Schnaff-Bier

Brauerei: Jazz-Brüder sind kreativ in der Corona-Krise

Die Hückeswagener Roman (l.) und Julian Wasserfuhr bei ihrer zweiten Leidenschaft neben dem Jazz – beim Brauen ihres Schnaff-Biers in der heimischen Brauerei.
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Die Hückeswagener Roman (l.) und Julian Wasserfuhr bei ihrer zweiten Leidenschaft neben dem Jazz – beim Brauen ihres Schnaff-Biers in der heimischen Brauerei.

Julian und Roman Wasserfuhr bringen 2022 gleich zwei neue Alben heraus. Ihr Schnaff-Bier gibt es bald auch in Flaschen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen. Es war nur eine Notiz in einer Sitzung des Bauausschusses: „Vergrößerung einer Brauerei“ stand da bei den zu genehmigenden Bauvorhaben in der Schlossstadt. Da Hückeswagen nicht Köln oder Bamberg ist, war schnell klar, um welche Brauerei es sich nur handeln konnte: um die der Jazz-Geschwister Julian und Roman Wasserfuhr. Die beiden hatten 2014 die ersten Ideen rund ums Bierbrauen gewälzt, drei Jahre später wurde das Jazz-Bier mit dem ulkigen Namen Schnaff erstmals präsentiert.

Und nun? Hat Corona dem Jazz-Duo den Spaß an der Musik vergällt, so dass es nun Vollzeit ins Bier-Business einsteigen wird? Wird das heimische Studio zur Bier-Produktionsstätte? „Nein, natürlich nicht“, sagt Roman Wasserfuhr und lacht. Er ergänzt: „Es ist eine ganze Menge passiert in den vergangenen Monaten.“ Und Corona habe tatsächlich etwas damit zu tun.

Waschküche der Mutter musste einer Abfüllanlage weichen

Der ursprüngliche Plan sei nämlich gewesen, noch vor Weihnachten mit einer Schnaff-Produktion in Flaschen auf den Markt zu kommen. „Es kamen immer mehr Anfragen bei Konzerten oder über die Internetseite, ob wir denn nicht auch Flaschen anbieten können statt der Fässchen“, sagt er. Dem wolle man nun Rechnung tragen, daher der Bauantrag für eine Erweiterung der hauseigenen Brauerei. „Die Waschküche unserer Mutter muss nun einer Abfüllanlage weichen“, erläutert Roman Wasserfuhr. Außerdem habe das Duo die Braukapazitäten nahezu verdoppelt.

Wer die Schnaff-Gläser kennt, weiß, dass Form für die Jazz-Brüder wichtig ist. „Wir haben eine Menge Flaschen-Kataloge gewälzt und sind schließlich bei einem italienischen Hersteller fündig geworden“, sagt der Ältere. Das Modell der Wahl sei eine 0,75-Liter-Flasche mit leicht bauchiger Form. „Wir haben ja sowohl 0,25- als auch 0,5-Liter-Gläser im Shop – da bekommt man mit einer 0,75-Liter-Flasche zwei Gläser mit einer Flasche voll“, sagt der Pianist.

Im Zuge der Brauerei-Erweiterung habe zudem eine Wand versetzt werden müssen. Aktuell könnten pro Braugang 500 Liter Schnaff-Bier gebraut werden. „Aber vor Weihnachten wurde es nun nichts mehr – auch wegen Lieferschwierigkeiten des italienischen Flaschen-Herstellers. Aber wir hoffen, dass es im Frühjahr dann mit Schnaff-Bier in der Flasche losgehen kann“, sagt Wasserfuhr.

Letztlich sei auch das Brauen immer eine Frage der Zeit. Denn um 500 Liter Bier zur brauen, brauche man Zeit, die an anderer Stelle fehlen würde. Allerdings sind die Jazz-Brüder auch musikalisch sehr aktiv gewesen, wenngleich nicht unbedingt sicht- und hörbar. „Wir haben nur eine Tour durch Marokko gemacht, für eine Woche. Ansonsten waren nur einzelne Konzerte möglich. Das war eine krasse Erfahrung – wir haben in einem Camp in der Mitte von Nirgendwo gewohnt und sind dann für die Konzerte wieder in die Zivilisation zurück“, erzählt Roman Wasserfuhr.

2021 hatte es noch am 1. Dezember ein Konzert im saarländischen Illingen gegeben. „In die Halle passen 1000 Leute, wegen Corona konnte nur ein Bruchteil davon kommen“, sagt der Pianist. Außerdem sei es immer ein Bangen bis zuletzt, ob die Konzerte überhaupt stattfinden.

Daher sind die Brüder eben in kreativer Weise aktiv gewesen, denn 2022 stehen gleich zwei neue Alben an. „Am 28. Januar gibt es eine neue Blank-&-Jones-Platte. Sie wird ‚Relax – Jazzed 3‘ heißen“, berichtet Roman Wasserfuhr. Die erste Kollaboration mit dem DJ-Duo aus Köln ist vor zehn Jahren erschienen, für das Album gab es eine Goldene Schallplatte. „Wir bearbeiten wieder Blank-&-Jones-Material, aber haben auch eigene Songs im typischen Jazz-Trance-Sound geschrieben und aufgenommen“, sagt der Pianist.

Auch das bereits angekündigte „Corona-Album“, das in den vergangenen zwei Jahren geschrieben und aufgenommen wurde, wird im April erscheinen. „Normalerweise konzentriert sich der Songwriting-Prozess auf eine kurze Zeit“, sagt Roman Wasserfuhr. Im aktuellen Fall sei der erste Song jedoch bereits im Mai 2020 aufgenommen worden. „Das sind tatsächlich Zeitdokumente aus der Corona-Zeit – wie Tagebucheinträge, die wir zu zweit und mit unterschiedlichen Gästen aufgenommen haben“, sagt der Pianist.

Hintergrund

Musik: Die Jazz-Brüder Julian und Roman Wasserfuhr haben bereits sechs Alben veröffentlicht, neben Julian an der Trompete und Roman am Piano sind sie mit unterschiedlicher Besetzung aufgenommen worden.

Alben: „Remember Chet“ (2006), „Upgraded In Gothenburg“ (2009), „Gravity“ (2011), „Running“ (2013), „Landed in Brooklyn“ (2017) und „Relaxin’ in Ireland“ (2018).

www.wasserfuhr-jazz.com

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