Gemeinschaft

Letzter Vorhang für den Pfarrcäcilienchor

Das Adventskonzert im November 2015 in der Pfarrkirche war einer der letzten Auftritte des Pfarrcäcilienchors.
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Das Adventskonzert im November 2015 in der Pfarrkirche war einer der letzten Auftritte des Pfarrcäcilienchors.

Nach 217 Jahren hat sich der katholische Kirchenchor aufgelöst.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist ein Ende, das sich in den vergangenen Monaten angekündigt hat. Zwar hat auch die Corona-Pandemie das Ihrige dazu beigetragen, aber auch schon vorher war der Pfarrcäcilienchor nur noch selten aktiv sicht- und vor allem hörbar gewesen. Das letzte Konzert des Kirchenchors der katholischen Gemeinde mit Dirigentin Christine Langmaack, die dann jedoch wenig später ihre Kündigung einreichte, fand zu Weihnachten 2019 statt. Und dann kam Corona – was in der Konsequenz für alle Chöre landauf, landab, eine Zwangspause bedeute.

Eine Nachfolge für das Dirigat zu finden – zumal unter den erschwerten Pandemie-Bedingungen – hat sich letztlich als unmöglich erwiesen. Schließlich wurde im Juni dieses Jahres das wahr, was vor allem angesichts des hohen Altersdurchschnitts der Sängerinnen und Sänger enorm schade ist: seine Auflösung. Am Donnerstagabend fand nun im Saal des Kolpinghauses eine Art Abschiedsabend statt, zu dem über 50 ehemalige Sängerinnen und Sänger gekommen waren.

Nachwuchsmangel, damit einhergehende Überalterung des Chors und letztlich das nicht lösbare Problem des Dirigats – die Gründe für das Ende des Pfarrcäcilienchors lagen auch für den Vorstand auf der Hand. „Es ist sehr schade, ich habe meine ersten Erfahrungen schon bei den Schloss-Spatzen gesammelt“, erzählte die (nun ehemalige) Chor-Vorsitzende Ursula Klatt. „Dass jetzt nach 217 Jahren diese Chor-Ära zu Ende geht, ist auch für Hückeswagen einfach nur sehr schade.“

Dass der Abend dennoch alles andere als wehmütig und traurig wurde, dafür sorgten nicht nur das üppige Büffet im Kolpinghaus, das aus den Resten der Chorkasse finanziert wurde, sondern auch die zahlreichen Anekdoten, die im Laufe des launigen Abends erzählt wurden.

So berichtete etwa Maria Guski über eine schon mehrere Jahre zurückliegende Chorfahrt nach Bamberg, bei der dem Chor am Samstagnachmittag beim Bummel durch die Innenstadt ein soeben getrautes Brautpaar begegnete. Das 2016 verstorbene Chor-Urgestein Franz Mostert habe das Paar dann gefragt, ob man ein Ständchen singen dürfe. „Sowohl das Brautpaar als auch wir selbst hatten dabei tatsächlich Tränen in den Augen“, sagte Maria Guski. Ellen Schmidt ergänzte: „Diese Gesangseinlage hat uns allen eine große Freude bereitet.“

Cäcilia Leymann indes erinnerte sich besonders gerne an die drei Aufführungen des Pop-Musicals „Die zehn Gebote“ in Wipperfürth. „Das war 2014 ein wirkliches Highlight“, versicherte sie.

Bevor das Büffet eröffnet wurde, wurde auch noch einmal ein wenig gesungen, als das alte Volkslied „Das Morgenrot“ zu Ehren kam. Das klang dann auch, obwohl ganz und gar spontan und nicht einstudiert, durchaus sehr stimmgewaltig – und machte ganz nebenbei deutlich, wie groß der Verlust des Chors für die Kultur und die Musik in der Schloss-Stadt zu bewerten ist. Das sah auch Roswitha Scheider, ihrerseits ehemalige Chor-Vorsitzende, so. „Ich bin 1958 in den Chor eingetreten. Und was wir in den ganzen Jahren so alles musikalisch begleitet haben, und in welcher Vielfalt auch, das war schon etwas Besonderes.“

Auch sie hatte eine Anekdote parat. „Ganz zu Beginn meiner Chorzeit gab es noch die Chor-Karnevalsveranstaltungen mit ‚Prösterchen‘ und Halligalli im Kolpinghaus. Als ich dann von der Bühne runter bin, zurück an den Tisch zu meiner Familie, habe ich zu ihnen gesagt: Wenn das hier im Chor immer so ist, kommt man aber nicht viel zum Singen.“

217 Jahre bedeuteten nun einmal sehr viele Erinnerungen, sagte Ursula Klatt. „An viele und sehr schöne Konzerte, an viele Reisen und an viel Gemeinschaft.“

Die Entscheidung, den Chor aufzulösen, sei nicht leichtgefallen. „In letzter Konsequenz hat nicht der Vorstand darüber entschieden, sondern das ‚Chörchen‘, die wenigen übrig gebliebenen aktiven Sängerinnen und Sänger“, sagte die letzte Chorvorsitzende. In gewisser Weise schließe sich mit dem Abschiedsabend im Kolpinghaus auch ein Kreis. „Hier war bis 2009 unser Probenlokal, dann sind wir im Laufe des Jahres ins neugebaute Gemeindehaus an der Weierbachstraße umgezogen.“

Die Idee, einen solchen Abschlussabend zu organisieren, sei im Prinzip beim letzten Chorausflug nach Dresden entstanden. „Genauer gesagt, auf der Rückfahrt im Bus“, erinnerte sich Ursula Klatt. Dann sei sie ein paar Tage später Roswitha Scheider in der Stadt begegnet.

„Sie hat mir gesagt, wie sehr sie den Chor vermisst, und ob man sich nicht noch mal treffen könnte.“ Das Ergebnis war dieser stimmungsvolle und nur leicht melancholische Abend, an dem der letzte Vorhang für diese Hückeswagener Chor-Institution fiel.

Hintergrund

Noten: Die Notenschränke, in denen die Bestände des Pfarrcäcilienchors von 1805 gelagert sind, sind übervoll. Mit den Noten können Einzelpersonen nicht viel anfangen. „Daher nehmen uns die ehemalige Kantorin Ingrid Kammerer und ihre Nachfolgerin, unsere ehemalige Chorleiterin, Inga Kuhnert, einiges Material gegen Spenden an“, berichtet die letzte Chor-Vorsitzende Ursula Klatt.

Börse: Zudem soll es, vermutlich im Oktober, im Gemeindehaus an der Weierbachstraße, eine Notenbörse für Chöre oder andere Interessierte geben, wie die stellvertretende Chorvorsitzende Claudia Pille berichtet.

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