Kreuz aus schwarzem Basalt

Historischer Grabstein wird umgesetzt

Das historische Grabmal wurde auf dem Friedhof Am Kamp umgesetzt (v. l.): Jochen Pier (Friedhofsverwalter), Klaus Horn (Horn Grabmale), Roberto Festini, Johannes Thiele und Peter Goldstraß. Foto: Jürgen Moll
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Das historische Grabmal wurde auf dem Friedhof Am Kamp umgesetzt (v. l.): Jochen Pier (Friedhofsverwalter), Klaus Horn (Horn Grabmale), Roberto Festini, Johannes Thiele und Peter Goldstraß.

Grabstätte der Ordensschwestern des Marienhospitals ist abgelaufen.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Das Kreuz aus schwarzem Basalt hängt am Portalkran. Präzise setzen die Mitarbeiter der Fachfirma Horn Grabmale den Grabstein nach der Umsetzung wieder zu einer Einheit zusammen. Er ist nun eine bleibende Erinnerung an die Franziskanerinnen, die über viele Jahrzehnte ihren Dienst im ehemaligen Krankenhaus verrichtet haben.

Auf dem ältesten Teil des Friedhofs „Am Kamp“ existieren mehrere alte Familienstätten und Grabsteine, die als Zeugnis der Stadtgeschichte unter Denkmalschutz gestellt wurden. Der Grabstein der Ordensschwestern, die im Marienhospital im Einsatz waren und in Hückeswagen gestorben sind, hat sich nun dort eingereiht.

Die Grabstätte der Katholischen Kirche, auf der das Grabmal bisher gestanden hatte, war abgelaufen und sollte aufgelöst werden. Peter Goldstraß, der im Kirchenvorstand der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt für Bau und Gebäude zuständig ist, hatte die Erhaltung des Grabsteins angeregt. „Die Versammlung hat zugestimmt, den Grabstein als Denkmal zu erhalten“, berichtet Goldstraß und fügt hinzu: „Ich finde das toll, da viele Hückeswagener eine Beziehung zum Marienhospital hatten.“

Marienhospital ist vielen noch in guter Erinnerung

Gemeinsam mit Jochen Pier von der Friedhofsverwaltung wurde ein neuer Platz in direkter Nähe zum großen Friedhofskreuz nahe der Katholischen Grundschule gefunden. Die Firma Horn Grabmale aus Wipperfürth übernahm den Auftrag, den mehr als 100 Jahre alten und geschätzt 500 Kilogramm schweren Grabstein samt Sockel umzusetzen. „Der Sockel ist aus Odenwalder Granit. Der Stein ist ein schwarzer Basalt aus Schweden, auch Schwarz-Schwedisch genannt – selten und für die Ewigkeit gemacht“, analysiert Firmeninhaber Klaus Horn. Der gelernte Steinmetz und Bildhauer achtet darauf, dass das Denkmal unbeschadet per Portalkran und Sackkarre an den neuen Standort transportiert und neu aufgebaut wird.

Die Bohrung vom Kapitell in den Bildstock hält besonders genau, damit das aufsitzende Kreuz zentriert und zementiert werden kann. „Eine starke Verdübelung ist die Quintessenz“, betont Horn. Immerhin müsse der Grabstein nicht nur Stürmen trotzen. „Das schwere Kreuz darf in Zukunft auch unbedarften Menschen, die eventuell an dem Denkmal hochklettern, nicht auf die Füße fallen“, erklärt der Steinmetz, der in seiner mehr als 30-jährigen Berufserfahrung schon viel Kurioses erlebt hat.

Das Marienhospital ist vielen Hückeswagenern noch in guter Erinnerung. In dem Gebäude sind heute ein Therapiezentrum als auch das Berufskolleg untergebracht. Der Spatenstich für den Bau des Katholischen Krankenhauses erfolgte 1865. Nach der Einweihung 1866 begannen dort die Schwestern aus der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern von St. Mauritz nach dem Dritten Orden des heiligen Franziskus ihre Arbeit. Zunächst verrichteten zwei Ordensfrauen ihren Dienst in den damals 18 Krankenzimmern. Die Franziskanerinnen hatten darüber hinaus die Aufgaben, die Armen und Waisen der Stadt zu betreuen.

Um 1900 herum waren bereits zehn Ordensschwestern am Marienhospital und in Hückeswagen tätig – alle ausgebildete Krankenschwestern. Im Laufe der Jahre lebten bis zu 20 Franziskanerinnen im Konvent direkt neben dem Krankenhaus. Sie waren nicht nur Teil der Marienhospital-Belegschaft und der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt, sondern gehörten fest zum Bild der Stadt. Sie waren auch bei Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest im Einsatz. Das Bild, wo sie in Ordenstracht auf dem nostalgischen Karussell auf dem Wilhelmplatz ihre Runden drehten, bleibt unvergessen. Mitte März 1991 wurde der Konvent offiziell aufgelöst. Die Hückeswagener sahen es als den Anfang vom Ende des Marienhospitals, das im Juni 1993, nach einem zähen Kampf um den Erhalt, nach 127 Jahren des Bestehens geschlossen wurde.

Auf dem ehemaligen Grab der Katholischen Kirchengemeinde wurden die Ordensschwestern des Marienhospitals sowie Krankenhaus-Mitarbeiterin Maria Heitkamm bestattet. Die Grabstätte wurde aufgelöst, der historische Grabstein umgesetzt.

Ihren Lebensabend verbrachten die Schwestern meist im Mutterhaus ihres Ordens in St. Mauritz. Die vier Schwestern Julia (1862-1909), Consortia (1868-1928), Azades (1907-1944) und M. Polyxena (1880-1965) wurden in Hückeswagen beerdigt. Ebenso auf der Grabstätte beigesetzt wurde Maria Heitkamm (1899-1990), die zwar nicht zum Orden der Franziskanerinnen gehörte, jedoch viele Jahre für das Marienhospital gearbeitet hatte.

Jochen Pier verfolgt die Umsetzung des historischen Grabsteins. „Es ist schön, dass der Stein erhalten bleibt, denn die alten Grabsteine auf dem Friedhof werden rar“, sagt der Friedhofsverwalter. Das Grabmal der Ordensschwestern wird nun, wie auch die denkmalgeschützten Grabstätten und die Grauwacke-Steine der Kriegsgräber, einmal jährlich gesäubert und von Flechten befreit. „Das geschieht hauptsächlich mit der Bürste, da besonders die Grabmale aus Sandstein mit dem Hochdruckreiniger beschädigt werden könnten“, berichtet Pier.

An seinem neuen Standort kommt der Grabstein der Schwestern nun besser zur Geltung, als zwischen den hochgewachsenen Koniferen auf dem Reihengrab. „Es ist ein Standbild zur Erinnerung der Schwestern, die sich für das Wohl der Hückeswagener eingesetzt haben“, fasst es Peter Goldstraß zusammen.

Hintergrund

Grabstein: Das feinkörnige Ganggestein „Schwarz-Schwedisch“ entstand vor etwa 900 Millionen Jahren durch erkaltetes Magma in Spalten und Klüften des Baltischen Schildes, aus dem der Untergrund Schwedens besteht. Der Naturstein war das Grabmal- und Denkmalgestein in Deutschland bis in die 1960er Jahre schlechthin.

Orden: Die Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus sind eine Ordensgemeinschaft. Sie wurde am 2. Juli 1844 von Johann Christoph Bernsmeyer in Telgte gegründet und ist auch unter dem Namen Franziskanerinnen von Münster St. Mauritz bekannt. Das Mutterhaus wurde 1853 von Telgte nach St. Mauritz bei Münster verlegt.

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