Gastronomen müssen ihre Angebote kürzen

Volker Kanschik, Pächter des Traditionslokals Zum Justhof an der Weierbachstraße, sucht zurzeit Servicekräfte per Aushang.
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Volker Kanschik, Pächter des Traditionslokals Zum Justhof an der Weierbachstraße, sucht zurzeit Servicekräfte per Aushang.

Im Restaurant gibt es keine Kellner, im Hotel keine Zimmermädchen. Branche leidet unter den Corona-Folgen.

Von Heike Karsten

Hückeswagen. Die Gäste im voll besetzten Biergarten des Kolpinghauses werden seit gut einer Woche von einer jungen Frau bedient. Für die Servicekraft gleicht der Start in die neue Aufgabe einem Sprung ins kalte Wasser. „Sie hat gerade erst angefangen, aber ich kann sie nicht anlernen, weil ich selbst in der Küche stehe“, bedauert Kolpingwirt Walter Milone. Damit geht es ihm aber immer noch besser als den meisten anderen seiner Kollegen am Ort. Denn die Suche nach Aushilfen, geschweige denn nach gelernten Fachkräften, ist seit der Corona-Pandemie wesentlich schwerer geworden.

Viele Mitarbeiter kehren aus Angst vor einer erneuten Schließung nicht in die Gastronomie zurück.

Volker Kanschik, Zum Justhof

„Rezeptionisten, Köche, Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden händeringend gesucht. Ohne sie kann die Branche in der wichtigsten Saison des Jahres nicht durchstarten“, sagt Manja Wiesner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die NGG verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach zählte das Beherbergungsgewerbe im Oberbergischen Kreis Ende Juni 30 offene Stellen – mehr als dreimal so viele wie vor genau einem Jahr (plus 233 Prozent).

Die Pandemie ist einer der Gründe für den Personalmangel. Denn in der Folge von Lockdowns und Kurzarbeit haben etliche Beschäftige die Branche verlassen und sich neue Jobs, wie beispielsweise im Einzelhandel, gesucht. Genau das bestätigt Justhof-Betreiber Volker Kanschik. „Viele Mitarbeiter kehren aus Angst vor einer erneuten Schließung nicht in die Gastronomie zurück“, sagt er. Michael Kniep, der einzige Hotelier am Ort, hat diese Erfahrung nicht machen müssen. „Wir konnten unsere Mitarbeiter halten“, sagt der Inhaber des Hotel-Restaurants an der Bahnhofstraße. Lediglich für den Zimmerservice würde noch jemand benötigt.

Für viele Hoteliers im Kreis ist es aktuell einfacher, Gäste zu finden als Mitarbeiter. „Es kommt jetzt darauf an, Fachleute mit guten Konditionen zu locken, um für die steigende Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen gewappnet zu sein“, sagt NGG-Geschäftsführerin Wiesner. Ein entscheidender Punkt sei die Bezahlung. Doch auch bei den Arbeitsbedingungen müssten die Firmen nachlegen, um sich im Wettbewerb um dringend gesuchtes Personal behaupten zu können. Angestellte im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiten oft dann, wenn andere frei haben – nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. „Das geht zulasten von Familie und Freizeit. Es ist wichtig, Arbeitszeiten im Sinne der Beschäftigten zu organisieren“, macht Wiesner deutlich.

Dirk Hansmann, Chefkoch des Restaurants Aquamarin am Bürgerbad, kann das bestätigen. „Zuerst wird immer nach dem Verdienst und den Arbeitszeiten gefragt“, sagt er. Der Restaurantbetreiber fahre derzeit nur mit halber Kraft. Dafür hat er den kleineren Nebenraum im Restaurant gemütlich eingerichtet und die Terrasse neu gestaltet, um dort die Gäste bewirten zu können. „Ich kann nur annehmen, was ich schaffen kann“, sagt Hansmann. Für größere Veranstaltungen benötige er auch entsprechend mehr Personal.

Aber auch andere Einflüsse erschweren dem Gastronomen die Arbeit. Ein Jahr lang habe das Restaurant unter der Baustelle für den Bau der neuen Grundschule gelitten. „Wir haben deshalb unser Mittagsgeschäft eingestellt“, berichtet der Koch. Durch das geschlossene Hallenbad würden zudem weniger Passanten am Restaurant vorbeikommen. Jetzt kämen die gestiegenen Energiekosten und das fehlende Personal obendrauf. Verdienen ließe sich in der Gastronomie jedoch gut. „Die Löhne wurden gut angehoben. Und wenn sich die Mitarbeiter auf die Gäste einstellen, wird das auch mit Trinkgeldern honoriert“, betont Hansmann.

„Aushilfen und Fachkräfte zu finden, ist eine Katastrophe, aber wir sind zum Glück derzeit gut aufgestellt“, sagt Miko vom gleichnamigen Restaurant-Bistro. Je größer ein Betrieb jedoch ist, desto mehr Personal wird benötigt. Genau das stellt die Gastronomen vor eine große Herausforderung.

Auslastung im Gastgewerbe

Für die Hotelbranche im Oberbergischen Kreis rechnet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit einer hohen Auslastung für die kommenden Monate: „Nach fast zweieinhalb Jahren Corona machen viele Menschen zum ersten Mal wieder richtig Urlaub. Der Tourismus im eigenen Land steht dabei hoch im Kurs. Hinzu kommen die Geschäftsreisenden. Und auch manche verschobene Geburtstags- oder Hochzeitsfeier wird nachgeholt“, zählt Geschäftsführerin Manja Wiesner auf.

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