Ehrung

Goldener Meisterbrief für Landwirte

Die Hückeswagener Landwirte Horst Schreiber (l.) und Paul-Gerhard Frowein erhielten ihren Goldenen Meisterbrief.
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Die Hückeswagener Landwirte Horst Schreiber (l.) und Paul-Gerhard Frowein erhielten ihren Goldenen Meisterbrief.

Horst Schreiber und Paul-Gerhard Frowein wurden für 50 Jahre als Landwirtschaftsmeister geehrt.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Ein halbes Jahrhundert in einem Beruf ist lang. Noch bedeutender wird es, wenn man einen Goldenen Meisterbrief bekommt – denn der Meistertitel steht selten am Beginn der Berufszeit. So freuten sich Bernd Schnippering, Kreislandwirt für den Oberbergischen Kreis, und sein rheinisch-bergischer Kollege Peter Lautz im Lindlarer Forschungs- und Innovationsstandort Metabolon sehr darüber, an gleich sechs Männer und eine Frau die Auszeichnung für 50 Jahre als Landwirtschaftsmeister zu überreichen.

Schnippering: „Sie haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten nicht nur tiefgreifende Veränderungen in der Landwirtschaft erlebt. Sie haben auch den Meistertitel angewendet – und Nachwuchs ausgebildet.“ Schließlich sei das Weitergeben des Wissens an die nächste Generation die Kernaufgabe des Meisters. „Sie haben schon als Kinder eine komplett andere Landwirtschaft miterlebt. In der Zeit, als Sie Ihren Meister machten, und genau wie heute auch, hat sich die Landwirtschaft noch einmal weiter entwickelt“, sagt Schnippering.

Wegen Corona habe man die zu Ehrenden der Meisterjahrgänge 1971 und 1972 in diesem Jahr und im etwas weitläufigeren Ambiente des Metabolon zusammengefasst. „Normalerweise wären wir in einem gemütlichen Café, aber so bleiben wir hoffentlich alle gesund“, sagt Schnippering.

Mit dem Hückeswagener Horst Schreiber ist nur ein Meister des Jahrgangs 1971 vertreten, alle anderen haben ihre Abschlüsse 1972 gemacht. „Es war eine wundervolle Zeit, die wir sehr genossen haben“, kommentiert Helmut Dresbach. Der Waldbröler erinnert sich daran, dass fünf oberbergische Meisterschüler nach Siegburg zur Schule gefahren seien. „Wir wurden als ‚Hirtenjungen‘ und ‚Vorgartenbauern‘ begrüßt. Denen haben wir aber dann gezeigt, was wir drauf haben.“

Der 83-jährige Schreiber erinnert sich noch gut daran, wie er zur Landwirtschaft gekommen ist: „Meine Eltern hatten einen Hof in Eckenhagen, dort habe ich auch meine Ausbildung gemacht.“ Fünf Jahre, nachdem er geheiratet habe, sei sein Schwiegervater auf ihn zugekommen, ebenfalls Landwirt. „Mein Schwager wollte den benachbarten Hof in Ispingrade nicht mehr weiterführen. Mein Schwiegervater hat mich dann gefragt, ob wir, meine Frau und ich, nicht beide Höfe führen wollten“, sagt der 83-Jährige.

Wegen seiner amerikanischen Rinder gab es Morddrohungen

Heute führt sein Sohn den Hof mit 260 Milchkühen. „Das sind schon andere Dimensionen als zu meiner Zeit, als wir Hof vielleicht zehn Tier hatten“, sagt Schreiber. Ende der 60er Jahre sei er in die richtige Selbstständigkeit gegangen. Eine wilde Zeit: „Wir haben erstmals Rinder der US-amerikanischen Rasse Holstein-Friesian hierzulande angesiedelt“, sagt Schreiber. Sehr zum Missfallen konservativer Züchter, vor allem in Wipperfürth-Egen. „Das ging soweit, dass es Morddrohungen gegen uns gab“, sagt der 83-Jährige.

Nicht ganz so dramatische Erinnerungen hat Paul-Gerhard Frowein, dessen Eltern ebenfalls einen Hof in Hückeswagen hatten. „Unseren Hof gibt es heute noch, allerdings als Nebenerwerb. Er ist in Vogelsholl“, sagt der 71-Jährige. Dazu habe seine Familie noch viel Forst als zweites Standbein gehabt. „Heute haben wir noch Mast-Rinder, einer meiner Söhne führt den Hof“, sagt Frowein. Er sei mehr oder weniger aus Tradition zu seinem Beruf gekommen. „Ich war der einzige Sohn, der bekam den Hof. Meine Schwester hat einen Landwirt geheiratet und ist auf dessen Hof gezogen.“

Beide Gold-Meister eint die Liebe zu ihrem Beruf. „Ich habe mit 18 für einige Zeit bei meinem Vetter in dessen Kunststoff-Presserei gearbeitet. Aber ich habe sehr bald gemerkt, dass mir die Natur und die Tiere fehlen“, sagt Schreiber.

Frowein kann das nachvollziehen: „Für mich ist es kein Zufall, dass die Natur so funktioniert, wie sie es tut – das ist von Gott so gewollt.“ Man müsse nicht nur von der Natur reden, man müsse sie auch gut behandeln, ergänzt er. „Wenn ich den Müll überall sehen muss, wird mir ganz anders“, kritisiert Frowein.

Hintergrund

Ehrungen: Neben Horst Schreiber und Paul-Gerhard Frowein aus Hückeswagen wurden noch Siegfried Flosbach aus Wipperfürth, Helmut Barth, Helmut Dresbach und Wilfried Schumacher aus Waldböl, Albert Cronraht aus Morsbach und Else Joest aus Leichlingen für jeweils 50 Jahre seit der Meisterprüfung ausgezeichnet.

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