Ukraine

„Ich plane einfach, zu leben“

Liudmyla Znamenska mit ihren Söhnen Damir (l.) und Makar in ihrer Wohnung auf Wiehagen. Die Familie war Ende März nach Hückeswagen geflohen.
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Liudmyla Znamenska mit ihren Söhnen Damir (l.) und Makar in ihrer Wohnung auf Wiehagen. Die Familie war Ende März nach Hückeswagen geflohen.

Im März floh Liudmyla Znamenska aus der Ukraine nach Hückeswagen.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Liudmyla Znamenska ist seit dem 23. März Hückeswagenerin. Die junge Frau ist mit ihren beiden Söhnen Damir (10) und Makar (20 Monate) sowie vier weiteren Familienmitgliedern aus der Region Luhansk in der Ost-Ukraine vor dem Krieg geflohen. Ihren Mann musste die 37-Jährige zurücklassen. Untergekommen waren die sieben Geflüchteten zunächst bei Susanne und Jörn Pfeiffer in Oberdorp. Nun ist fast ein Dreivierteljahr vergangen, seitdem das Leben für Liudmyla Znamenska auf den Kopf gestellt wurde.

Sie wirkt stark. „Ich lebe seit einigen Wochen mit meinen beiden Söhnen in einer eigenen Wohnung auf Wiehagen. Die Stadtverwaltung und das Jobcenter haben mir dabei geholfen. Außerdem besuche ich Integrations- und Sprachkurse, um mich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren“, sagt Liudmyla Znamenska und lässt die vergangenen Wochen Revue passieren.

Die Konversation wird über die Übersetzungs-Apps der Smartphones schriftlich geführt. Das Smartphone ist auch ihre einzige Verbindung zu ihrem Mann. „Bei ihm ist alles in Ordnung, wir kommunizieren jeden Tag“, sagt die 37-Jährige, will aber nicht weiter darüber sprechen.

Ihre Heimatstadtsei nun tot

Auch mit anderen Freunden und Bekannten steht sie per Handy in Kontakt. „Manche sind in der Ukraine geblieben, anderen leben jetzt in Deutschland, Frankreich, der Slowakei und Tschechien“, sagt Liudmyla Znamenska. In ihrer Heimatstadt Sjewjerodonezk sei niemand mehr geblieben. „Schon vor längerer Zeit sind alle gegangen. Die Stadt ist von den Russen besetzt, halb zerstört, fast komplett ohne Strom, Wasser, Heizung oder Kommunikation. Es ist eine tote Stadt“, sagt die Ukrainerin. Der Wunsch nach einem Ende des Kriegs stehe ganz oben, macht Liudmyla Znamenska deutlich. Das sei bei allen Ukrainern so. „Wir beten jeden Tag dafür, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet wird.“

Es fällt schwer, einen Hoffnungsschimmer in dieser Gedankenwelt auszumachen. Einerseits ist da ein gewisser kämpferischer Trotz. „Im Kampf mit der Zivilbevölkerung, mit Kindern und Alten, zeigt Russland nur seine Schwäche“, sagt Liudmyla Znamenska. Und auch der Stolz der Ukrainer kommt durch, wenn sie sagt: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass das Böse nicht so mächtig ist, wenn es auf der anderen Seite Menschen gibt, die Unabhängigkeit und Freiheit suchen.“ Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. „Ich glaube, dass die Ukraine aufstehen und gewinnen wird! Wir sind frei, stark, unabhängig und sehen uns nach Frieden!“

Der zweite Hoffnungsschimmer sind ihre Kinder. „Sie geben mir Hoffnung. Ich mache alles für meine Söhne, für ihr Glück. Kinder sind unsere Zukunft, sie müssen in einer friedlichen Gesellschaft leben“, sagt Liudmyla Znamenska. Trotzdem hat die Ukrainerin keine weitreichenden Pläne, nur kurzfristige. Die sind dafür konkret: „Ich möchte die Integrationskurse abschließen, meinen Berufsabschluss anerkennen lassen, meinen jüngsten Sohn in den Kindergarten schicken und einen Job finden. Das heißt: Ich plane einfach, zu leben.“ Nun steht das Weihnachtsfest an. „Wir werden zusammen mit Familie Pfeiffer als große Familie feiern. Ich bin ihnen für ihre Unterstützung von Anfang an unendlich dankbar“, sagt Liudmyla Znamenska.

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