Industriepark

Offene Zukunft für das Bêché-Bürogebäude

Vorstandsmitglied Christian T. Fried (l.), Architekt Andreas Bona (M.) und Vorstandsvorsitzender Andreas Otto vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Bêché & Grohs, in dem die Stadt ein Flüchtlingsheimuntergebracht hat. Dahinter erstreckt sich der Industriepark Peterstraße.
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Vorstandsmitglied Christian T. Fried (l.), Architekt Andreas Bona (M.) und Vorstandsvorsitzender Andreas Otto vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude von Bêché & Grohs, in dem die Stadt ein Flüchtlingsheimuntergebracht hat. Dahinter erstreckt sich der Industriepark Peterstraße.

Seit 13 Jahren betreibt die Volksbank im Bergischen Land den Industriepark Peterstraße.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Der Firmenkomplex im Bereich Am Tannenbaum hat eine wechselvolle Geschichte. Mehr als 130 Jahre wurden dort Luft- und Schmiedehämmer produziert, und der Unternehmensname Bêché & Grohs war weltweit ein Qualitätsbegriff. Doch dann ging es schnell: Erst erfolgte die Übernahme des Hückeswagener durch ein württembergisches Traditionsunternehmen, drei Jahre später war endgültig Schluss mit der Produktion an der Peterstraße. Das war 2002. Das gesamte Gelände ging an einen Investor, der dort einen Gewerbepark aufbaute. Seit 2009 gehört der Industriepark Peterstraße – wie das Gelände heute heißt – jedoch der Volksbank im Bergischen Land (damals noch Volksbank Remscheid-Solingen). Der Industriehof Lüttringhausen verwaltet Grundstück und Gewerbeflächen in ihrem Auftrag.

Während die Lager- und Montagehallen gut vermietbar waren, entwickelte sich das markante ehemalige Bêché-Verwaltungsgebäude an der Peterstraße zum „Sorgenkind“. Denn Büroflächen waren und sind in Hückeswagen kaum gefragt. Genutzt wurde und wird es wieder trotzdem – als Flüchtlingsunterkunft. Als 2015/16 die Geflüchteten vor allem aus Syrien und Afghanistan kamen, hatte die Stadt das Gebäude angemietet und Platz für etwa 90 Menschen eingerichtet. Nachdem es zwischenzeitlich zwei Jahre leer stand, hat nun der Ukraine-Krieg für eine Wiederbelegung gesorgt.

Gebäude wurde bei einer Zwangsversteigerung erworben

Die Stadt mietet die Räume erneut als Flüchtlingswohnheim an, zirka 80 Ukrainer leben aktuell dort. Wobei die Volksbank der Stadt die Miete bis Jahresende erlassen hat: „Sie kann das Gebäude mietfrei nutzen und muss nur die Nebenkosten zahlen“, bestätigt Vorstandsvorsitzender Andreas Otto. „Auch wir wollten einen Solidaritätsbeitrag leisten, hier bot es sich an.“ Wobei bei einer Mietfläche von gut 1000 Quadratmetern einiges zusammenkommt: „Das sind mindestens 50 000 Euro, auf die wir verzichten“, stellt Otto klar.

Vor 13 Jahren hatte die Volksbank das gesamte Bêché-Gelände in einer Zwangsversteigerung erworben, nachdem der vorherige Eigentümer in die Insolvenz gegangen war. „Wir haben dann nach und nach viel investiert“, betont Andreas Bona, Architekt der Volksbank. Damals sei der Gewerbepark heruntergekommen gewesen. Seitdem wurde aber in die Substanz der Gebäude, in Fenster und Dächer, den Rauchabzug, die Fassaden sowie den Brandschutz Kapital hineingesteckt. Ebenso in die Heizung, die Elektrik und die Wärmedämmung. „Das hier heute hat nichts mehr mit dem zu tun, was hier noch vor 13 Jahren gestanden hat“, betont Bona und verweist auf die etwa 20 000 Quadratmeter vermietete Fläche.

Es sieht gut aus.

Andreas Bona über die Suche nach einem Nachmieter

Ankermieter ist neben der benachbarten Firma Klingelnberg das Unternehmen GKN Sinter Metals. Allerdings steht seit November fest, dass der Standort Hückeswagen Ende 2022 geschlossen werden soll. Über die Suche nach einem Nachmieter lässt Bona so viel heraus: „Es sieht gut aus.“ Weitere Mieter im Industriepark Peterstraße sind handwerkliche Betriebe, ein Hausmeisterdienst, ein Mietwagen-Unternehmen, die Post mit ihrem Verteilzentrum aber auch das 3-Städte-Depot – das Museum für bergische Industriegeschichte – und die Stadt Hückeswagen, die hier ein etwa 1000 Quadratmeter großes Lager für den Bauhof und ein gut 300 Quadratmeter großes für die Möbel und Betten der Flüchtlingsunterkünfte unterhält. Auch gibt es dort an der Peterstraße einige Garagen.

Problematisch aber bleibt das ehemalige Verwaltungsgebäude. Zwar ist das noch mit Flüchtlingen belegt, für eine andere Nutzung aber „fehlt uns noch die richtige Idee“, gesteht Bona. Ein langfristiger Wohnstandort sei in einem Gewerbebereich nicht möglich, und für Büroflächen fehlt die Resonanz. Selbst als Co-Working-Space, wo Büros spontan und kurzzeitig angemietet werden, sieht Andreas Otto das Gebäude nicht: „Das funktioniert selbst in Großstädten wie Wuppertal nicht“, hat der Vorstandsvorsitzende festgestellt.

Auf jeden Fall soll mittel- bis langfristig überlegt werden, welcher Nutzung das Gebäude zugeführt werden kann. Die Volksbank befindet sich dazu bereits in Gesprächen mit Bürgermeister Dietmar Persian und Bauamtsleiter Andreas Schröder. „Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist gut“, lobt Bona. Und Otto stellt klar, dass der Gewerbestandort an der Peterstraße erhalten werden müsse.

Hintergrund

Gründung: Die Firma Bêché & Grohs wurde 1867 von Jean Bêché sen. als Reparaturwerkstätte gegründet. Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Fabrik hatten die Erfindungen seines Sohns Jean Bêché.

Übernahme: Die Müller Weingarten AG übernahm 1999 das Produktprogramm und alle 32 Mitarbeiter des Schmiedemaschinen-Herstellers und gliederte sie in die neue Schmiedetechnik & Service GmbH ein. 2002 wurde STS aufgelöst, damit fielen die restlichen 16 Arbeitsplätze weg,

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