenden Einsatzkräften, auch bei einem Großbrand wie beispielsweise in Winterhagen im vergangenen Herbst oder bei der Hochwasser-Katastrophe im Juli 2021 mussten überörtliche Einheiten und weitere Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder das Technische Hilfswerk angefordert werden, die dann Hand in Hand arbeiten. „Darauf sind wir eingestellt“, versichert Karsten Binder.

Corona-Lage

Das Robert-Koch-Institut meldete für den Oberbergischen Kreis am Freitagmittag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 643,7. Der Wert der Neuinfektionen  bewegt sich damit seit Anfang der Woche auf einem konstanten Niveau.

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