Boykott der Fußballweltmeisterschaft

Kaum jemand ist in WM-Laune in der Schloss-Stadt

Solche Szenen – wie hier bei der WM 2010 in der Glashalle – wird es in diesem Jahr leider nicht nicht geben.
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Solche Szenen – wie hier bei der WM 2010 in der Glashalle – wird es in diesem Jahr leider nicht nicht geben.

Viele Hückeswagener Gaststätten zeigen der Fußball-WM in Katar die kalte Schulter.

Von Arnd Janssen

Hückeswagen. Die umstrittene Fußball-WM in Katar startet morgen. Auch in Hückeswagen wird darüber diskutiert. Soll man angesichts der Menschenrechtsverletzungen in dem arabischen Land überhaupt die Spiele im TV verfolgen? Vielleicht mit Gleichgesinnten in einer Kneipe? Eine Abfrage unserer Redaktion zeigt: Eine Reihe von Gaststätten wird die Deutschland-Spiele zeigen, ebenso das Kultur-Haus Zach. Die beiden Fußballvereine haben kein Public-Viewing-Event geplant. Ihre Meinung zum politischen Hintergrund des Gastgeberlandes Katar ist aber eindeutig.

„Zu Menschenrechtsverletzungen gibt es nur eine Meinung“, betont Kevin Zrock, Vorsitzender des SC Heide. Zur Frage, ob die WM angeschaut werden sollte, könne jeder seine eigene Meinung haben, meint Zrock. „Man hätte vor zwölf Jahren, als die WM vergeben wurde, eingreifen müssen, nicht zwei Wochen vorher.“ Zrock sieht die Verantwortung bei politischen Entscheidungsträgern der EU und den großen Fußballverbänden. Eine gesteigerte Erwartung auf die WM bei Fußballfans erwartet er nicht. Einerseits sei Katar weit weg, und es mangele an WM-Stimmung. Dazu kämen die Menschenrechtslage und die Umstände des Turniers. Im Verein wird kein großes Rudelgucken geplant. Eher werden sich Spieler und Trainer in kleineren Gruppen zusammentun. „Ich bin gespannt, ob die Leute ab dem Viertelfinale über ihre Grundsätze springen und trotzdem schauen“, sagt Zrock.

Im Kultur-Haus Zach laufen alle Spiele mit deutscher Beteiligung

Auch beim RSV 09 Hückeswagen ist kein Rudelgucken geplant, wie Jugendtrainer Steve Erich mitteilt. Die jüngeren Kicker würden mit dem politischen Hintergrund der WM nichts anfangen können, sie wollten nur wissen, wann es losgehe. Und für die Älteren, ist „eine WM im Winter ein bisschen komisch“, sagt Erich. Die Vorfreude sei nicht so da. Zu einem möglichen Boykott sagt er: „Die Fußballer und Fans können nichts dafür, was da abgeht.“

Das wohl größte Public Viewing in der Schloss-Stadt wird wieder das Kultur-Haus Zach ausrichten. Alle Spiele mit deutscher Beteiligung sind im Saal auf der Kinoleinwand zu verfolgen. Zusätzlich werden das Finale sowie das Spiel um Platz 3 gezeigt. Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Anpfiff, der Eintritt ist frei. Für Getränke und Snack sei gesorgt, versichert Stefan Noppenberger vom Trägerverein. „Ich glaube, dass die Leute erst etwas skeptisch sein werden. Aber wir vom Kultur-Haus Zach haben keine Alternative zum Public Viewing“, erläutert Noppenberger. Es sei schwierig gewesen, die WM-Termine mit dem Vorweihnachtsprogramm in Einklang zu bringen. Er glaubt, dass sich bei sehenswerten Leistungen der deutschen Fußballer niemand die weiteren Spiele entgehen lassen wird. Zur Diskussion um die WM sagt Noppenberger: „Sie ist berechtigt. Aber sie hätte Jahre früher kommen müssen.“

Uneinigkeit herrscht noch bei den Gaststätten-Betreibern. Definitiv nicht mitmachen wird Aferdita Shala, Wirtin der Altstadt-Kneipe „Kö 3 bei Afro“. „Ich boykottiere das. Mit der politischen Situation möchte ich nichts zu tun haben, wegen der Menschenrechtslage“, macht sie klar. Und das, obwohl viele ihrer Gäste bereits nachgefragt haben. Immerhin gab es im „Kö 3“ in der Vergangenheit die eine oder andere Fußballübertragung.

Bei den Gaststätten Beverklause und Beverblick, direkt an der Talsperre, wird es ebenfalls keine WM-Übertragung geben. „Für uns ist es die falsche Jahreszeit“, sagt Maik Wickesberg vom Beverblick. „Wir hätten sonst draußen etwas gemacht. Aber drinnen haben wir nur wenig Plätze.“ Wenn jemand nachfragt, wäre Wickesberg aber bereit, den Fernseher anzumachen. „An das Politische haben wir nicht so gedacht, bei uns war es eher der wirtschaftliche Faktor“, betont er.

Ähnlich sieht es Walter Milone, Wirt des Kolpinghauses: „Wir haben genug zu tun und kein Platz für Public Viewing.“ Schon aufgrund der Jahreszeit würde sich der Aufwand nicht lohnen. Die Gaststätte Zm Alten Markt ist ebenfalls nicht interessiert an einer Übertragung. „Unsere Kundschaft wird sich selbst organisieren“, sagt Wirt Andreas Roerdink-Veldboom.

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