Weihnachten

Lichterfahrt 2023 auch in der Schloss-Stadt?

Die Lichterfahrt sollte nicht nur für eine weihnachtliche Stimmung sorgen, sondern machte auch auf die Probleme der Landwirte aufmerksam.
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Die Lichterfahrt sollte nicht nur für eine weihnachtliche Stimmung sorgen, sondern machte auch auf die Probleme der Landwirte aufmerksam.

Beim Umzug weihnachtlich gestalteter Traktoren in Wipperfürth standen auch viele Hückeswagener am Straßenrand.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Dass Jakob kein Wort herausbrachte, lag nicht an der winterlichen Kälte, sondern an den vielen bunten und beleuchteten Treckern, die am Sonntagabend an dem Knirps, seiner Schwester Leni (3) und seinen Großeltern aus Hückeswagen auf der Wipperfürther Weststraße vorbeifuhren. Als der Sechsjährige seine Sprache wiederfand, rief er laut seinem Opa Bernd Block jedem zweiten Trecker hinterher: „Das habt Ihr toll gemacht!“

Ähnlich sahen das die vielen Hundert Zuschauer der Lichterfahrt, die durch die gesamte Innenstadt führte. 95 Traktoren, zwei Lkw und ein Feuerwehrwagen hatten ihnen mit viel Kreativität, etlichen Lichterketten, aufblasbaren Nikoläusen und Eisbären sowie Rentierschlitten jede Menge vorweihnachtliche Freude bereitet – und das bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Auch aus der Schloss-Stadt waren viele in die Nachbarstadt gefahren, um sich das Lichterspektakel anzuschauen. Denn in Hückeswagen gibt es das nicht – was sich aber vielleicht 2023 ändern könnte.

Christian Felbeck, Vorsitzender der Ortsbauernschaft, hat Sympathien für die Lichterfahrt. „Das ist eine richtig nette Geschichte“, versichert er. Dass sich bislang in der Schloss-Stadt in dieser Hinsicht noch nichts getan hat, während in Wipperfürth schon zum dritten Mal die Traktoren unterwegs waren, hat laut Felbeck organisatorische Gründe: „Wir haben hier in Hückeswagen hauptsächlich Milchviehwirtschaft. Wenn abends die Trecker fahren sollten, müssen wir aber melken.“ Es müsse also jemand gefunden werden, der entweder das Melken der Kühe übernimmt oder den geschmückten Traktor steuert.

Bislang sei die Lichterfahrt zwar noch kein Thema in der Ortsbauernschaft, aber der Vorsitzende will es bei der nächsten Sitzung Anfang des neuen Jahres ansprechen. Dabei erhofft er sich Unterstützung aus Wipperfürth, wo die Lichterfahrt inzwischen schon eine eingespielte Veranstaltung ist. „Wenn die Trecker eh schon geschmückt sind, könnten ja einige vielleicht auch in Hückeswagen fahren“, wirft Felbeck in den Raum.

Wenn es denn tatsächlich eine Lichterfahrt auch der hiesigen Landwirte geben sollte, könnte sich der Vorsitzende vorstellen, das im Zusammenhang mit dem Weihnachtsmarkt „Hüttenzauber“ zu machen. „Wir können zwar nicht hoch zum Schloss fahren, aber dann wären die Leute eh schon auf der Straße“, argumentiert Felbeck. „Das würde die Sache abrunden.“

Hilfe aus der Hansestadt würden die örtlichen Landwirte von Friedel Kausemann erhalten. Der Inhaber der gleichnamigen Wipperfürther Lohnunternehmung ist von Beginn an nicht nur für die Organisation in der Nachbarstadt zuständig, sondern stellt für dort auch einen Teil seiner Fahrzeuge und Fahrer zur Verfügung.

Allerdings betont er, dass er nicht auch für die Schloss-Stadt die Organisation übernehmen würde. Die Arbeit und Verantwortung reichen ihm schon für eine Stadt. „Das bedürfte dann einer entsprechenden Abstimmung.“

2020 war über die Gruppierung „Land schafft Verbindung“ in Wipperfürth die erste Lichterfahrt organisiert worden. Im Lockdown sollte den Menschen mit den beleuchteten und geschmückten Fahrzeugen die Weihnachtsstimmung gewissermaßen nach Hause gebracht werden. Daraus ist inzwischen die große Lichterfahrt geworden. Die Abstimmung mit dem Ordnungsamt der Hansestadt und der Polizei funktioniert sehr gut.

Wichtig ist Kausemann aber vor allem, dass sich die Landwirte ins Gedächtnis der Menschen rufen. Denn die Lichterfahrten dienen auch als stiller Protest dafür, dass ihnen für ihre Produkte wie Milch oder Schweinefleisch endlich vernünftige Preise gezahlt werden. Und dass auch Verbraucher ihren Beitrag leisten. Kausemann: „Bio finden alle gut, die Preise dafür wollen aber viele nicht zahlen.“

Bernd Block hatten am Sonntagabend zwei Gründe in die Hansestadt geführt, um sich die 98 weihnachtlich geschmückten Fahrzeuge anzusehen. Zum einen eben als Einstimmung in den Advent, zum anderen aber auch, um gemeinsam mit seiner Ehefrau und den Enkeln den Landwirten Respekt zu zollen. „Wenn die sich schon solche Mühe machen, haben sie auch Applaus verdient“, betont der Hückeswagener. „Und ohne die Bauern läuft nichts“, nimmt er die Aussagen der Banner auf, die an einigen Traktoren zu sehen waren.

Auch für die Schloss-Stadt kann sich Block eine Lichterfahrt „sehr gut vorstellen“. Das Interesse dafür dürfte groß sein, wie in Wipperfürth zu sehen gewesen sei. Dann wäre nicht nur sein begeisterter Enkel Jakob in Hückeswagen garantiert dabei.

Hintergrund

„Land schafft Verbindung“ (LSV) ist eine deutschlandweite, parteipolitisch neutrale Gruppierung von Landwirten, die sich im Oktober 2019 gründete. Anlass zur Gründung war ein Agrarpaket der Bundesregierung, wogegen viele Landwirte protestierten. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten gibt es inzwischen zwei Gruppierungen mit dem Kürzel LSV.

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