Erzählcafé

Gesprächsthemen gehen ihnen nie aus

Um die zehn Personen nehmen regelmäßig an dem gemütlichen Plaudertreff unter der Leitung von Anita Belenguer (vorne rechts) in der Stadtbibliothek teil.
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Um die zehn Personen nehmen regelmäßig an dem gemütlichen Plaudertreff unter der Leitung von Anita Belenguer (vorne rechts) in der Stadtbibliothek teil.

Seit sechs Jahren gibt es das Erzählcafé an jedem ersten Freitag eines Monats.

Von Heike Karsten

In der Stadtbibliothek gibt es spannende Geschichten nicht nur in den Büchern – sie werden auch erzählt. Meistens sind es Geschichten aus dem Leben, aus der Erinnerung oder auch angelesenes Wissen über die Schloss-Stadt. Elf Männer und Frauen sitzen am Freitagmorgen in der oberen Etage gemütlich zusammen, auf dem Tisch flackern sechs Kerzen, es gibt Kuchen, der Kaffee duftet. Zusammengekommen sind hier sowohl gebürtigen als auch zugezogene Hückeswagener im Rahmen des Erzählcafés.

Unter der Leitung von Anita Belenguer trifft sich der Gesprächskreis schon seit sechs Jahren. Dabei gehen den Teilnehmern die Gesprächsthemen nicht aus. Im Gegenteil. Vom Hauptthema, das Anita Belenguer vorgibt, kommen die Frauen und Männer vom Hölzchen aufs Stöckchen. Es wird erzählt, wie die Kinder der Weierbachstraße am kleinen Fenster neben dem Eingang zur Gaststätte „Zum Justhof“ Bier für den Besuch zu Hause geholt hätten. „Da wurde noch nicht gefragt, wie alt man ist“, erinnert sich Anita Belenguer. In Erinnerung geblieben ist auch der Milchladen Hager an der Friedrichstraße, in dem es eiskalt war. „Die Frau hatte immer einen dicken Strickpulli und eine Schürze an, und der Mann hatte blaugefrorene Hände“, wird berichtet.

Themen gibt es unzählige. „Hückeswagen ist eine lebendige Stadt“, versichert die Erzählcafé-Organisatorin. Anregungen erhält die Gruppe aus den „Leiv Heukeshoven“-Heften des Bergischen Geschichtsvereins, aus den Aufzeichnungen von Hella Krumm oder auch von anderen Autoren. So hat Heimatforscher Fredi K. Roß schon Vorträge beim Erzählcafé gehalten, beispielsweise über die Hückeswagener Industriegeschichte. Bäckermeister Jörg von Polheim gab Einblicke in seine Familiengeschichte, und auch Plattkaller Hans-Willi Krämer war schon da. Jetzt hatte Stadtführer Hans-Jürgen Grasemann die Teilnehmer mit auf eine interessante Spazierrunde durch die Stadt, vorbei an vielen geschichtsträchtigen Häusern, genommen.

Alte Häuser und ihre Geschichten bieten immer wieder Gesprächsthemen. Dabei geht es um das ehemals blühende Gaststätten-Gewerbe in der Stadt, ehemalige Geschäfte, die Ruhmeshalle, das Krankenhaus Johannesstift, den ehemaligen Sportplatz Morgenstern an der Peterstraße, die Reithalle von 1920 oder den Rosenpavillon im Schlossgarten. Einige Besucher des Erzählcafés wissen noch, dass der Wilhelmplatz einst aus einer Pferdetränke und einem großen Misthaufen bestand. Ein Schandfleck, der später verschönert und zur Silberhochzeit von Kaiser Wilhelm dessen Namen erhielt. „Es gibt sogar noch ein Dankesschreiben vom Kaiser“, weiß Hans-Jürgen Grasemann.

Für die Stadtgeschichte interessieren sich ebenso Zugezogene, wie Helga Peter: „Für mich war es sehr wichtig, als Außenstehende Einblicke zu erhalten und die Stadt kennenzulernen.“ Edeltraud Grösch stammt ebenfalls aus Remscheid. „Ich kannte Hückeswagen nur vom Durchfahren“, gibt sie zu. Als Firma Runkel eine Siedlung nahe der Bever-Talsperre baute, zählte sie mit ihrer Familie zu den ersten, die im Juli 1968 dort in ein Haus einzog. „Ein Jahr lang gab es keine Straßenbeleuchtung, deshalb nannte man sie die ,Siedlung, die im Dunkeln lebt‘“, berichtet sie.

Die 90 Minuten gehenimmer schnell vorbei

Neu im Erzählcafé ist Angelika Wächtler. Sie ist in Hückeswagen aufgewachsen, hatte zwischenzeitlich aber 20 Jahre in Wien gelebt, bevor sie zurückgekehrt ist. Als Kind hatte die 75-Jährige die Überschwemmung des Johannisteichs miterlebt. „In den Häusern der Nachbarn stand das Wasser, nur wir lagen etwas höher. Meine Mutter hat dann die Helfer mit Kaffee versorgt.“ Auch ans Schlittschuhlaufen auf dem Stadtparkteich kann sie sich gut erinnern. „Die Stadt hatte dazu große Scheinwerfer in die Bäume gehangen.“ Aktuelle Themen finden ebenso im Erzählcafé Platz, wie die Verkehrsberuhigung auf der Bachstraße, über die mit Bürgermeister Dietmar Persian gesprochen wurde.

Die 90 Minuten Plauderzeit gehen jedes Mal schnell vorbei. Die Teilnehmer möchten diesen Austausch nicht missen. Auch die Corona-Zeit hat das Erzählcafé gut überstanden. „Wir mussten allerdings ein Jahr pausieren“, sagt Anita Belenguer.

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