Theater

Gespräch auf der Bühne hallt nach

Zwei Väter in einem bewegenden Gespräch: Wolfgang Wirringa (l.) und Neven Nöthig als Azdyne Amiour und Georges Salines.
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Zwei Väter in einem bewegenden Gespräch: Wolfgang Wirringa (l.) und Neven Nöthig als Azdyne Amiour und Georges Salines.

Westfälisches Landestheater beeindruckte mit „Wir haben Worte“.

Von Claudia Radzwill

Radevormwald. Es ist ein besonderer Theaterabend. Das Westfälische Landestheater zeigt am Mittwochabend auf der Bühne des Bürgerhauses „Wir haben Worte“. Ein Abend des Radevormwalder Kulturkreises, der berührt, der aufrüttelt. Am Ende braucht das Publikum kurz Zeit. Die Worte auf der Bühne hallen nach. Dann gibt es großen Beifall.

Das Dialogstück basiert auf einer wahren Begebenheit. Auf einem Gespräch von Georges Salines und Azdyne Amimour, deren Leben eng mit den Terroranschlägen am 13. November 2015 in Paris verbunden ist. An verschiedenen Orten fallen damals Schüsse. Es sterben 130 Menschen, 683 werden verletzt. Im ausverkauften Kulturzentrum Bataclan spielt die Rockband Eagles of Death Metal – hier kommt die Besucherin Lola Salines ums Leben. Samy Amimour war einer der Attentäter. Er wird von der französischen Polizei getötet. Sein Vater Azdyne sucht Jahre später Kontakt mit Eltern der Opfer. Lolas Vater sagt zu. Dieser Dialog der Väter wurde 2020 in Frankreich als Buch veröffentlicht. Christian Scholze, Dramaturg des Westfälische Landestheaters, hat daraus ein Theaterstück geschaffen. Ein Unikat. Ein Bühnenformat gibt es sonst nicht. „Es gibt auch keine deutsche Übersetzung des Buches. Als Vorlage diente die englische Version“, berichtet Scholze in der Einführung zum Stück, die vor der Aufführung stattfand. Er reiste dann nach Paris, Georges Saline und Azdyne Amimour segneten das Stück ab.

Neven Nöthig als Georges Saline und Wolfgang Wirringa als Azdyne Amimour verkörpern die beiden Väter. Authentisch, wenngleich sie in der Schauspielrolle bleiben. Zwei Stühle, zwei Wände, die gleiche dunkle Kleidung. Die Bühnenausstattung ist schlicht, der Dialog steht im Mittelpunkt. Die beiden Männer treten in den Austausch – ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Schuldzuweisung. Es ist ein offener Dialog. Emotional. Das fesselt.

Salines alias Nöthig hinterfragt und Amimour alias Wirringa antwortet. Ursprünglich aus Algerien stammend hat Aminour sich etwas aufgebaut, hat ein Unternehmen. Er hat versucht, seinen Kindern auch die christliche Kultur nahezubringen – es gab sogar einen Weihnachtsbaum. Die Kinder sollten es besser haben. „Ich hoffte, Samy würde Notar“, sagt Amimour.

Doch Samy schmiss das Studium, jobbte als Busfahrer. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er das Geld sparte, um nach Syrien zu gehen“, erklärt der Vater. Zu welchem Zeitpunkt Samy sich radikalisierte? Das fragt er sich selbst.

Aminour lässt sich auch von Lola erzählen. „Sie war eine lebensfrohe junge Frau“, sagt Georges Salines. Der Tag des Attentats hat beide Männer, beide Familien schwer getroffen – und geprägt. Bis heute. Neven Nöthig und Wolfgang Wirringa überzeugen in ihren Rollen. Am Ende sagt Saline zu Amimour: „Wir haben eine Botschaft: Es ist möglich, miteinander zu reden.“ Es ist eine hoffnungsvolle Botschaft, auch an das Publikum.

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