Bücherei

Leser kommen seit 175 Jahren zur KÖB

Seit seinem 14. Lebensjahr arbeitet Hans-Georg Beißel in der Katholischen öffentlichen Bücherei ehrenamtlich mit. Vor neun Jahren hat er die Leitung der Bücherei im Gemeindehaus an der Weierbachstraße übernommen.
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Seit seinem 14. Lebensjahr arbeitet Hans-Georg Beißel in der Katholischen öffentlichen Bücherei ehrenamtlich mit. Vor neun Jahren hat er die Leitung der Bücherei im Gemeindehaus an der Weierbachstraße übernommen.

Katholische öffentliche Bücherei wurde 1847 gegründet – Hans-Georg Beißel (71) ist von Kind an dabei.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Dass die Katholische öffentliche Bücherei, liebevoll KÖB abgekürzt, der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt eine derart lange Geschichte hat, dürfte wohl den wenigsten bekannt sein. Gegründet worden ist sie bereits 1847 – durch den damaligen Hückeswagener Ortspfarrer Johann Peter Heinrich Giesen (1797 – 1892), der auch für den Bau der Pfarrkirche und des Marienhospitals verantwortlich war. Die Schloss-Stadt gehört damit zu einer der ersten Städte, die eine solche Bücherei in der Pfarrei hatte.

Vorausgegangen war zwei Jahre vorher die Gründung des Borromäusvereins in Bonn. Dieser ist die älteste Büchereiorganisation Deutschlands und bis heute aktiv. In der Chronik zum 150-jährigen KÖB-Bestehen zeigt sich, dass die Idee auf fruchtbaren Boden in Hückeswagen gestoßen war: 35 Taler und 15 Silbergroschen wurden 1847 als Beitragsgeld verzeichnet. Die beiden Weltkriege hatten dann für Unterbrechungen in dem beliebten Angebot gesorgt.

1946, im ersten Nachkriegsjahr, hatte Pfarrer Gerhard Rottlaender dafür gesorgt, dass der Betrieb wieder in die Gänge kam. Anfang der 1950er Jahre wurde die zunächst nur für die Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde zugängliche Bücherei dann auf Initiative des damaligen Kölner Domvikars Johannes Hüttenbügel für alle öffentlich zugänglich gemacht. Auch das Konzept der Katholischen öffentlichen Büchereien in ihrer heutigen Form ist auf ihn zurückzuführen. Zudem wurde der Bestand in jener Zeit deutlich aufgestockt und damit attraktiver gemacht. So geht auf diese Jahre zur Mitte des Jahrhunderts auch die Idee zurück, dass die Besucher sich die Bücher selbst aussuchen können und damit zur Verleihtheke zur Ausleihe kommen.

Geleitet wird die Bücherei heute von Hans-Georg Beißel, der seine ersten Sporen noch in der „Filiale“ im damaligen Marienhospital verdiente. „Dort habe ich ab Mitte der 1960er Jahre als 14-Jähriger die Rollwägelchen zu den Patienten geschoben“, erzählt der 71-Jährige und schmunzelt. Ausgeliehen habe er Bücher aber schon als kleines Kind. Seine Eltern hätten unter anderem mit der damaligen Leiterin Käthe Dörpinghaus Doppelkopf gespielt, daher sei ihm die Bücherei natürlich bekannt gewesen.

In den beinahe auch schon 60 Jahren, die er, zunächst als Helfer und ab 2013 als Leiter der KÖB, ehrenamtlich mitarbeitet, hat Beißel einige Veränderungen mitbekommen. 2002 wurden etwa DVDs als neues Medium aufgenommen, nachdem schon 1975 Kassetten und Spiele das Angebot ergänzt hatten.

Mehrere Umzüge der Bücherei hat er ebenfalls mitgemacht. „1975 sind wir vom Anbau hinter der Pfarrkirche, in der heute die Kleiderkammer untergebracht ist, in die Alte Vikarie gezogen. Nachdem das Gebäude 2008 verkauft wurde, sind wir für ein Jahr ins Erdgeschoss im Haus Hacke direkt gegenüber eingezogen“, sagt Beißel. 2009 fand der bislang letzte Umzug ins neue Gemeindehaus statt.

Auch 2022 ist die Bücherei ein wichtiges Angebot für die Menschen in der Schloss-Stadt. „Wir können so Bücher vor allem an Kinder und Jugendliche bringen, aber auch an Erwachsene. Denn Lesen ist eine wichtige Tätigkeit“, betont Beißel. Man sollte möglichst früh mit dem Vermitteln der Lesekompetenz anfangen, ist sich der KÖB-Leiter sicher. „Es hilft natürlich, wenn man das auch kostengünstig machen kann.“ So ist in der Katholischen Bücherei nur das Ausstellen des Lesesausweises gebührenpflichtig, das Ausleihen selbst ist kostenfrei. Lediglich die DVDs kosten 50 Cent. E-Books seien heute allerdings noch kein Thema, auch wenn sie immer beliebter würden. „Wir haben einen Etat von 4000 Euro pro Jahr. E-Books kosten da zumindest derzeit noch zu viel. Aber vielleicht wird das ja auch noch mal günstiger, dann wäre es sicherlich eine Überlegung wert“, sagt Beißel.

Was allerdings bereits geschehen ist – und eine Heidenarbeit gewesen sei, wie Beißel unterstreicht –, ist die Umstellung auf ein elektronisches Ausleihsystem. „2015 waren wir damit fertig, unsere etwa 5500 Medien in das Ausleihsystem ‚Bibliotheca‘ einzupflegen. Das hat uns eine Jahr Zeit gekostet.“ Die Umstellung habe problemlos geklappt, auch die auf die dafür nötig gewordenen neuen Leseausweise.

Insgesamt werde das Angebot der KÖB gut genutzt. „Es ist so, dass es natürlich immer besser sein könnte. Und Corona hat uns auch wehgetan. Aber wir sind insgesamt zufrieden“, versichert Beißel. Selbstverständlich ist der Bibliotheksleiter eine Leseratte – wenn die Zeit es zulässt. „In den 1960er Jahren habe ich Karl May gelesen, dann kamen die Krimis von Edgar Wallace dazu und später die Agententhriller von John le Carré.“ Auch heute lese er noch gerne, querbeet, aber es dürfe gerne spannend sein. „Ich habe allerdings mit meiner Arbeit im Kirchenvorstand auch noch genug andere Dinge zu tun“, betont Beißel.

Denn Lesen ist eine wichtige Tätigkeit.“

Hans-Georg Beißel, KÖB-Leiter

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