Talent

Hückeswagenerin auf dem Weg ins Miss-Germany-Camp

Gina Stellbrinck will Miss Germany 2022 werden. Die 31-Jährige wirbt bei ihrer Kandidatur für mehr handwerkliche Ausbildung. Sie selbst hat sich dem Baustoff Beton gewidmet.
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Gina Stellbrinck will Miss Germany 2022 werden. Die 31-Jährige wirbt bei ihrer Kandidatur für mehr handwerkliche Ausbildung. Sie selbst hat sich dem Baustoff Beton gewidmet.

Für Gina Stellbrinck geht es demnächst in den Europapark Rust.

Von Stephan Büllesbach

Eine Hückeswagenerin auf dem Weg zur Miss Germany – das hat es noch nie gegeben. Die Kunsthandwerkerin Gina Stellbrinck hat sich gegen 15.000 Frauen durchgesetzt und es inzwischen unter die Top 20 bei der Miss-Germany-Wahl geschafft. Im Februar geht es für die 31-Jährige ins Miss-Germany-Camp im Europa-Park in Rust, wie die Jil Andert von der Unternehmenskommunikation der Oldenburger Miss Germany Studios GmbH & Co. KG mitteilt.

Normalerweise ist Gina Stellbrinck, wenn sie nicht gerade in der bei der Kölner Obi-Zentrale arbeitet, wo sie verantwortlich ist für die Erstellung von Do-it-yourself-Anleitungen ist, jedoch in ihrer Werkstatt anzutreffen. Dort stellt sie Deko aus Beton und Holz her, die sie online und auf Kunsthandwerkermärkten verkauft.

Das Material Beton hat die Wahl-Hückeswagenerin, die in Wermelskirchen aufgewachsen ist, begeistert, da es vielseitig ist und sich in immer wieder neue Formen bringen lässt. Mittels 3D-Drucker erstellt Gina Stellbrinck Designs, die sie später aus Beton gießt. „Obwohl es zunächst nur ein Hobby war, hat sie schnell gemerkt, dass sich mit ihrem Kunsthandwerk ihr Lebensunterhalt bestreiten lässt“, berichtet Jil Andert. Der Trend, weniger Massenware aus Niedriglohnländern zu konsumieren und stattdessen auf lokale Unternehmen und Handarbeit zu setzen, komme ihr dabei zu Gute. „Die Wertschätzung meiner Kundinnen und Kunden ist sehr erfüllend“, versichert Gina Stellbrinck. „Ich darf mit meiner Kunst das Zuhause, also den wichtigsten Ort im Leben, ein wenig schöner machen. Das ist es, was mich antreibt.“

Die größte Herausforderung war es für die Miss-Germany-Teilnehmerin, das Unternehmen neben ihrem Vollzeitjob aufzubauen: „Man braucht ein sehr gutes Zeitmanagement, aber es ist möglich.“ Sie könne jedem empfehlen, so etwas erst einmal neben der Arbeit auszuprobieren, sofern der Arbeitgeber mitspiele. „So kann man schauen, ob es wirklich was für einen ist, und man minimiert das Risiko“, lautet ihr Tipp für angehende Gründer.

Das hat Gina Stellbrinck letztlich auch dazu bewegt, bei Miss Germany teilzunehmen. Möchte die 31-Jährige doch insbesondere junge Frauen für das Handwerk begeistern und somit Stereotypen aufbrechen. Etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, liege in der Natur des Menschen. Doch leider gerate diese natürliche Neigung mit dem Erwachsenwerden häufig in Vergessenheit. Vor allem an Gymnasien werde viel zu häufig als einzig anzustrebender Bildungsweg eine akademische Ausbildung propagiert. Diese Erfahrung habe sie selbst gemacht. Gina Stellbrinck war schon als Kind sehr kreativ und hat gerne mit ihren Händen gearbeitet. Sätze wie „Mit Kunst verdienst du kein Geld“ oder „Mach etwas Vernünftiges“ waren während ihrer Schulzeit sehr präsent. Doch das BWL-Studium und ein Job in der Modebranche brachten ihr nicht die gewünschte Erfüllung. „Erst als sie sich 2020 mit ihrem Hobby selbstständig gemacht hat, hat sie erfahren, was es heißt, wirklich für etwas zu brennen“, heißt es in der Pressemitteilung. Heute ist die 31-Jährige glücklich darüber, den Schritt gewagt zu haben, ihr eigenes Unternehmen zu gründen und dadurch ihre berufliche Erfüllung gefunden zu haben. Trotzdem hätte sie sich im Nachhinein eine bessere Berufsorientierung und eine bessere Aufklärung über handwerkliche Ausbildungswege gewünscht.

Ihre Mission lautet daher: „Wir erziehen unsere Kinder viel zu sehr ab den Schultern aufwärts, die Hände werden komplett vernachlässigt. Kinder und Jugendliche müssen schon in der Schule viel öfter die Möglichkeit bekommen, die eigenen Stärken und Talente – vor allem auch jenseits von Stereotypen – durch Ausprobieren zu entdecken und weiterzuentwickeln.“

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