Nach zwei Jahren Arbeit

Gira nimmt neue Hightech-Anlagen in Betrieb

Größer als anderthalb Handball-Felder: Auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern hat der Gebäudetechnikspezialist Gira seit April auf seinem Campus an der Röntgenstraße zwei vollautomatische Montagelinien und eine Umverpackungsanlage in Betrieb genommen.
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Größer als anderthalb Handball-Felder: Auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern hat der Gebäudetechnikspezialist Gira seit April auf seinem Campus an der Röntgenstraße zwei vollautomatische Montagelinien und eine Umverpackungsanlage in Betrieb genommen.

Aus 20 Bauteilen kann in weniger als einer Sekunde eine Qualitätssteckdose montiert werden.

 Von Joachim Rüttgen

Radevormwald. Von vornehmer Bescheidenheit keine Spur. „Eine modernere Anlage wird man derzeit in der Branche nicht finden“, sagt Steffen Zimmermann, Produktionsgeschäftsführer beim Gebäudetechnikspezialisten Gira, selbstbewusst und zeigt auf die beiden neuen Steckdosen-Montageanlagen am Campus an der Röntgenstraße. Fast 26 Meter ist jede Linie lang. Zusammen bringen sie 130 000 Kilogramm auf die Waage – dies entspricht dem Leergewicht eines Großraumflugzeugs vom Typ Airbus A340-300.

Auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern laufen die beiden Montageautomaten mit der dazugehörigen Umverpackungsanlage seit Mitte Juli im Produktions-, Entwicklungs- und Logistikzentrum des Technologiemittelständlers auf Hochtouren: Mehr als 7200 Steckdosen setzen sie in einer Stunde vollautomatisch zusammen – inklusive Varianten- und Qualitätskontrolle durch hochmoderne Kamera- und Prüfsysteme. Die reine Montagezeit für eine Steckdose, die aus bis zu 20 Bauteilen besteht, dauert keine Sekunde. Im Zusammenspiel mit zwei Verpackungsautomaten werden die fertig montierten Produkte gleich auch noch versandfertig gemacht.

Gut zweieinhalb Jahre hat es von der Projektierung bis zur Inbetriebnahme der Anlagen gedauert. „Solch vollautomatische Montageanlagen kann man eben nicht von der Stange kaufen oder einfach im Katalog bestellen“, sagt Michael Wied und lacht. Er ist Leiter Process Engineering (Industrialisierung).

Mit einem abteilungsübergreifenden Team hat der Maschinenbau-Ingenieur das Großprojekt von Anfang bis zum Ende betreut. Vielmehr kam es darauf an, dass beide Anlagen perfekt auf die Anforderungen und Bedürfnisse des Unternehmens Gira zugeschnitten sind.

Entstanden sind die beiden maßgeschneiderten Unikate beim beauftragten Sondermaschinenbauer zunächst rein digital. Dabei wurden die örtlichen Gegebenheiten und baulichen Besonderheiten des künftigen Standorts bereits berücksichtigt. Ebenso wichtig war, dass sich mithilfe dieser „digitalen Zwillinge“ die Grundfunktionen der Anlagen am Computer simulieren ließen. „Mögliche Fehlentwicklungen lassen sich so frühzeitig erkennen und abstellen, bevor auch nur eine Schraube verbaut worden ist“, sagt Wied.

Mitarbeiter wurden mit Systemen früh vertraut gemacht

Auf dieser Basis wurden die beiden Anlagen beim Lieferanten 2021 aufgebaut: zunächst die Grundsysteme, die danach schrittweise um Zuführungen und weitere Prozesse wie Radialnieten oder Laserbeschriftung ergänzt wurden. „Parallel dazu haben wir die Anlagen immer wieder auf Herz und Nieren getestet“, berichtet Wied. Es folgte ein aufwendiger, mehrmonatiger Abnahmeprozess, während die Testproduktion sukzessive hochgefahren wurde. „Beide Anlagen mussten unter Volllast ihre zuverlässige Funktion und die geforderte Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, bevor wir ‚grünes Licht‘ für den Transport geben konnten“, sagt Wied.

Hier erfolgten im Frühjahr der Aufbau und die Vorbereitungen zur endgültigen Inbetriebnahme. 300 000 Teile liefen von April bis Juli über beide Linien, bevor Gira den Startschuss für die Serienproduktion gegeben hat. „Unsere hohen Qualitätsstandards erfordern, dass wir automatisierte Fertigungsprozesse bis ins kleinste Detail optimieren“, erklärt Wied. „Außerdem brauchen zum Beispiel die Kamera- und Prüfsysteme diese Einlernphase, damit sie mit einer Trefferquote von 100 Prozent Gutteile von Schlechtteilen unterscheiden können.“

Die Hochlaufphase hat das Unternehmen auch dafür genutzt, dass sich die  Mitarbeiter frühzeitig mit den Systemen vertraut machen konnten. Denn neben aller Hightech-Elektronik, die in 36 Schaltschränken die Anlagen steuert, sind es nach wie vor Menschen, die dafür Sorge tragen, dass die Technik einwandfrei funktioniert. Über zehn Bedienterminals je Montagelinie kommunizieren sie mit der Anlage, um Aufträge einzugeben, Parameter zu verändern, Betriebsdaten auszulesen und die Fertigungsprozesse zu überwachen.

Seit 1962 setzt Gira auf das Miteinander von Automatisierung und Handarbeit. Vor 60 Jahren nahm der Bergische Mittelständler sein erstes Fließband in Betrieb. Entwickelt, konstruiert und gebaut hatten die 21 Meter lange Anlage seinerzeit Gira Techniker und Schlosser innerhalb von vier Monaten. Schon damals war in die Fertigungslinie ein vollautomatisches Montagesystem integriert.

Heute gilt noch mehr als vor sechs Jahrzehnten: Wo enorme Stückzahlen durch die Herstellung laufen, trägt der gezielte Einsatz von Automatisierungs- und Prüftechnologien dazu bei, die Wirtschaftlichkeit der Fertigung zu verbessern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Hintergrund

Gira setzt seit 1905 auf „‚Made in Germany“ und den Fertigungsstandort Deutschland. Das Familienunternehmen investiert in innovative Fertigungs- bzw. Logistiktechnologien. Tatsächlich sind die Planungen für die dritte vollautomatische Montagelinie längst angelaufen: Ihre Inbetriebnahme in Radevormwald ist für das kommende Jahr vorgesehen.

www.gira.de

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