Zu wenig Wasser

Artenvielfalt am Beverteich nimmt ab

Der Hückeswagener Ornithologe Karl-Heinz Salewski beobachtet das Naturschutzgebiet Beverteich schon seit Jahrzehnten. Foto: Heike Karsten
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Der Hückeswagener Ornithologe Karl-Heinz Salewski beobachtet das Naturschutzgebiet Beverteich schon seit Jahrzehnten.

Wenige Wochen nach Absenken des Wasserspiegels hat sich das Naturschutzgebiet stark verändert.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Erst sechs Wochen ist es her, dass der Wasserspiegel des Beverteichs um etwa 1,20 Meter abgesenkt werden musste, um die Staumauer zu entlasten. Statt einer durchgängigen Wasserfläche stehen den Wasservögeln jetzt nur noch kleinere Wasserstellen und ein Rinnsal zur Verfügung, der sich über den ehemaligen Teichboden schlängelt – rundherum beginnt es bereits kräftig zu grünen. Was das für die Tier- und Pflanzenwelt in dem Naturschutzgebiet bedeutet, treibt derzeit auch die Natur- und Vogelschützer des Naturschutzbunds (Nabu) Oberberg um.

Der Hückeswagener Ornithologe Karl-Heinz Salewski vom Bergischen Naturschutzverein (RBN) kennt das Gebiet seit Jahrzehnten und erfasst dort die Vogelwelt. Er ist selbst überrascht, wie schnell sich das Gebiet seit der Hochwasser-Katastrophe verändert hat, und wie massiv die Artenvielfalt am Beverteich zurückgegangen ist. „Wenn sich am jetzigen Zustand nichts ändert, wird das Gebiet in zehn bis 15 Jahren zu einem Waldgebiet werden. Das kann nicht das Ziel einer eventuellen Planung sein“, sagt der erfahrene Naturkenner.

Der Beverteich ist eins der wichtigsten Naturschutzgebiete im Oberbergischen Kreis. Schutzziele sind die Erhaltung des Stillgewässers mit gut ausgebildeten Unterwasser-Schwimmpflanzen und Röhrichtzonen. Zudem gilt das Gebiet als Rast-, Brut- und Überwinterungsplatz für seltene und gefährdete Wasservogelarten sowie als Lebensraum für Amphibien.

Zu wenig Wasser im Beverteich: Vögel haben gute Ausweichmöglichkeiten

Sollte das Wasser nicht wieder angestaut werden können, wird der Schilfgürtel am Rand des Beverteichs Schaden nehmen, da die Pflanzen nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden. In dem Gebiet brütet auch eine der größten Graureiher-Kolonien von NRW. Bevor der Fichtenwald am benachbarten Wasserwerk in Kleineichen abgeholzt wurde, hatte der Ornithologe 60 Nester gezählt, in diesem Jahr waren es noch 28. „Das kann aber auch daran liegen, dass die Reiher neue Horste bauen mussten und es im Frühjahr sehr kalt und windig war“, vermutet Salewski.

Ich gehe davon aus, dass die Schnatterente nur noch vereinzelt auftreten wird.

Karl-Heinz Salewski, Ornithologe

Durch die umliegenden Talsperren hätten die Vögel zudem gute Ausweichmöglichkeiten. Ihr Futter finden die Reiher nicht nur im Wasser, sondern auch auf den umliegenden Wiesen. „Sie fressen alles, was kreucht und fleucht – vom Regenwurm bis zur Wühlmaus“, sagt der Vogelkundler.

Bisher war der Beverteich ein wichtiges Überwinterungsgebiet für die Schnatterente, die der heimischen Stockente sehr ähnlich sieht. Bis zu 150 Exemplare hat der 66-Jährige bereits gezählt. Das schlammige Wasser der Uferzonen durchschnattert die Ente mit ihrem Schnabel. „Ich gehe davon aus, dass die Schnatterente nur noch vereinzelt auftreten wird, da die Nahrungsgrundlage nicht mehr vorhanden ist“, vermutet er. Tieferes Wasser benötigen dagegen die Tauchenten zur Futtersuche. Gesichtet hat der Ornithologe bis zu zehn Zwergtaucher am Beverteich.

Für den Erhalt der Artenvielfalt muss der Teich in Hückeswagen wieder angestaut werden

Das verlassene Nest der Blesshühner, die ihre Nester zum Schutz vor Nesträubern mitten auf dem Wasser bauen, liegt nun auf dem Trockenen und wäre für den Fuchs ein willkommener „McDonalds vor der Haustür“. Anziehen wird das Gebiet jetzt voraussichtlich mehr Watvögel wie Limikolen und Flussuferläufer. „Auch die Wasseramsel und die Gebirgsstelze leben gern an fließenden Gewässern“, zählt der Hückeswagener auf.

Zum Erhalt der bisherigen Artenvielfalt müsste der Teich in Hückeswagen erneut aufgestaut werden. „Wenn der Damm saniert werden muss, ist das technisch nur mit immensen Kosten und einer kompletten Trockenlegung möglich, was den jetzigen Zustand noch mehr verschlimmern würde“, befürchtet der Naturschützer. Eventuell müsste auch das Sediment ausgehoben werden, um eine höhere Wassertiefe zu erreichen. „Es gibt noch viele Fragen zu klären, und ich bin gespannt, wie sich die Situation entwickeln wird“, sagt Karl-Heinz Salewski.

Beverteich

Nutzen: Der in Hartkopsbever gelegene Teich wurde seit dem Jahr 1720 für den Betrieb von Reckhämmern und von 1910 bis 1971 für die Tuchfabrik der Firma Karl von der Heyden industriell genutzt. Heute stellt der Teich ein Naturschutzgebiet dar und wird von einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt geprägt.

Schaden: Die Bezirksregierung Köln hatte im März 2018 einen erheblichen Sanierungsbedarf an der Stauanlage und am Wehr festgestellt.

Maßnahme: Als Sofortmaßnahme hatte der Oberbergische Kreis als Untere Wasserbehörde veranlasst, dass die Wehrklappe gelegt wurde. Der Wasserspiegel sank daraufhin um 15 Zentimeter.

Hochwasser: Beim Hochwasser im Juli 2021 drohte der Damm des Beverteichs zu brechen. Zur Sicherung wurde er um weitere 1,20 Meter abgetragen, wodurch der Beverteich jetzt zu großen Teilen trocken liegt.

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