Bagger stemmte die oberen 1,20 Meter weg

Teilabriss macht den Beverdamm stabiler

Der Beverteich von oben nach der Starkregen-Katastrophe: Das Wasser schießt durch das Wehr auf die Wiese von Hartkopsbever und dann in den Beverbach. Es bestand bis Freitagmorgen die Gefahr, dass der Damm hätte brechen können. Foto: Feuerwehr Gummersbach
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Der Beverteich von oben nach der Starkregen-Katastrophe: Das Wasser schießt durch das Wehr auf die Wiese von Hartkopsbever und dann in den Beverbach. Es bestand bis Freitagmorgen die Gefahr, dass der Damm hätte brechen können.

Der Beverteich kann somit weniger Wasser fassen.

Von Stephan Büllesbach

Hückeswagen. Die größte Gefahr scheint gebannt: Nachdem am Donnerstag mit Hilfe eines Baggers der Beton des Wehrs weggestemmt worden war, sank der Wasserspiegel des Beverteichs unterhalb der Talsperre um etwa 1,20 Meter. Somit fasst der Beverteich jetzt deutlich weniger Wasser als die normalerweise üblichen 24 000 Kubikmeter. „Aus meiner Sicht ist damit jetzt alles erdenklich Mögliche für die Standsicherheit des Damms getan worden“, betonte Andre Steiniger. Und ein erleichterter Kreisdirektor Klaus Grootens sagte: „Ich bin sehr froh, dass sich die Situation am Beverteich durch die eingeleiteten Maßnahmen entschärft hat.“

Die Gefahr: In der Nacht auf den 15. Juli hatten etwa 800 Menschen aus Hartkopsbever, Kleineichen und entlang der Wupper bis zum Mühlenweg aus ihren Wohnungen und Häusern evakuiert werden müssen, weil der Damm zu brechen drohte. Für diesen Fall war eine kleinere Flutwelle befürchtet worden. Das Horrorszenario blieb aus. Wohl nicht zuletzt, weil Mitglieder des Technischen Hilfswerks noch in der Nacht und am Donnerstagmorgen sogenannte Quellkaden auf der den Häusern zugewandten Seite des Damms errichtet hatten. Mit Sandsäcken wurde dort, wo Wasser aus dem Bauwerk sickerte, eine Kuhle gebildet, in der sich das Wasser sammelte. „Dieser Gegendruck hat dafür gesorgt, dass sich der Druck auf den Damm verringerte“, erläuterte Steiniger.

Das Wehr des Beverteichs musste um 1,20 Meter abgesenkt werden. Ein Bagger stemmte dafür den Beton weg.

Die Gefahr aber blieb, zumal der Beverteich bis zum Rand gefüllt war. Entsprechend hoch blieb der Wasserdruck, der von der Talsperren-Seite auf den Damm des Teichs lastete. Daher entschlossen sich der Kreis als Aufsichtsbehörde, der Wupperverband, die Baufirma und nicht zuletzt die Eigentümer dazu, gestern das Wehr teilweise abzureißen.

Der Teilabriss: Über den Damm gelangte ein Bagger bis zum Wehr und begann damit, den Beton Meißel wegzustemmen. Teilweise arbeitete er auch aus dem Beverbach unterhalb des Bauwerks. Zunächst war die Wehrklappe ausgebaut worden, dann arbeitete sich der Bagger an dem Stahlbeton des Wehrs ab. Insgesamt wurde das auf diese Weise um etwa 1,20 Meter niedriger, weshalb auch der Wasserspiegel des Teichs sank. „Der kann jetzt nicht weiter angestaut werden“, erläuterte der Leiter des Kreisumweltamts.

Das Gutachten von 2018: Bereits Anfang 2018 hatte ein Gutachter bei einer Routinekontrolle des Damms einen erheblichen Sanierungsbedarf an der Stauanlage des Beverteichs einschließlich des Wehrs festgestellt. Der Kreis reagierte damals umgehend und ließ zunächst die Laubbäume, die auf der Dammkrone wuchsen, abholzen. Ein mögliches Hochwasser hätte sie womöglich mitgerissen, und aufgrund der Löcher, die die Wurzelteller hinterlassen hätten, wäre der Damm voraussichtlich unterspült worden. Auch wurde der Zaun, der auf dem Damm stand, entfernt.

Die weiteren Maßnahmen: Die bewegliche Klappe des Wehrs war mit einem Schwimmer verbunden – floss viel Wasser in den Beverteich, schloss sie sich immer mehr. Vor drei Jahren wurde sie „gelegt“, das heißt, die Verbindung wurde getrennt und die Klappe auf dem Wehr abgelegt. „Dadurch hatten wir weitere 30 bis 50 Zentimeter weniger an Wasserspiegel“, sagte Steiniger. Anschließend habe der Kreis verschiedene Untersuchungen zur Standsicherheit des Damms veranlasst, das letzte Gutachten sei im Dezember 2020 eingetroffen. Dabei bestätigte sich, dass die Standsicherheit nicht zu 100 Prozent gewährleistet ist. „Wir haben daraufhin ein Sanierungskonzept in Auftrag gegeben“, berichtete der Umweltamtsleiter.

Das THW sicherten den Damm des Beverteichs vor dem Wasseraustritt, indem sie eine Quellkade aus Sandsäcken bauten.

Die Folgen: Wie es nun mit dem Beverteich und seinem Damm weitergeht, ist momentan noch unklar. „Von einem Wiederaufbau des Beverteichs bis zu einer Neugestaltung des Areals ist alles denkbar“, erklärte Grootens, der bei diesen Überlegungen vor allem die Eigentümer aus Hückeswagen in die Pflicht nahm.

Die Historie: Der Beverteich wurde um 1720 zu Beginn der Industrialisierung errichtet. Durch seinen gleichmäßigen Wasserstand sollte gewährleistet werden, dass die Reckhämmer der nahen Betriebe angetrieben werden konnten. Von 1910 bis 1971 hatte der Teich noch eine Funktion für die Tuchfabrik von der Heyden in Hartkopsbever. Mittlerweile ist er ein Biotop für Wasserpflanzen und Vögel, steht seit 1993 unter Naturschutz.

Der Schutz der Anwohner: Um ganz sicherzugehen, hat die Kreisverwaltung veranlasst, dass vor den Häusern in Hartkopsbever auf der dem Damm zugewandten Seite etwa 30, mit insgesamt etwa 40 Tonnen Sand befüllte „Big Packs“ aufgestellt wurden.

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