Bergisches Land

Landwirte: Kleine Lichterfahrt bereitet großen Spaß

Als die Lichterfahrt den Bergischen Kreisel erreichte, säumten Schaulustige den Straßenrand. Kinder waren von den beleuchteten Treckern begeistert.
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Als die Lichterfahrt den Bergischen Kreisel erreichte, säumten Schaulustige den Straßenrand. Kinder waren von den beleuchteten Treckern begeistert.

Erstmals fuhren Landwirte in Hückeswagen und Radevormwald mit weihnachtlich geschmückten Traktoren durch die Städte. Das ist einerseits schön. Und soll andererseits ein Zeichen setzen.

Von Cristina Segovia-Buendía

Wie viele landwirtschaftliche Maschinen am Samstag bei der ersten Lichterfahrt von Hückeswagen und Radevormwald am Ende dabei sind, konnte Veranstalter Stefan Hombrecher kurz vor Abfahrt in Herweg nicht sagen. Für ihn war die kurzfristig organisierte Aktion ein Überraschungsei: „Fest angemeldet haben sich zwölf Fahrzeuge, sechs weitere wollen unangemeldet dazu kommen.“ Letztlich waren es 24.

Das Interesse an der Premiere war bereits lange vor der geplanten Abfahrt groß: Immer wieder kamen Familien mit kleinen Kindern in Herweg an, um sich die geschmückten Fahrzeuge aus der Nähe anzuschauen. Gut drei Stunden würde die Lichterfahrt durch die beiden Städte dauern, begleitet von drei Einsatzfahrzeugen der Polizei und einem Bulli der Freiwilligen Feuerwehr Herweg.

„Wir erwarten keine Schwierigkeiten auf der Strecke“, versicherte der Hückeswagener Bezirksbeamte Andreas Roth. Kleinere Engstellen bis Brücke an der B 237 und im Bereich Fürstenberg hätten die Beamten im Blick. „In Radevormwald sind die Straßen glücklicherweise alle etwas breiter.“ Die Lichterfahrt, versicherten die eingesetzten Polizisten, sei einer der angenehmeren Einsätze dieser Tage.

Vincent Heger (23) und Chantal Kirchner (24) von der Rader „Schlepperbande“ waren mit einem alten John Deere dabei. „Wir machen mit, weil es uns Spaß macht, mit den Treckern zu fahren. Wir finden aber auch den Hintergrund der Aktion sehr wichtig“, betonte Heger. Als junger Landwirt sei es immer schwieriger, einen Betrieb aufrechtzuerhalten, sagte der Rader, der in Oberkarthausen einen Island-Pferdehof bewirtschaftet. Die Energiekosten seien das eine. „Da muss man schon viele Ballen Heu zusammenbringen, um die Spritpreise für die Maschine reinzuholen.“ Die ewig neuen Verordnungen in der Landwirtschaft machten das Überleben auch nicht einfacher.

„Es ist ein Hilfeschrei.“

Chantal Kirchner

„Ich denke, dass die Leute wenig Gefühl für die Sorgen der Landwirtschaft haben“, stellte der 23-Jährige klar. Für Chantal Kirchner war die Lichterfahrt mehr als eine nette Aktion für Schaulustige: „Es ist ein Hilfeschrei“, machte sie deutlich.

Für Noah Mobini sollte es die erste Fahrt sein. „Ich war in Lindlar und Wipperfürth schon dabei und freue mich sehr darauf, erstmals selber mitzufahren“, erzählte der 16-Jährige aus Hückeswagen. Die Aktion unterstütze er gerne. „Ich habe gesehen, wie viele Kinder sich in Lindlar und Wipperfürth am Straßenrand gefreut haben, die leuchtenden Trecker zu sehen.“ Das wünschte er sich jetzt auch für seine Heimatstadt. Mit Kumpel Hannes Meinel (17) hatte er einen alten Massey Ferguson innerhalb von zwei, drei Stunden geschmückt: „Wir haben sogar einen echten Weihnachtsbaum dabei.“

Fantasievoll hatten die Fahrer ihre Traktoren und anderen Fahrzeuge dekoriert.

Geschmückte Tannen, Lichterketten mit Eissternen und Rentieren waren auf den Fahrzeugen zu sehen, die sich um 16.30 Uhr in Bewegung setzten. Eine der ersten gut besuchten Stationen war die Straße Brücke gegenüber Firma Pflitsch. Hier schaute sich auch Tanja Stawicki den Zug an: „Ich wollte die Chance nutzen, das mit den Kindern zu sehen.“ Leon (12) kam aus dem Staunen nicht heraus. „Das ist richtig cool, dass die das in ihrer Freizeit für uns machen. Toll, wie viel Mühe die sich geben“, lobte der Junge. Eifrig winkte er den Fahrern zu, die zum Dank hupten.

Auch am Bergischen Kreisel hatten sich zahlreiche Schaulustige eingefunden. Einige hatten Proviant eingepackt, wärmten sich an dampfenden Getränken aus der Thermoskanne und waren willens, den Treckerzug an mehreren Stationen in Empfang zu nehmen.

An der Realschule fanden sich dann auch Tanja Stawicki und die Kinder wieder ein, als der Zug die Kölner Straße hinaufzog. Zuschauerin Michaela (50) hat selbst schon an Lichterfahrten in der Region teilgenommen: „Es ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen in der Landwirtschaft“, betonte sie. „So eine Aktion ist auch wichtig, um die Landwirte in den Fokus zu rücken.“

Mit dem Verlauf der Premiere zeigte sich Stefan Hombrecher sehr zufrieden. Er würde die Lichterfahrt auch für 2023 organisieren. Weitere Mitstreiter hätten sich bereit erklärt, mitzuhelfen.

Hintergrund

Fahrzeuge: Insgesamt fuhren 24 Fahrzeuge aus beiden Städten im Zug, darunter waren je zwei Unimogs und Golfcaddys.

Landwirte: Neben Landwirten aus Hückeswagen und Rade nahmen auch Treckerfahrer aus dem Märkischen Kreis und Ennepetal teil.

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