Hobby

Meistertitel für Vogelzüchter Horst Rubel

Horst Rubel ist Deutscher Meister 2022 im Züchten von Erlenzeisigen.
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Horst Rubel ist Deutscher Meister 2022 im Züchten von Erlenzeisigen.

Erlenzeisige belegen Platz eins bei Deutscher Meisterschaft.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Wenn Horst Rubel zu seinen Vögeln geht, klopft er vorher an die Tür. „So erschrecken sie nicht und wissen, dass ich komme“, erklärt der Hückeswagener. Seine Mütze muss er jedoch absetzen, denn die mögen die Tiere nicht. Seit mehr als 30 Jahren züchtet der 80-Jährige Vögel – zuerst Kanarienvögel, heute Erlenzeisige. Mit der Spezialisierung auf eine Art hat der ehemalige Wermelskirchener, der in Kirschsiepen an der Stadtgrenze zu Rade wohnt, großen Erfolg. Schon mehrfach wurde er für seine Zuchterfolge ausgezeichnet und war bereits zweimal Weltmeister – in Kroatien und Portugal. Im Dezember belegte seine Kollektion aus vier Einzelvögeln den ersten Platz bei der 72. Deutschen Meisterschaft in Bad Salzuflen mit 365 von insgesamt 400 Punkten. Bewertet wurden dabei Farbe, Zeichnung, Typ und Größe, Gefieder, Haltung und Kondition der Tiere. Dafür hat der Züchter einen guten Blick.

Der Hahn würde die Eier fressen

Zwei Stunden täglich verbringt er bei seinen Vögeln. Die meiste Zeit nimmt das Füttern der Tiere und das Säubern der großen Volieren in Anspruch. Für die Zucht wird ein Paar separiert und muss dann beobachtet werden. „Sobald das Weibchen ein Nest baut und Eier legt, muss der Hahn raus, sonst frisst er die Eier“, sagt Horst Rubel. Nach üblicherweise 13 Tagen schlüpfen bereits die Jungvögel; nach vier Wochen können sie von der Mutter getrennt werden. Dann kommen sie in die Freiflug-Voliere, wo sie nach Herzenslust fliegen und baden können.

Spannend wird es wieder im Herbst. „Sie müssen zügig durch die Mauser gehen, sonst wird das Gefieder fleckig“, berichtet Horst Rubel. Nachgeholfen wird nicht. „Das ist nicht gewollt und würde der Punktrichter sofort sehen“, erklärt er. 38 Vögel hat der erfahrene Züchter derzeit, von denen er auch immer wieder welche an andere Züchter-Kollegen verkauft. Besonders nach solchen Erfolgen wie bei den Verbands- oder Deutschen Meisterschaften ist die Nachfrage nach seinen Erlenzeisigen groß. Bis zu 50 Euro ist ein Prachtexemplar wert. Das Geld wird sofort wieder in das Stieglitz-Zeisig- und das relativ teure Aufzuchtsfutter gesteckt. Ein Fünf-Kilo-Sack des feinen und mit besonderen Zutaten angereicherten Qualitätsfutters für Jungvögel kostet locker 40 Euro. Reich wird man damit nicht.

Blick in die Voliere von Horst Rubel: 38 Vögel hat der erfahrene Züchter aus Hückeswagen derzeit, von denen er auch immer wieder welche an andere Züchter-Kollegen verkauft.

„Es ist und bleibt ein Hobby“, betont Horst Rubel. Zur Vogelzucht gekommen ist er durch einen Zeitungsartikel über Rudi Koll aus Tente: Der Kanarienvogelzüchter ist mehrfacher Weltmeister. Das hat Horst Rubel, der aus Stumpf stammt und mit Dawerkuser-Dialekt spricht, sofort angesprochen. 1986 trat er in den Farbkanarienzucht- und Vogelschutzverein Solingen ein, in dem er seit 2019 Ehrenmitglied ist. Über die Vogelzucht hat er auch seine Ehefrau kennengelernt, durch die er nach Hückeswagen kam. „Für dieses Hobby braucht man eine Frau, die Verständnis dafür hat, sonst lässt man es besser sein“, sagt der 80-jährige ehemalige Dachdecker, der für sein Hobby auch auf Reisen verzichtet.

Mit dem aktuell 1. Platz bei der Verbandschau in Ronsdorf im Oktober und bei der Deutschen Meisterschaft in Bad Salzuflen im Dezember hat sich Rubel erneut für die Weltmeisterschaft qualifiziert. „Daran nehme ich aber nicht teil, das ist mir mittlerweile zu anstrengend“, sagt er. Ein Vereinskollege hatte seine Tiere zum „Schönheitswettbewerb“ der Vögel nach Bad Salzuflen mitgenommen. Dazu stehen spezielle Transporttaschen bereit. Sechs Wochen vor dem Wettbewerb wird mit den ausgewählten Vögeln das Schautraining absolviert. „Sie müssen dann langsam an die kleinen Ausstellungskäfige gewöhnt werden“, sagt der Züchter.

Erlenzeisige sind heimische Waldvögel, die Horst Rubel auch an seinem Futterhäuschen am Haus beobachten kann. Fangen darf man die Tiere nicht. Andersherum wäre eine Auswilderung der Zuchttiere durchaus möglich. „In Gefangenschaft haben sie eine Lebenserwartung von sechs Jahren, in freier Natur werden sie etwa vier Jahre alt“, sagt der Tierfreund mit Zuchtgenehmigung. Seine Vögel sind fast schon zutraulich und kennen ihren Halter. „Die Erlenzeisige haben mir imponiert“, erklärt der Züchter seine besondere Vorliebe. Auf den Finger, wie beispielsweise Wellensittiche, kommen die Zeisige nicht. „Ein gewisser Abstand liegt ihnen einfach im Blut“, sagt Horst Rubel und lacht.

Erlenzeisig

Vorkommen: Der Erlenzeisig (Carduelis spinus) ist ein farbenfroher, zierlicher Singvogel und in europäischen Nadelwäldern weit verbreitet.

Körperbau: Der Vogel ist etwa zwölf Zentimeter lang und bis zu 16 Gramm schwer. Die Männchen unterscheiden sich durch ihre leuchtend gelbe Brust von den grau-grün gefärbten Weibchen.

Gelege: Gebrütet wird zweimal im Jahr im April und Juli. Erlenzeisig-Weibchen legen zwischen zwei und sechs Eier pro Gelege.

Nahrung: Die Vögel ernähren sich von Baumsamen (Erlen, Fichten), Nüssen und Insekten.

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