Konzert

Musiker erwärmen die Herzen

Imposant: Das Weihnachtsoratorium in der Pauluskirche begeisterte die Zuhörer.
+
Imposant: Das Weihnachtsoratorium in der Pauluskirche begeisterte die Zuhörer.

Kammerchor Vocale sang Auszüge aus dem Weihnachtsoratorium.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Musik kann das Herz wärmen. Das zeigte sich am späten Nachmittag des frostigen dritten Adventssonntags in der kühlen Pauluskirche. Da strahlte nämlich Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium wie ein musikalischer Heizpilz so viel musikalische Wärme ab, dass man die winterliche Kälte, die durch die Energiesparpolitik in der Kirche kaum gemindert wurde, beinahe vergaß. Das Weihnachtsoratorium wurde vom Kammerchor „Vocale“ der evangelischen Kirchengemeinde mit dem Kölner Barockorchester musica sacra und den Solisten Veronika Madler (Sopran), Cornelia Orendi (Alt), Michael Brauer (Tenor), Markus Auerbach (Bass) in Auszügen gegeben.

Das ganze Werk wäre für ein normales Konzert viel zu lang. Daher hatte sich Kantorin Inga Kuhnert dazu entschieden, nur die Kantaten I, II und V aufzuführen. Weniger kann auch mehr sein – vor allem, wenn es musikalisch so hochwertig dargeboten wurde, wie an diesem Sonntagnachmittag vor den vollen Reihen eines am Ende begeisterten Publikums. Schon der Beginn mit dem „Jauchzet, Frohlocket“ packte einen direkt und das nicht nur, weil es mit Pauken und Trompeten richtig zur Sache ging. Die Akustik in der Pauluskirche sorgte für einen dichten Klang, besonders dann, wenn Orchester und Chor gemeinsam alles gaben. Der Chor mit seinen etwa 30 Stimmen erfüllte den Kirchenraum mit einer eindrucksvollen Strahlkraft und sauberer Intonation, was umso eindrucksvoller war, da es sich ja um einen Laienchor handelte. Der aber auf einem hohen musikalischen Niveau agierte – sicher ein Verdienst der intensiven Probenarbeit der Kantorin.

Instrumente mussten wegen der Kälte nachgestimmt werden

Auch das Orchester beeindruckte. So etwa in der Einleitung zur Kantate II, die rein instrumental war und die Musiker auf ihren historischen Instrumenten zeigen lassen konnte, wie das Weihnachtsoratorium zu Bachs Zeiten wohl geklungen haben mochte. Dass die Kälte in der Kirche ein ausgiebiges Nachstimmen zwischen den drei Kantaten nötig machten, war hingegen kein Problem der historischen Instrumente.

Nicht nur als musikalisches Gerüst und Chorbegleitung fungierte das Orchester, es war auch eine Art Handlauf für die Rezitatitive und Arien der vier hervorragenden Solisten. Die rundeten das Weihnachtsoratorium ab.

Nicht nur war es eindrucksvoll, die unterschiedlichen Stimmlagen die Weihnachtsgeschichte singend erzählen zu hören. Dabei überzeugten alle vier Sänger. Sei es nun Markus Auerbach, der besonders in seiner Bass-Arie in Kantate V zur Oboen-Begleitung brillierte. Sopranistin Veronika Madler sang schon einmal von der Kanzel herab, was ihre Darbietung noch eindrucksvoller werden ließ. Michael Brauers Tenor hatte einen gewissen Schmelz, der genauso gegen die in die Beine kriechenden Kälte wirkte, wie der warme Alt von Cornelia Orendi.

Inga Kuhnerts Idee, den fulminanten Schlusschor der Kantate VI an den Schluss der Kantate V zu setzen, ging blendend auf. Noch einmal erklangen Chor und Orchester gemeinsam, noch einmal gaben die Pauken und Trompeten alles, es wurde noch einmal „gejauchzet, frohlocket“, ehe das Publikum das Seinige machte und dieses großartige Konzert mit lautstarkem und begeistertem Applaus in absolut angemessener Weise würdigte. Stehende Ovationen inklusive.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Lichterabend lädt zum gemütlichen Bummeln ein
Lichterabend lädt zum gemütlichen Bummeln ein
Lichterabend lädt zum gemütlichen Bummeln ein
Berufskraftfahrer müssen Tauglichkeit nachweisen
Berufskraftfahrer müssen Tauglichkeit nachweisen

Kommentare