50 Ehejahre

Nach sechs Monaten um Hand angehalten

Der Mittelpunkt von Dagmar und Hermann Wolf ist der zwölfjährige Golden Doodle „Chicco“. Mit ihm geht es jeden Morgen eine Runde entlang der Bever-Talsperre.
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Der Mittelpunkt von Dagmar und Hermann Wolf ist der zwölfjährige Golden Doodle „Chicco“. Mit ihm geht es jeden Morgen eine Runde entlang der Bever-Talsperre.

Dagmar und Hermann Wolf blicken auf 50 Ehejahre zurück – Seit 1994 wohnt die Familie in Hartkopsbever

Von Heike Karsten

Hund Chicco spielt im Leben von Dagmar (70) und Hermann Wolf (74) seit zwölf Jahren eine große Rolle. Nach dem Frühstück am frühen Morgen geht es nämlich los zur großen Gassi-Runde entlang der Bever-Talsperre. Und auch die Urlaube werden seitdem nur noch mit dem Golden Doodle geplant. So geradlinig wie die Entscheidung für ein Haustier getroffen wurde, so verlief auch das gemeinsame Leben der Hückeswagener in den vergangenen 50 Jahren.

Dagmar und Hermann Wolf heirateten kirchlich am 11. August 1972 in der ehemaligen Johanniskirche, inzwischen ein Kolumbarium.

Morgen, Donnerstag, können Dagmar und Hermann Wolf ihre Goldhochzeit feiern – und das, obwohl die Entscheidung zu heiraten bereits nach einer Kennenlernzeit von gerade einmal sechs Monaten fiel. „Wir haben uns in einem Remscheider Nachtclub kennengelernt und sind ins Gespräch gekommen“, erinnert sich Hermann Wolf. Er war dort Gast, während Dagmar Neumerkel, wie sie damals noch hieß, hinter der Theke stand und sich etwas Geld nebenbei verdiente. Neben den Gesprächen an der Bar traf sich das Paar zu Spaziergängen, Restaurantbesuchen oder im Dhünner Strandbad. „Nach sechs Monaten habe ich der zukünftigen Schwiegermutter Blumen mitgebracht und bei dem Schwiegervater nach alter Sitte um die Hand seiner Tochter angehalten“, erinnert sich Hermann Wolf.

Polterabend wurde in Hartkopsbever am Elternhaus von Dagmar Wolf gefeiert. „Wir haben mit über 300 Leuten gefeiert, die sogar mit Bussen aus Remscheid kamen“, erinnert sich das Paar lachend. Die Hochzeit folgte am 11. August 1972 zunächst im Hückeswagener Standesamt, später kirchlich in der Johanniskirche. „Unsere erste Wohnung mit zweieinhalb Zimmern hatten wir am Hasenberg in Lennep“, sagt Hermann Wolf. Nach der Geburt der Tochter 1974 zog die Familie in eine größere Wohnung – ebenfalls am Hasenberg – um. „Insgesamt haben wir 20 Jahre in Lennep gewohnt“, fügt der 74-Jährige hinzu. In den 1990er-Jahren kaufte das Paar schließlich das Elternhaus von Dagmar Wolf in Hartkopsbever. „Wir sind aber erst nach dem Abitur unserer Tochter 1994 hier eingezogen, damit sie nicht die Schule wechseln musste“, erklärt die Jubilarin.

Beruflich verlief das Leben der Ehepartner ebenso geradlinig. Hermann Wolf, der in Remscheid geboren wurde, hatte bei den Deutschen Edelstahlwerken (DEW) eine Ausbildung zum Dreher gemacht und blieb dem Unternehmen 50 Jahre lang treu. Dagmar Wolf, geboren im oberbayerischen Rosenheim, kam mit drei Jahren nach Hückeswagen. Sie erlernte den Beruf der Steuerfachangestellten und wagte später den Schritt in die Selbstständigkeit. Seit 35 Jahren bietet sie einen Büro-Service an, seit 15 Jahren ist Dagmar Wolf Bezirksstellenleiterin vom Lohnsteuerhilfeverein. Viel Zeit investiert die 70-Jährige aber auch in das Ehrenamt als Sterbe- und Trauerbegleiterin und Mitglied des geschäftsführenden Leitungsteams des Ökumenischen Hospizdiensts Wipperfürth. Ebenso engagiert sie sich im Trauertreffpunkt „Lebenscafé“ und als „Hückeswagener Helferlein“.

Manchmal werden ihm ihre Termine zu viel...

Mit dem Thema Hospiz und der Sterbebegleitung ist Dagmar Wolf durch die schwere Alzheimererkrankung ihrer Mutter in Kontakt gekommen. Mit den Gefühlen, die diese Arbeit mitunter auslösen kann, kann die 70-Jährige umgehen. „Es ist ja nicht nur Sterbebegleitung — man weint und lacht mit den Leuten. Ich kann das ganz gut trennen“, versichert sie.

Zum Ausgleich spielt Dagmar Wolf zweimal pro Woche Tennis in Bergisch Born und ist dort als Schatzmeisterin im Vorstand. Eine weitere Leidenschaft ist das Singen im Frauenchor Schückhausen. „Das Singen ist was für die Seele“, fügt sie hinzu. Ihrem Ehemann werden die zahlreichen Termine manchmal zu viel. „Die ehrenamtliche Arbeit nimmt schon viel Zeit in Anspruch“, gibt die Hückeswagenerin offen zu. Doch Hermann Wolf kann sich durchaus gut selbst beschäftigen. So geht er dreimal pro Woche ins Fitnessstudio – „manchmal wird auch mehr geschwätzt als trainiert“, wie er gesteht –, fährt Fahrrad oder liest Krimis. Seine handwerklichen Fähigkeiten nutzt er für die Instandhaltung des Hauses. Ebenso hat er beim Bau des Einfamilienhauses seiner Tochter mitgeholfen. Beim Umzug von Lennep nach Hückeswagen gab es für die Wolfs direkt ein großzügiges Willkommensgeschenk. „Wir hatten uns bei Möbel Happel eine neue Küche gekauft und mit den Losen einen Ford Fiesta, den Hauptgewinn der Weihnachtsverlosung, gewonnen“, gibt Dagmar Wolf preis.

In guter Erinnerung sind auch die zahlreichen Familienurlaube auf Mallorca oder im ehemaligen Jugoslawien geblieben. Die Feiern mit Nachbarn sind in Hartkopsbever immer ein freudiger Anlass, sich zu treffen. An Silvester wird gerne mit einem Glas Sekt angestoßen. „Wir feiern auch Hoffeste und jedes Jahr ein Lichterfest am 1. Advent“, berichten die Anwohner.

Ein Patentrezept für eine glückliche Ehe hat das Goldhochzeitspaar zwar nicht, dafür aber Tipps. „Man muss Zugeständnisse machen und dem Partner Freiräume lassen“, ist Hermann Wolf überzeugt. Ein Freund der Familie hatte damals beim Polterabend gesagt: „Ich gebe euch ein halbes Jahr.“ Er sollte nicht recht behalten. „Der Bekannte ist auch zur Goldhochzeitsfeier eingeladen“, kündigen die Jubilare schmunzelnd an. Die findet im Kolpinghaus statt.

August 1972

Medien: Die Bauer-Verlagsgruppe bringt die deutsche Ausgabe des Männermagazins „Playboy“ auf den Markt.

Bildung: Fünf integrierten Gesamthochschulen in Essen, Siegen, Wuppertal, Paderborn und Duisburg werden eingerichtet.

Wetter: Ein Gewittersturm mit Hagel verursacht in Stuttgart Schäden in Millionenhöhe.

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