Teilnahme noch möglich

Nacktwandern auf legalen Wegen

Schon 2013 wanderten die FKK-Anhänger über den Staudamm der Neye-Talsperre.
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Schon 2013 wanderten die FKK-Anhänger über den Staudamm der Neye-Talsperre.

Am kommenden Wochenende ziehen FKK-Anhänger wieder durchs Bergische Land.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Den Wind und die Sonne auf der Haut zu spüren, vermittelt das Gefühl von Freiheit und macht für FKK-Anhänger die Faszination des Wanderns ohne Kleidung aus. Am Samstag, 23. Juli, wird eine Nacktwanderung auch im Bergischen Land entlang der Neye- und Bever-Talsperre angeboten. Initiiert wurde sie von dem Wuppertaler Günther Ludwig. Der 55-Jährige kam vor etwa 30 Jahren zum Nacktwandern.

Wanderungen im Bergischen Land

„Ich bin eigentlich katholisch-prüde und eher verklemmt erzogen worden. Das angenehme Gefühl des Nacktseins entdeckte ich erst in meinen 20er-Jahren beim Saunieren nach dem Squashspielen“, sagt der gebürtige Memminger (Allgäu), der später in Rösrath gewohnt hat. Beim Nordic Walking in der Wahner Heide, dem zweitgrößten Naturschutzgebiet von NRW, war ihm 2013 ein Nacktjogger entgegengekommen. Das war für den studierten Biologen und Systemadministrator ein einschneidendes Erlebnis. „Für mich war das eine völlige neue Idee, und ich suchte online nach Informationen, ob und was diesbezüglich überhaupt erlaubt ist“, berichtet der 55-Jährige. Ziemlich schnell sei er auf das Internetportal natury.de gestoßen, wo es umfangreiche Informationen zum Thema und auch einen Nacktaktivitäten-Kalender gibt.

„Etwa zwei Wochen später war ich selbst alleine nackt in der Wahner Heide beim Nordic Walking. Zuerst ging mir echt die Düse, und mein Puls war bestimmt über 180, aber nach den ersten positiven beziehungsweise maximal neutralen Begegnungen mit Textilen war ich sehr begeistert. Seitdem war ich unzählige Male in der Wahner Heide beim Nudic Walking“, erzählt Ludwig von den Anfängen seiner sportlichen Leidenschaft.

Im September 2013 schloss er sich seiner ersten Gruppennacktwanderung rund um die Neye-Talsperre an, was eine neue, schöne Erfahrung war. Die allermeisten Begegnungen waren positiv. „Einige sagten, sie würden am liebsten sofort nackt mitgehen, wenn sie sich trauen würden“, berichtet Günther Ludwig.

Neben den Wanderungen in der Gruppe war er mehrmals wöchentlich alleine oder mit Bekannten in Wuppertaler und Solinger Wäldern beim Nudic Walking unterwegs. Inzwischen hat er selbst etwa zehn größere Gruppen-Nacktwanderungen initiiert. Die Teilnehmerzahl variiert von fünf bis 25. „Leider ist die Zahl der teilnehmenden Frauen immer noch sehr gering“, bedauert Ludwig. Er selbst glaubt, dass der gesellschaftliche Druck bezüglich des Aussehens bei Frauen zu groß ist. „Ich selbst genieße bei meinen Nacktivitäten vor allem die Freiheit und den direkten Kontakt zur Natur und Witterung. Man muss es einfach einmal probiert haben, um dies nachfühlen zu können“, betont der Wuppertaler, der zurzeit als Anleiter in einer Behindertenwerkstätte arbeitet.

Wir haben alle keine Modellkörper.

Günther Ludwig

Auf seiner Internetseite „NRW macht sich frei“ macht er Neueinsteigern Mut. Dort heißt es: „Wir haben alle keine Modellkörper. Es ist bei Nacktivitäten immer wieder wohltuend zu spüren, wie wenig Bedeutung die alltäglich aufoktroyierten Vorstellungen davon haben, wie man auszusehen hat.“ Ebenso wird betont, dass es bei den naturistischen Freizeitaktivitäten ausdrücklich nicht um Erotik oder sexuelle Aktivitäten geht. Außerdem werde niemand wegen Äußerlichkeiten oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert. „Wir gehen respektvoll miteinander um und achten andere Meinungen“, heißt es weiter.

Unbekleidet zu wandern ist in Deutschland nicht verboten. Es wird jedoch empfohlen, einen genehmigten Nacktwanderweg oder abgelegene Gegenden zu nutzen. Auch Ludwig achtet bei der Streckenplanung darauf, dass die Wege nicht zu sehr frequentiert sind. Sonntage, an denen erfahrungsgemäß viele Spaziergänger unterwegs sind, werden gemieden. „Außerdem sollen die Wege möglichst barfußtauglich sein, da einige Teilnehmer gerne vom Scheitel bis zur Fußsohle nackig wandern möchten“, berichtet Ludwig.

Bei der Wanderung durchs Bergische Land ist auch ein Badeaufenthalt an der Bever geplant, sollten die Temperaturen mitspielen. Hier gibt es einen inoffiziellen FKK-Badestrand am Bever-Ufer zwischen Großhöhfeld und Höhe, wie Roland Kissau vom Ordnungsamt berichtet. Angemeldet werden müsse die Nacktwanderung bei der Stadt nicht. Günther Ludwig gibt der zuständigen Polizei per E-Mail jedoch vorab bekannt, in welchem Gebiet die Nacktwanderer unterwegs sein werden: „So können irritierte Anrufer gegebenenfalls gleich beruhigt werden, dass wir eben nur Nacktsportler sind, die nichts Schlimmes im Sinn haben.“ Denn ab und zu treffe man auch auf Personen, die das nicht lustig finden.

Unvergessen geblieben ist ihm eine Begegnung vor vier Jahren, als eine Motorradstreife auf die Nacktwandergruppe traf. „Der Polizist fuhr in Schrittgeschwindigkeit an uns vorbei, wendete und rief im Vorbeifahren, dass er hoffe, dass wir auch alles gut mit Sonnencreme eingeschmiert hätten“, erzählt er und lacht.

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Hintergrund

Anmeldung: Wer sich für eine Teilnahme an der Nacktwanderung an der Neye- und Bever-Talsperre interessiert, kann sich über das Anmeldeformular bei natury.de oder nrw-macht-sich-frei.yocoo.de registrieren und bekommt dann Treffpunkt, Uhrzeit und Streckeninformationen mitgeteilt. Gewandert wird etwa 13 Kilometer mit einem zweistündigen Badeaufenthalt.

 Einkehr: Nach der Wanderung kehrt die Gruppe in eine Gaststätte ein – natürlich bekleidet. Die Wanderung findet nur bei gutem Wetter mit Temperaturen von mindestens 20 Grad Außentemperatur statt.

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