Am 26. September wird gewählt

Bundestagswahl 2021: Abgeordneter Carsten Brodesser tankt beim beim Wandern im Bergischen auf

Dr. Carsten Brodesser ist seit 2017 Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion und tritt am 26. September erneut an. Foto:
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Dr. Carsten Brodesser ist seit 2017 Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion und tritt am 26. September erneut an.

Dr. Carsten Brodesser tritt für die CDU an.

Von Stephan Büllesbach

Oberbergischer Kreis. Es hätte ein einfacherer Einstieg in das Leben eines Bundestagsabgeordneten sein können, als der, den Carsten Brodesser im Herbst 2017 erlebte. Als Nachfolger des langjährigen oberbergischen CDU-Abgeordneten Klaus-Peter Flosbach war der Lindlarer bei den zähen Koalitionsverhandlungen in Berlin hautnah dabei. Ebenso beim Platzen der vermeintlichen Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen nach sechs Wochen. Erst Anfang 2018 stand dann die Große Koalition mit der SPD.

Die ersten Wochen waren für Brodesser eine Zeit des Einlebens in den Politikbetrieb Berlin. „Wenn man einmal falsch abbiegt, kann es schon mal sein, dass man in der Pressestelle der Linken steht“, erzählt der Christdemokrat lachend. Doch ist das eine Marginalie zu dem, was seit Beginn dieser Legislaturperiode noch alles neu auf die Abgeordneten in der Bundeshauptstadt einströmte. „Mit der AfD sind ein rauer Tonfall und Aggressivität ins Plenum gekommen“, berichtet der 53-Jährige. Dazu kämen Lügen und das Leugnen von Realitäten, sagt er mit Verweis auf den Klimawandel und die Corona-Pandemie. „Das ist erbärmlich“, stellt Brodesser der AfD ein vernichtendes Zeugnis aus.

Apropos Corona: Das Virus hält die Politik in Berlin seit eineinhalb Jahren mächtig auf Trab. „Unsere vordringliche Aufgabe ist es, die Gesundheit und das Leben der Menschen zu schützen“, betont der Lindlarer. Die Politik habe dafür zu sorgen, dass sie auch sicher arbeiten könnten. Daher habe die Regierung etwa das Kurzarbeitergeld und die Soforthilfen auf den Weg gebracht. Auch die Impfstoff-Entwicklung und -Beschaffung habe die Große Koalition forciert. Was das Impfen angeht, ist jedoch Ernüchterung bei dem Bundestagsabgeordneten eingekehrt: „Es ist erst drei Monate her, dass wir versprochen haben, dass im Sommer jedem ein Impfangebot gemacht werden kann. Mittlerweile laufen wir den Menschen hinterher.“

Und apropos Klimawandel: Brodesser, der Mitglied im Finanzausschuss des Bundestags ist und zudem im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sitzt, betont: „Wir hatten die Geschwindigkeit, in der sich das Klima ändert, so nicht auf dem Schirm.“ Das sei in Deutschland jetzt an Ahr und Erft, aber auch im Oberbergischen an Wupper, Leppe und Agger sehr deutlich geworden. „Wir müssen zusehen, dass die Folgen im Rahmen bleiben und wir alles für die Klimaneutralität tun“, fordert der Lindlarer. Allerdings könne Deutschland das Problem nicht allein angehen, auch wenn es als Industrienation einen deutlich höheren CO2-Fußabdruck hinterlasse. „Der Klimaschutz ist eine Herausforderung für die gesamte Menschheit.“ Daher dürfe der in Deutschland nicht isoliert betrachtet, sondern müsse die Diskussion breitgefächert werden. Brodesser: „Der Klimaschutz geht nur auf internationaler Ebene und auf Augenhöhe.“ Die Pandemie lasse sich ja auch nicht allein lösen.

Als vor zwei Monaten die letzte Sitzungswoche vorbei war, hatte der CDU-Politiker gemerkt, dass er platt war und ein weiteres parlamentarisches Jahr in den Knochen hatte. Doch dieses Mal ging es gleich nach dem Urlaub in den Wahlkampf – Zeit zum Ausruhen gab es für ihn somit wenig. Aber der 53-Jährige hat auch weiterhin die Unterstützung seiner Familie. Vor seiner ersten Kandidatur vor vier Jahren hatte Brodesser seine Frau und drei Kinder gefragt, ob sie einverstanden sind. Die Antwort war entsprechend positiv.

Der Klimaschutz ist eine Herausforderung für die gesamte Menschheit.

Dr. Carsten Brodesser

Seitdem ist er jede zweite Woche in Berlin, und gerade diese parlamentarische Zeit ist kaum unter 70 Wochenstunden zu bewältigen. Aber auch in der Zeit, in der er in seinem Wahlkreis arbeitet, ist reichlich zu tun. Nicht selten stehen auch in Oberberg Abend- und Wochenendtermine an, wie etwa das Grußwort bei der Feuerwehr oder aktuell der Wahlkampfauftritt. „Ich habe die vorherigen 25 Jahre in verantwortlichen Positionen verbracht und viel gearbeitet. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem in den vergangenen vier Jahren“, macht er deutlich.

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Das gehe schon physisch und psychisch an die Belastungsgrenze. Trotzdem ist es Brodessers Anspruch, sich für die Menschen in seinem Wahlkreis einzusetzen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Wenn ich etwa sonntags beim Bäcker Brötchen hole und die anderen Kunden oder die Verkäuferin mir Rückmeldungen geben, dann packe ich das in meinen gedanklichen Rucksack“, versichert er.

Der Bundestagsabgeordnete weiß aber, dass er sich bewusst Freiräume schaffen muss. „Wir haben auch einen Nachzügler, und vor allem der will was von seinen Eltern haben.“ Daher blockt Brodesser Zeiten, die nur der Familie oder Freunden gewidmet sind. Dann wandert er gern, „zum Beispiel durchs wunderschöne Bergische Land“. Dann könne er Kraft tanken, sagt er. Auch steht der Lindlarer gern am Herd, dann gibt es wahlweise mediterran-italienische oder Hausmannskost. „Das können ein guter Braten, Rouladen oder Tafelspitz sein“, verrät der Hobbykoch. Das liegt womöglich daran, dass er zu Studienzeiten mehrere Jahre in der Gastronomie als Tellerwäscher und Kellner gearbeitet hat.

Zur Person

Dr. Carsten Brodesser wurde am 5. September 1967 in Lindlar geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Wirtschaftsberater bei einem Beratungsunternehmen in Aachen und Vertriebsleiter eines Beteiligungsunternehmens der Kreissparkasse Köln. Zudem bekleidet er führende Positionen in zwei Immobilienunternehmen im Rheinland. Seit Oktober 2017 ist der Kreisvorsitzende der CDU Oberberg Mitglied des Deutschen Bundestages.

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