Flüchtlingstreff

Junge Ukrainer finden im Café KiWie Freunde

Leon Gräbner (l.) hat sich mit den Jugendlichen aus der Ukraine, die zum Treff ins Café KiWie kommen, angefreundet.
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Leon Gräbner (l.) hat sich mit den Jugendlichen aus der Ukraine, die zum Treff ins Café KiWie kommen, angefreundet.

Wöchentlicher Treffpunkt besteht seit sechs Jahren. In dieser Zeit lernten die Wiehagener rund 100 Flüchtlinge kennen.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Gute Stimmung herrscht beim Flüchtlingstreff im Café KiWie (Kirche Wiehagen) am Drosselweg. Sitzgelegenheiten und Sonnenschirme sind auf dem Vorplatz aufgebaut, es werden Würstchen gegrillt und Salate gereicht. 50 Besucher verschiedener Herkunft sind gekommen und fröhlich in Gespräche vertieft. „Wir feiern heute ein kleines Sommerfest“, berichtet Friedhelm Selbach, Mitglied des Presbyteriums und einer der Organisatoren des Flüchtlingstreffs. Seit mehr als sechs Jahren bietet die Evangelische Kirchengemeinde geflüchteten Menschen in Wiehagen einen Anlaufpunkt und Unterstützung an. „In dieser Zeit hatten wir mit etwa 100 Leuten aus Eritrea, Syrien, Äthiopien, Guinea, Ghana, Nigeria, Somalia, Irak, Georgien, Mongolei, Iran und Pakistan Kontakt“, zählt Selbach auf.

Die Jüngeren wollen gerne in Deutschland bleiben.

Leon Gräbner, Café-Besucher und SPD-Ratsmitglied

Neu hinzugekommen sind seit einigen Wochen mehrere junge Ukrainer, einer von ihnen ist Maxim. Der 15-Jährige lebte mit seinen Eltern und Geschwistern in einem Vorort in Kiew. Nach Ausbruch des Kriegs am 24. Februar war die fünfköpfige Familie mitsamt Hund ins Auto gestiegen, hatte ihr Land aus Angst um ihr Leben verlassen und war zunächst in Bayern, später in Köln und letztlich in Hückeswagen untergekommen. „Der Vater hat eine Arbeit als Fensterbauer und die Familie jetzt auch eine Wohnung gefunden“, berichtet Leon Gräbner. Der 21-jährige Hückeswagener hat im Flüchtlingstreff Kontakt zu den jungen Ukrainern aufgenommen und einiges über deren Lebensgeschichte erfahren. Sein Interesse an der Flüchtlingshilfe ist nicht zuletzt durch sein politisches Engagement als SPD-Ratsmitglied entstanden. „Wenn ich die Zeit finde, komme ich hierher“, sagt Gräbner. Mittlerweile spricht er ebenso viele Brocken ukrainisch, wie die Ukrainer Deutsch.

Friedhelm Selbach verteilt von einer Bäckerei Bauer gesponserten Berliner Ballen.

Mit Englisch klappt die Verständigung noch am besten. So konnte der Hückeswagener auch etwas über die Zukunftspläne der Geflüchteten erfahren. „Die ältere Generation will zurück in ihre Heimat, wohingegen die Jüngeren gerne in Deutschland bleiben würden“, sagt Gräbner. Mit Sprachkenntnissen sehen die jungen Ukrainer hier bessere Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Deutsch sei zwar schwer zu lernen. „Wenn die Ukrainer aber in einer normalen Schulklasse und nicht in einer Flüchtlingsklasse unterrichtet werden, merkt man, wie schnell sie das lernen“, hat der 21-Jährige festgestellt, der mehrere Ukrainer als seine Freunde bezeichnet.

Den Unterschied zu den Geflüchteten, die vor fünf oder sechs Jahren nach Deutschland kamen, merkt Friedhelm Selbach deutlich. „Es kommen viele junge Ukrainer zum Flüchtlingstreff. Sie tun sich leichter, und es gibt keine Berührungsängste“, sagte er.

Der erste Kontakt sei über eine Einladung in die Flüchtlingsunterkunft an der Peterstraße entstanden. „Wir wurden dort von den Ukrainern bewirtet“, erinnert sich Selbach. Die Gemeinde hätte dann eine Gegeneinladung zum Waffelessen ins Gemeindezentrum ausgesprochen. Bis zum Treffen im Café KiWie war es da nicht mehr weit.

Der Evangelischen Kirchengemeinde ist die persönliche Betreuung der Flüchtlinge sehr wichtig. Einige würden auch die Gottesdienste in der Pauluskirche besuchen. Ein junger Iraner hat als Techniker sogar eine Aufgabe im Streamingdienst zur Übertragung des Gottesdienstes via Internet übernommen. Der Treff im KiWie an jedem Mittwoch von 17 bis 19 Uhr könnte jedoch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter gebrauchen – insbesondere zur Betreuung der Kinder. Sieben Helfer sind es derzeit. Das kleine Sommerfest ist auch dank ihnen ein voller Erfolg.

Friedensgebet: Auch fünf Monate nach Beginn des Krieges gibt es immer freitags um 19 Uhr ein ökumenisches Friedensgebet in der Pauluskirche.

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