Entkriminalisierung

Legales Cannabis? Das sagen die Apotheker

Geht es nach dem Gesundheitsministerium, soll Cannabis künftig völlig entkriminalisiert werden und in speziellen Geschäften und Apotheken erhältlich sein.
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Geht es nach dem Gesundheitsministerium, soll Cannabis künftig völlig entkriminalisiert werden und in speziellen Geschäften und Apotheken erhältlich sein.

Die Hanfpflanze soll entkriminalisiert werden. In Hückeswagen herrscht Skepsis.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Ein aufsehenerregendes Thema, das sich die Ampel-Koalition da schon im Wahlkampf auf die Agenda gestellt hatte: die Cannabis-Legalisierung. Was in den Niederlanden seit 1976 zumindest nach landläufiger Meinung gilt – dass Gras dort legal erhältlich ist – soll nun also auch in Deutschland so werden. Tatsächlich aber ist in den Niederlanden nur der Besitz von bis zu fünf Gramm Cannabis straffrei, ge- und verkauft werden darf die Droge in lizenzierten Geschäften, den Coffee-Shops. In großen Mengen darf mit Cannabis aber auch dort nicht gehandelt werden.

Wenn es nun nach Gesundheitsminister Karl Lauterbach geht, wird man in Deutschland einen Schritt weitergehen und Cannabis vollständig entkriminalisieren. Verkauft werden soll Cannabis in speziellen Geschäften – und Apotheken. Was halten die Hückeswagener Apotheker davon?

Julia Backmann, Inhaberin der Falken Apotheke.

Falken-Apotheke: Für Julia Backmann von der Falken-Apotheke auf Wiehagen, ist Cannabis aus der Apotheke noch kein echtes Thema. „Ich glaube, dass es im Moment dringlichere Themen im Gesundheitsbereich gibt als die Legalisierung von Cannabis“, sagt sie. Sie glaube auch nicht, dass diese Gesetzesänderung, wenn sie denn komme, schnell umgesetzt werde. „Es ist ein sehr komplexes Feld, weil das Cannabis ja auch entsprechend der Richtlinien und Vorgaben in Bezug auf Gehalt und Reinheit produziert werden muss“, sagt sie.

Sie persönlich sehe die Legalisierung insgesamt skeptisch. „Die Auswirkungen auf die Gehirne junger Menschen ist einfach noch nicht gut genug erforscht“, sagt sie, und ergänzt, dass sie sich mit ihrer Apotheke nicht gerne daran beteiligen würde. Anders sehe es mit bereits erprobten und genehmigten Medikamenten mit Cannabis aus. „Die haben ihre Daseinsberechtigung, weil sie helfen können und entsprechend getestet wurden“, sagt sie. Beispielsweise würden diese Medikamente als Muskelrelaxans gegen Spasmen bei einer Multiple-Sklerose-Erkrankung wirken. Allerdings würde das bei ihr auf Wiehagen nur sehr selten vorkommen, genau wie die Cannabis-Rezepte, die sie auf Rezept eines Arztes selbst anrühren müsse.

Monzer Alagi von der Oberbergischen Apotheke.

Oberbergische Apotheke: Recht ähnlich sieht es in der Oberbergischen Apotheke von Monzer Alagi aus. „Wir haben immer wieder mal den Fall, dass ich Kapseln oder Tropfen auf Rezept herstelle. Dabei müssen aber erst andere Mittel keinen Erfolg gebracht haben“, sagt der Apotheker. Auch er ist der Ansicht, dass es wichtigere Dinge als die Legalisierung von Cannabis gibt. „Ich glaube nicht, dass die Menschheit das unbedingt braucht“, sagt er. Und ergänzt: „Allerdings ist es eben auch ein Geschäftsmodell, bei dem viel Geld gemacht werden kann.“

„Ich glaube nicht, dass die Menschheit das unbedingt braucht.“

Apotheker Monzer Alagi

Daher glaube er, dass die Umsetzung, deren erste Eckpunkte von Gesundheitsminister Lauterbach bereits dem Kabinett vorgestellt und von diesem auch direkt genehmigt worden sind, kommen werde. „Allerdings bin ich der Auffassung, dass der Verkauf nicht an den Apotheken hängenbleiben soll. Vielmehr soll Cannabis dann wie Tabak und Alkohol auch verkauft werden – also überall, etwa auch im Supermarkt“, sagt Monzer Alagi.

Diana Gruner von der Montanus-Apotheke.

Montanus-Apotheke: Auch Diana Gruner, Mitarbeiterin in der Montanus-Apotheke, der dritten Apotheke in der Schloss-Stadt, kann nur von vereinzelten Kunden berichten, die mit so einem Rezept zu ihr kommen. Wenn es um die freie Verkäuflichkeit der pflanzlichen Droge geht, ist sie zwiegespalten. „Ich weiß nicht, ob es überall verkauft werden sollte, da ja in der Produktion auch bestimmte Standards eingehalten und garantiert werden müssen“, sagt sie. Wenn es aber spezielle Geschäfte – analog zu den Coffee-Shops in den Niederlanden – gebe, dann könnten das natürlich auch Apotheken sein. Sie stelle sich allerdings aktuell auch die Frage, ob es tatsächlich eine so dringlich zu klärende Frage sei. „Wir haben im Moment viel eher das Problem, dass es eine Unterversorgung mit gewissen Medikamenten gibt. Da finde ich, dass die Frage, ob Cannabis ein legal erhältliches Genussmittel sein soll, nicht die Wichtigste ist“, sagt Diana Gruner. Die Medikamente, in denen Cannabis enthalten ist, soll es ihrer Meinung nach aber natürlich auf jeden Fall ganz regulär und in den Apotheken geben. Denn im Zuge der Schmerztherapie würden damit durchaus positive Ergebnisse erzielt. „So etwa mit Hanfblüten, die verbrannt und deren Dampf dann eingeatmet wird“, sagt sie.

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