Wanderung

Geschichten über „Fluss der Arbeit“

Christine Hummel (l.) und Ulrike Anna Bleier freuten sich auf ihre Wanderung und die vielseitigen Eindrücke entlang der Strecke
+
Christine Hummel (l.) und Ulrike Anna Bleier freuten sich auf ihre Wanderung und die vielseitigen Eindrücke entlang der Strecke.

Regionenschreiberin Ulrike Anna Bleier ist in Oberberg unterwegs.

Von Wolfgang Weitzdörfer

RADEVORMWALD/HÜCKESWAGEN Mehr als die Hälfte ihrer Zeit ist bereits vorbei. Ulrike Anna Bleier ist eine der zehn Regionenschreiber, die im Zuge des landesweiten Projekts „stadt.land.text“ unterwegs sind. Die Kölnerin ist für vier Monate im Oberbergischen Kreis und in Remscheid auf der Straße der Arbeit unterwegs. Ziel des Projekts ist es, Menschen in der jeweiligen Region kennenzulernen, mit ihnen unterwegs zu sein, zu sprechen – und darüber zu schreiben. Im Falle von Ulrike Anna Bleier geht es vor allem um Arbeit.

„Ich bin ja auf der Straße der Arbeit unterwegs, da liegt es natürlich nahe, sich auch mit dem Thema zu beschäftigen. Vom 7. März bis Ende April war ich von Gummersbach aus in unterschiedlichen Kommunen im Oberbergischen unterwegs, im Mai und im Juni ist mein Wohnort in Remscheid“, sagt die Regionenschreiberin. Als letzte Wanderung in Oberberg ist Ulrike Anna Bleier mit der Wuppertalerin Christine Hummel auch im Nordkreis, in Radevormwald und Hückeswagen, unterwegs. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz in Krebsöge.

Die Sonne scheint, es ist frühlingshaft warm, und die beiden Frauen sind gut gelaunt und voller Vorfreude auf ihre Wanderung. Zu Beginn ihres Aufenthalts in Gummersbach habe sie gar nicht gewusst, worauf sie sich einlassen würde. „Ich wusste nicht, ob sich irgendjemand finden wird, der mit mir gehen will, der mit mir reden will – und über den ich auch schreiben darf“, sagt sie. Eine unbegründete Sorge. „Ich habe Anfang März schon drei Menschen angesprochen, mit denen ich auch unterwegs war. Nachdem wir an die Öffentlichkeit gegangen sind, kamen noch sehr viele Anfragen mehr. Ich bin im Grunde genommen bis zum Ende meiner Zeit als Regionenschreiberin ausgebucht“, sagt Ulrike Anna Bleier und lacht.

Der Opa arbeitete noch in der Grube Castor bei Engelskirchen

Die Geschichten, die sie erzählt bekommen hat, sind auf dem Projekt-Blog nachzulesen. „Es sind ganz unterschiedliche Menschen“, sagt sie, „mit ganz unterschiedlichen Geschichten.“ So habe sie etwa mit einer 90-Jährigen gesprochen, deren Großvater noch in der Grube Castor bei Engelskirchen gearbeitet habe, die 1929 geschlossen wurde. Ein ebenfalls sehr interessantes Gespräch, habe sie mit einer Frau geführt, die in der Seelsorge arbeite und gleichzeitig Jägerin sei.

Mit Christine Hummel will sie nun nach Hückeswagen wandern. „Ich bin Leiterin der Zentralen Studienberatung an der Universität Wuppertal“, sagt sie. Sie habe die Verbindung von „Wandern und Arbeit“ aus zweierlei Gründen gereizt, sagt die Wuppertalerin. „Ich will aus den Gesprächen etwas für meine Arbeit in der Studienberatung mitnehmen. Arbeit ist ein sich wandelnder Prozess, da gibt es sicherlich Ideen und Themen, die ich den Studierenden mitbringen kann.“ Außerdem sei sie als Literaturwissenschaftlerin im Netzwerk GEDOK aktiv. „Unser diesjähriges Schwerpunktthema ist Wasser. Wir wollten nicht irgendetwas zum Thema Corona machen, darauf hatte niemand Lust“, sagt Christine Hummel. Ihr Arbeitsschwerpunkt: „Welche Geschichten erzählt die Wupper?“ Schließlich sei die Wupper ein Arbeits-Fluss. „Die Schriftstellerin Else Lasker-Schüler spricht in ihrem Stück ‚Die Wupper‘ von einem ‚schlimmen Fluss‘“, sagt Christine Hummel.

Sie kenne die Wupper noch als „schmutzigsten Fluss Europas“, mit Schaum auf der Wasseroberfläche, innerlich tot. „Und heute sieht man im klaren Wasser wieder Fische“, sagt sie und strahlt. Wenn sie an den anderen großen Fluss im Rheinland denke, den namengebenden Rhein natürlich, sagt sie: „Das ist doch vom ganzen Habitus ein anderer Fluss als die Wupper.“ Sie freue sich „wie wahnsinnig“ auf die Wanderung und den Austausch mit Ulrike Anna Bleier. „Die Verbindung von Arbeit und Literatur ist ganz besonders, das interessiert mich sehr“, sagt die Regionenschreiberin.

Darum hält es sie nun auch nicht weiter auf der Bank am Wanderparkplatz. Sie wollen losgehen, und wenige Augenblicke später sind sie nicht mehr zu sehen. Was bleiben wird – neben den Erinnerungen für die beiden Frauen – sind die Worte, die die Regionenschreiberin Ulrike Anna Bleier zu einem späteren Zeitpunkt zusammenfassen und auf dem Projektblog von „stadt.land.text“ veröffentlichen wird.

Hintergrund

Residenz: Autorin Ulrike Anna Bleier ist als Regionenschreiberin vom 1. März bis 30. Juni unterwegs. Die ersten beiden Monate war sie im Oberbergischen Kreis, wohnte in Gummersbach, seit dem 1. Mai ist sie in Remscheid. Dort wohnt sie im Stadtteil Honsberg in einer Wohnung des Vereins „Ins Blaue“.

Blog: Die Texte von Ulrike Anna Bleier sind auf der Internetseite des Regionenschreiber-Projekts „stadt.land.text“ zu finden:

www.stadt-land-text.de/author/ulrikeanna-bleier

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Nacktwandern auf legalen Wegen
Nacktwandern auf legalen Wegen
Nacktwandern auf legalen Wegen
Unfall nicht mitgekriegt
Unfall nicht mitgekriegt

Kommentare