Nach der Flut

Klingelnberg ist zurück in der Erfolgsspur

20 Millionen Euro investiert Klingelnberg derzeit in den Neubau der Montagehalle für große Stirnrad-Maschinen in West 2.
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20 Millionen Euro investiert Klingelnberg derzeit in den Neubau der Montagehalle für große Stirnrad-Maschinen in West 2.

Gute Nachrichten von Hückeswagens größtem Arbeitgeber: Die Halbjahresbilanz strotzt nur so vor Superlativen.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Wie schnelllebig die Zeit gerade in der Wirtschaft ist, wird am Beispiel der Firma Klingelnberg deutlich. Vor 16 Monaten war das Unternehmen, ein weltweit führender Hersteller von Hochtechnologie im Bereich der Verzahntechnik, am Boden: Die Flutkatastrophe vom 15./16. Juli 2021 hatte am Hauptstandort Peterstraße Schäden in Höhe von 60 Millionen Euro verursacht, weswegen kurzzeitig sogar die Insolvenz im Raum gestanden hatte. Doch Mitarbeiter und Geschäftsführung haben sich offensichtlich zurückgekämpft und das Unternehmen nicht nur wieder aufgerichtet, sondern erfolgreich auf dem Markt platziert. Das zeigt das Halbjahresergebnis – das Klingelnberg-Geschäftsjahr läuft vom 1. April bis zum 31. März – deutlich. Und es veranlasst Jan Klingelnberg, CEO (Geschäftsführer) der Klingelnberg-Gruppe, zum Fazit: „Nach den Krisen der zurückliegenden Jahre ist Klingelnberg wieder zurück auf der Erfolgsspur.“

Wachstum in allen Bereichen: „Bei nahezu allen Kennziffern konnte das Unternehmen zum Teil deutlich zulegen“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Damit habe sich die positive Entwicklung eindrucksvoll fortgesetzt. In den ersten sechs Monaten verbuchte das Unternehmen zudem den höchsten Auftragseingang innerhalb eines 1. Halbjahres seiner Geschichte. Gleichzeitig erreichte der Auftragsbestand ein weiteres Rekordhoch.

Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern: Erreicht Kingelnberg normalerweise erst in der 2. Hälfte ein positives Ergebnis, verzeichnete die Gruppe in der Berichtsperiode ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 4,4 Millionen Euro. „Zu diesem großen Erfolg trug unter anderem bei, dass das Unternehmen frühzeitig strategisch wichtige Weichen richtig gestellt hat und so eine gewisse Resilienz erreichen konnte“, heißt es. Die Folgen der Überflutung des Hauptwerks mit den massiven Schäden seien im 1. Halbjahr noch spürbar gewesen, „im 2. Geschäftshalbjahr werden die operativen Einschränkungen aber weitestgehend erledigt sein“, zeigt sich die Geschäftsführung optimistisch.

Die (positiven) Geschäftszahlen: In den ersten sechs Monaten stieg der Auftragseingang von 114,9 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2021/2022 auf 156,1 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte 285,9 Millionen Euro und lag damit um 68,4 Millionen Euro über dem Vergleichswert des Vorjahreszeitraums – ein Plus von mehr als 31 Prozent. Der Cash-Flow aus operativen Aktivitäten hatte im vorhergehenden Geschäftshalbjahr noch ein Minus von 24,9 Millionen Euro betragen und lag nun bei einem Plus von 7,5 Millionen Euro.

Verbesserungen auf dem Weltmarkt: Das Unternehmen gilt traditionell als solide und stabil finanziert, die Eigenkapitalquote liegt wieder bei 39,3 Prozent. Dazu Jan Klingelnberg: „Wer heute auf Klingelnberg schaut, der erkennt ein Unternehmen, das strategisch gut positioniert ist und an wichtigen globalen Trends partizipiert.“ Höchstgenaue Zahnräder für Getriebe in E-Fahrzeugen und Windkraftanlagen produzierten Strom dank profilgeschliffener Zahnräder von Klingelnberg/ Höfler-Maschinen. In der für die Batterieproduktion notwendigen Rohstoffgewinnung spielen auf Klingelnberg-Maschinen produzierte Zahnräder eine wichtige Rolle, beispielsweise in Bergbaumaschinen und Gesteinsmühlen. „Auch die Wiederbelebung der Luftfahrt bietet für Klingelnberg Wachstumschancen“, prognostiziert der CEO. „Zudem gehen wir davon aus, dass die Bekämpfung der Lieferkettenprobleme durch den Aufbau von Second Sources neue Investitionen auslösen wird.“ Neben China werde auch Indien in die internationalen Lieferketten stärker eingebunden. Jan Klingelnberg ist sicher: „Hochwertige Maschinen und Messtechnik-Lösungen von Klingelnberg sind weltweit stark nachgefragt.“

Leichtes Plus bei der Zahl der Mitarbeiter: Das operative Ergebnis verbesserte sich bei Klingelnberg im 1. Geschäftshalbjahr von einem Minus von 40 auf ein Plus von 4,4 Millionen Euro. Die positiven Zahlen machten sich auch bei der Zahl der Beschäftigten der Gruppe bemerkbar, die leicht auf 1217 kletterte.

Steigende Auftragseingänge: Im Bereich Kegelrad steigerte Klingelnberg den Umsatz um 37,8 auf 57,7 Millionen Euro. Insbesondere in den Bereichen Automobilindustrie sowie Nutzfahrzeug-Herstellung gewann das Unternehmen an Aufträgen hinzu. Auch im Stirnrad-Bereich gab es ein deutliches Plus, wobei der Umsatz von 38,4 Millionen Euro mehr als eine Verdopplung des Vorjahreswerts darstellt. Und sogar im besonders von den Überflutungen belasteten Messgeräte-Bereich stieg der Umsatz von 13,8 auf 34,2 Millionen Euro.

Optimistisch in die Zukunft: Mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr 2022/2023, das am 31. März 2023 endet, zeigt sich die Geschäftsführung zuversichtlich. So geht sie unter anderem davon aus, dass sich die i angestellte Prognose eines starken Wachstums des Umsatzes sowie eine EBIT-Marge von mehr als sechs Prozent bestätigen werde.
Unabhängig davon bleibt das Unternehmen angesichts der umfangreichen geopolitischen Belastungen „sehr aufmerksam und zugleich vorsichtig optimistisch für die kommenden Jahre“, versichert Jan Klingelnberg. Nicht zuletzt der stark steigende Kostendruck für die Produzenten werde zu steigenden Anstrengungen in der Automation von Fertigungsprozessen führen. „Dies wird sich zusätzlich positiv auf uns auswirken.“

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